Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1928)
- Article
- [Rezension] / ad. bm.
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 337 (sequence 2)
- Language
- German
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337 übernommenen Keren-Hajessod-Verpflichtung seitens der amerikanischen Zionistischen Organisation, die schon mit 40—50.000 Pfund im Rückstand ist. Der Beitrag Rothschilds zum Schulbudget betrug 4000 Pfund, nicht 18.000. Der Vertrag Englands mit Transjordanien erkennt zwar die »Unabhängigkeit« dieses Landes an, doch mit großen Einschränkungen (siehe unsere Rundschau: »Politik«, sowie die Notiz unter »Nachrichten und Daten«), ohne deren Erwähnung der Eindruck entstehen muß, daß das Mandatsland des Völkerbundes Trans jordanien ein völlig unabhängiger Staat, wie England, wäre, Prof. Dal man bespricht das Buch Dr. Wieners (siehe Nr. 3/4 1928, S. 203). Die Besprechung zeigt, daß bei größtem Wohlwollen für die zionistische Sache, Fernerstehende ihr Wesen nicht völlig erfassen können. Prof. Dalman begrüßt die Kritik Wieners als »hocherfreulich«, aber worin besteht dies Erfreuliche? Man höre: Der prinzipielle Ausschluß der billigen arabischen Arbeit steht dem wirtschaftlichen Erfolg der Siedlungen im Wege! Nachdem von 1882—1908 die alte Kolonisation, die auf arabische Arbeit basiert war (und übrigens zu dieser Zeit auch nicht prosperierte), gezeigt hatte, daß man auf diesem Wege — jüdische Besitzer, arabische Bebauer — nie zu einem jüdischen Nationalheim kommen kann, soll man jetzt, mach der Balfour - Deklaration, wieder jüdische Kolonien mit arabischer Arbeit gründen! — »Das Streben nach einer jüdischen Majorität macht blind für ruhige wirtschaftliche Entwicklung.« Man weiß nicht, was man sich unter einer solchen Kritik vorstellen soll! Im selben Heft berichtet Prof. Steuernagel von dem Prosperieren der jüdischen Landwirtschaft und Industrie. Der ganze wirtschaftliche Auftrieb Palästinas ist den Juden zu danken, inklusive der Verbesserungen des Zoll- und Steuerwesens, aber Prof. Dalman glaubt es Dr. Wiener, daß ihre politische Einstellung die Juden wirtschaftlich »blind« mache! Ferner ist da ein Ding, das die „hebräisch-nationale Selbstsucht" genannt wird und die eine Gefahr für den Frieden im Lande bedeute. Was unter diesem Begriff zu verstehen ist, wird nicht gesagt, ebenso nicht, auf welche Weise durch den Hebraismus der Juden der Friede gestört wird. Bekanntlich herrscht gerade in Palästina vollkommene Ruhe, nicht aber in irgend einem der umliegenden arabischen Länder, wo es keine »hebräischnationale Selbstsucht" gibt; es ist ebenso bekannt, daß die Opposition der Araber sich nicht gegen den Hebraismus, sondern gegen die Balfour-Deklaration richtet, gegen die sogar Dr. Wiener nichts einwendet. Dieser macht sich nach Prof. Dalman verdient um das Wohl Palästinas, weil er die Forderung aufstellt, daß »das Wesen, der Besitz und die Belange« der arabischen Landesbewohner Gegenstand sorgsamer Beachtung werden. Wo und wann hat die jüdische Aufbauarbeit die Araber geschädigt und ihnen nicht viel mehr genützt? Dalman rügt es, daß die zionistischen Autoren, wie Ruppin, von den »eigentlichen« Einwohnern des Landes nicht sprechen, obzwar sie das Wohl Palästinas fördern wollen. Es ist natürlich weniger verwunderlich, daß ein christlicher Theologe, der Jahrzehnte im Lande wohnt, so spricht, als ein Jude, wie Dr. Wiener, Aber man muß doch seinem Erstaunen darüber Ausdruck geben, daß hier quasi als direkte Aufgabe der Zionisten die Förderung der Araber aufgestellt wird! Da durch die zionistische Aufbauarbeit das Land und seine Wirtschaft mächtig gehoben werden, so kommt das auch den Arabern sehr zugute. Aber daß es Aufgabe des Zionismus quasi sein sollte, direkt die Araber zu fördern, ist doch eine groteske Zumutung. Gegen das Wort »eigentliche« Einwohner des Landes muß energisch Protest erhoben werden. Meint Prof. Dalman, daß die Juden in Palästina keine »eigentlichen« Einwohner oder solche minderen Rechtes sind? — Diese Besprechung zeigt aufs neue, was so eine Art von jüdischer »Objektivität«, wie die Dr. Wieners, die nicht nur keine ist, sondern eine arge Parteilichkeit, an Verwirrung und Schaden anrichtet. — Eine andere Besprechung Prof. Dalmans behandelt die neue Geographie von Dr. J. A. B r a w e r »H a a r e z«. Sie wird sehr lobend als erste Geographie des Landes, die durchaus auf geographischer Grundlage beruht, bezeichnet. Prof. Dalman wünscht, daß das Werk auch in einer modernen Sprache erscheine, da es «leider« in hebräischer erschien. Dieses »leider« bezieht sich wohl darauf, daß die europäische Gelehrtenwelt es nicht verstehen kann, aber das Buch ist doch zunächst als Lehrbuch für die hebräischen Schulen Palästinas gedacht und mußte daher in hebräischer Sprache abgefaßt werden. Im übrigen wird sich die Welt schon daran gewöhnen müssen, daß die Juden in Palästina ihre eigene Sprache haben, genau so wie jede andere Nation, und daß sie daher ihre wissenschaftlichen und literarischen Werke in dieser ihrer Sprache publizieren, ad. bm. „Israel", Corriere israelitico, Nummer vom 17. Mai, Roma - Torino. — In dieser Nummer ist ein interessanter Bericht von Agr. Ettinger über die ICA-Kolonien in Argentinien enthalten. Der Verfasser hat bekanntlich langle Zeit im Dienste der ICA in Argentinien gearbeitet uind wurde vor 16 Jahren nach Palästina berufen. Er fand in Argentinien die jüdischen Kolonien in der Provinz Entre-Rios in blühendem Zustand. Die Siedler sind wohlhabend geworden, ein Drittel hat be-