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Palästina · 1928-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1928) · p. Seite 332

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1928)
Article
[Rezension] / F. M.
Date
1928-05-01
Page
Seite 332 (sequence 2)
Language
German
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332 hatte Versuche gemacht, eine große Fläche Landes zu pachten. Ein englischer Oberst namens Churchill, in Syrien stationiert, hatte damals die Ansiedlung der Juden daselbst aufs eifrigste propagiert. Auch in Deutschland regten sich 1840 Stimmen für die Gründung eines Judenstaates, die aber an der Haltung der damaligen Führer des liberalen und »Assimilations«-Judentums, insbesondere Philippsons, scharfe Gegner fanden. Dem Buche sind die verschiedenen Dokumente, Aufrufe usw., sowie zahlreiche Bemerkungen beigegeben, die den wissenschaftlichen Wert desselben als Materialiensammlung erhöhen. Es wäre zu wünschen, daß in der zweiten Auflage eine kritische Analyse der einzelnen Projekte und ein unter einheitlichem Gesichtspunkte angestellter Vergleich gegeben werde. Dem vom Autor angekündigten zweiten Band kann man mit großem Interesse entgegensehen. F. M. The Jewish Colonial Trust Dilemma. By H. Razily, London (Selbstverlag. — Die Konstruktion des JCT hat sich seit Gründung als ziemlich verfehlt erwiesen. Alle die wechselnden Leitungen konnten daran nichts ändern. Beweis dessen ist die vorliegende Broschüre, die an den Ergebnissen der letzten Jahre ganz dieselbe Kritik übt, die, ohne daß der Autor es weiß, zu wiederholten Malen, so z. B. 1909/11, unter dem Regime Wolffsohn, vom Schreiber dieser Zeilen geübt wurde. Die Bank, wie sie jetzt konstruiert ist, kann keine wesentlichen Geschäftserfolge aufweisen. Es gibt nur drei verschiedene Möglichkeiten: 1. Den JCT zu liquidieren und seine Gelder der APC einzuverleiben, wie es Julius Simon vor dem Krieg verlangt hat. 2. Den JCT als Holding- Gesellschaft für sämtliche zionistischen Kreditinstitute, die in Palästina zu gründen sind, umzubauen, wie es Simon 1920, als er in der Exekutive war, vorgeschlagen hatte und was auch im Sinne der seinerzeit von Ruppin vorgeschlagenen Organisation des Aufhaues gelegen wäre, heute aber wohl nicht mehr ausführbar erscheint, es sei denn, daß die neue Jewish Agency solche Vorschläge machen wird. 3. Was auch schon oft, namentlich von den Zionisten der Ostländer vorgeschlagen wurde, in allen jüdischen Zentren der Welt Filialen oder Zweiginstitute zu errichten und so die jüdische Kolonialbank zu einem zentralen jüdischen Finanzinstrument zu machen. Diesen letzteren Weg schlägt der Autor vor. Seine Kritik an der bisherigen Geschäftsführung ist zwar scharf, aber doch gemäßigt, er sagt selbst, daß die Fehler von Jahrzehnten nicht mit einem Federstrich weggebracht werden können. Er schlägt eine Untersuchungskommission vor, welche die gegenwärtigen und die früheren Arbeitsmethoden des JCT untersuchen und Vorschläge für dessen Umgestaltung erstatten soll. Hiebei soll im Auge behalten werden, daß die Bank freigehalten werden muß von äußeren Einflüssen, womit er sicher einen wunden Punkt der bisherigen Konstruktion berührt. Sie muß imstande sein, nach rein geschäftlichen Methoden zu arbeiten. Da der JCT nicht, wie beabsichtigt, 1920/21 reorganisiert wurde, so ist es ein Verdienst des Autors, auf diese Notwendigkeit erneut hingewiesen zu haben. Eine Kommission von angesehenen Fachleuten wäre sicher empfehlenswert. Die zionistische Organisation, die heute die Bank vollkommen in der Hand hat, wird dann entscheiden können, ob und wie weit sie deren Vorschlägen nachgeben kann, ohne daß der nationalpolitische Zweck dieser Gründung Herzls gefährdet wird. ad. bm. Das Genossenschaftswesen in Palästina. Von Charles Gide. (Sonderabdruck aus »Palestine« Nr. 2.) — Man muß staunen, wie richtig und sachgemäß ein Nichtjude während seines kurzen Aufenthaltes in Palästina das dortige Genossenschaftswesen mit seinen Besonderheiten erfaßt hat. Aber nicht allein dies verdient hervorgehoben zu werden, auch die soziologischen Betrachtungen über die Eignung der Juden zu Genossenschaftlern ist von größtem Interesse, umsomehr, als diese Betrachtungen von einem der größten französischen Nationalökonomen der Gegenwart und dem Altmeister des Genossenschaftswesens herrühren. In seiner Broschüre gibt Prof. Gide an, warum er der Einladung zur Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem Folge geleistet habe. Mehr noch als diese leitete ihn der Wunsch, das »soziologische Phänomen«, wie er sich ausdrückt, an Ort und Stelle zu studieren. In der Tat: ein soziologisches Phänomen. Denn wenn wir uns vergegenwärtigen, daß das jüdische Volk, fast zu drei Viertel aus Händlern und Krämern besteht, muß es Wunder nehmen, wie es gegen die Händlerinstinkte das Genossenschaftswesen propagieren konnte. Trotzdem zweifelt Prof. Gide nicht daran, daß die Juden zu guten Genossenschaftlern erzogen werden können, ebenso wie er an der Eignung der Juden zur Landwirtschaft nicht zweifelt. Denn die Theorie von dem „angeborenen rassenmäßigen Handelsgeist" der Juden erkennt er nicht an, die wechselnder- Hauptbeschäftigungen der Juden in den verschiedenen Epochen der Geschichte sind für ihn historischen Ursprungs und nicht aus Rasseneigenschaften zu erklären. Dieselbe Elastizität, die ihnen die Umschichtung von Viehzüchtern zu Ackerbauern unter den Königen, später nach dem Exil zu Händlern und gegenwärtig bei ihrer Rückkehr nach Palästina zu Landwirten ermöglichte, wird ihnen auch erlauben, gute Genossenschaftler

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