Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Aufbauarbeit in Palästina in den nächsten zehn Jahren
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 349 (sequence 9)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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349 b) die Errichtung von Werkstättenhäusern, in denen die kleineren Industriellen Arbeitsräume mit elektrischer Kraft mieten können; c) die Beschaffung von langfristigem Kredit, Es ist ein schwerer Mißstand, daß Industrielle, die in Palästina eine Fabrik aufbauen wollen, große Schwierigkeiten und Zeitverlust haben, bis sie einen passenden Platz für ihr Unternehmen finden. Dem könnte dadurch abgeholfen werden, daß in Haifa und Jaffa ein Gebiet als Industriegelände bestimmt und vom Jüdischen Natiohalfonds oder einer anderen Körperschaft erworben wird. Dieses Gelände sollte dann parzellenweise an Industrielle verkauft oder auf 49 oder 99 Jahre verpachtet werden, Auf diese Weise wäre die Platzfrage für neue Industrien leicht gelöst. Die räumliche Konzentrierung vieler Industrien auf demselben Gelände hätte dann noch den Vorteil, daß alle für die Industrie wichtigen Hilfsmittel (Versorgung mit Wasser, Licht, Kraft, Eisenbahnanschluß, eventuell auch Hafenanschluß) hier vorhanden sein werden. Für Kleinindustrielle, die nicht das nötige Kapital haben, um sich eine eigene Werkstätte zu bauen, sollten große Werkstättenhäuser gebaut werden, in denen jeder Industrielle so viel Raum mieten kann, als er bedarf. Die wichtigste Frage ist die Frage der Kreditbeschaffung. Bisher besteht in Palästina kein Institut, das industriellen . Unternehmern .den notwendigen Kredit auf lange Frist (5 bis 15 Jahre) einräumt. Der Unternehmer kann im besten Falle einen kurzfristigen Kredit auf ein oder zwei Jahre erhalten. Aber mit diesem ist ihm nur in seltenen Fällen gedient. Es muß nämlich deutlich gesagt werden, daß das, was die industriellen Unternehmer brauchen, nicht nur ein kurzer Betriebskredit ist, sondern daß der Kredit eigentlich eine Art von Finanzierung oder Beteiligung der kreditgebenden Institutionen darstellt. In den seltensten Fällen hat ein Unternehmer das gesamte Kapital, das zum Aufbau der Fabrik, zu ihrem Betrieb und eventuell zur Kreditgewährung an Kunden notwendig ist. Die jüdischen Fabrikanten in Polen sind gewöhnt, einen großen Teil des Geldes, das in ihren Fabriken steckt, im Wege des Kredits zu erhalten, und sie können nicht daran denken, ihre Fabrikation nach Palästina zu übertragen, wenn sie nicht auch hier Kreditmöglichkeiten dieser Art vor sich sehen. Die Gründung einer besonderen Industriebank ist seit Jahren von mir empfohlen worden. Der letzte Zionistische Kongreß hat sich für die Gründung einer solchen Bank ausgesprochen. Obwohl mir bekannt ist, daß sich vom banktechnischen Standpunkt manche Einwände dagegen erheben lassen, eine Bank ausschließlich für langfristige industrielle Kredite zu gründen, so scheint mir doch diese Gründung notwendig zu sein. Denn nur wenn für die Industrie ein besonderes Finanzinstitut geschaffen wird, besteht die Wahrscheinlichkeit, daß dieses Institut sich auf dem Gebiet des Industriekredites spezialisieren und diese Kredite mit mehr Sachkenntnis geben wird, als es bei einer Bank der Fall ist, die neben allen anderen Bankgeschäften auch Industriekredite gibt. Wenn man den Betrag, der bisher in jüdischen industriellen Anlagen in Palästina investiert ist, einerseits und die Zahl der gesamten von der Industrie lebenden Besitzer, Beamten, Angestellten und Arbeiter andererseits vergleicht, so ergibt sich, daß auf den Kopf etwa Pfund 125.— entfallen. Nun ist allerdings für einen Teil der Ange-