Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1928)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 329 (sequence 2)
- Language
- German
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329 Das Churchillsche White Paper war „ein Rückzug Englands" und so geht es weiter. Alles wird dramatisch-packend dargestellt, alles ging Zug um Zug, aber diese Darstellung ist natürlich vollkommen schief und unrichtig. Ein Journalist muß immer interessant, subjektiv und lebendig schreiben, wenn sich dadurch auch die Perspektive verschiebt und oft völlig schiefe Bilder zustande kommen, aber die zionistische Sache sollte, wenigstens von Zionisten, nicht als Stoff für eine solche Art Journalismus verwendet und die allgemeine Tagespresse nicht dazu benützt werden, um innerzionistische Streitfragen der breiten Oeffentlichkeit bloß von eigenem Fraktionsstandpunkt des Berichterstatters darzustellen. Das geht bei Weisl so weit, daß er einmal anläßlich des Zionistenkongresses in den großen deutschen Tageszeitungen schrieb, die Führer seien »geschlagene Feldherren«/ Wir wollen an dieser Stelle das unerfreuliche Moment der einseitig parteiischen Darstellung der politischen Fragen in Weisls Buch nicht weiter verfolgen. Viel interessanter, weil farbig und lebendig, ist die Schilderung, wie Weisl zu Hussein fuhr, wie er, mit rascher Auffassung begabt, die innerarabischen Vorgänge sieht und in markanter, impressionistischer Weise zeichnet. Freilich darf man nicht glauben, durch ein paar kurze Begegnungen mit Herrschern, Ministern etc. die arabische Sphinx enträtselt zu haben, wie sich auch Weisl im Glauben an die Dauer der Herrschaft Husseins getäuscht hat. Niemand weiß, was die nächste Zukunft in Arabien bringen wird. Einen breiten Raum nimmt die Schilderung der zionistischen Arbeit im Lande ein. Sehen wir ab von den politischen Exkursionen, so sind im g|roßen ganzen die Bilder, die Weisl gibt, mit großer literarischer Kunst entworfen, scharf gesehen und umrissen. Dem Buche sind eine Reihe statistischer Tabellen beigegeben, ferner eine Anzahl politischer Dokumente und eine Geschichtstabelle. Hat man schon in diesem Buch speziell die Kapitel über Weisls Reisen nach Arabien mit Spannung und Interesse gelesen, so führt uns das zweitgenannte vollkommen in die arabische Welt. Hier, wo die fraktionäre zionistische Haltung des Autors nicht zu Entgleisungen führen kann, werden alle seine Vorzüge lebendig. Mit bewundernswertem Mut erfüllt Weisl seine Mission, trotz größter Gefahren und Entbehrungen, nach Arabien, bis hinab nach Asir vorzudringen, mit den Herrschern und Ministern zu sprechen, mit raschem aber scharfem Blick die Machtquellen und die politisch maßgebenden Faktoren zu erspähen. Das Buch enthält auch kurze Einführungen in die arabische Geschichte, glänzende Darstellungen des Milieus, prächtige Schilderungen von Land und Leuten. Freilich, in seinen farbigen Skizzen lebt nicht die tiefe Liebe zu Menschen und Dingen, durch die Lawrence seine Schilderungen zu unvergleichlichen Kunstwerken gestaltete, aber es ist doch, trotz der oft störenden selbstbewußten Geste, viel dichterische Kraft darin und die Beleuchtung von Menschen und Zuständen ist die des grellen Scheinwerferlichtes, eines sehr scharfen Intellekts. Beide Bücher sind mit zahlreichen Illustrationen, meist Aufnahmen des Autors selbst, versehen und besonders im Buche über Arabien sind diese Illustrationen sehr interessant. Dieses Buch wird eine Quelle der Information über Gebiete bleiben, die selten der Fuß eines Europäers berührte, aber auch als bloß literarisches Werk ist es von besonderen Qualitäten. Adolf Böhm. Zionistische Politik, Von Dr. Hans Kohn und Dr. Robert Weltsch. — Verlag Dr. Färber, Mährisch-Ostrau. — Wenn eine Bewegung lebendig ist, so hat sie auch eine Entwicklung. Sie wächst und entfaltet sich; sie wandelt sich nach ihrem inneren Gesetz, „nach dem sie angetreten", aber auch nach «den Widerständen, auf die sie durch schöpferische eigene Umgestaltung reagiert, um; sie zu besiegen, und um gerade durch sie ihren eigenen tiefsten Sinn durchsetzen zu können. Daß diese Entwicklung nicht eindeutig sein muß, daß sich die Bewegung in ihrer inneren Entfaltung teilen kann, in kleinere und größere Nebenzweige, die sich vielleicht ganz loslösen oder später wieder mit dem Hauptast zusammenkommen, auch dies ist natürlich, wenn man bedenkt, daß eine Bewegung von Menschen getragen wird und daß Menschen verschieden sind nach Temperament und Einsicht. So ist es auch erklärlich — und kein schlechtes Zeichen — daß der Zionismus ständig in einer inneren Wandlung begriffen ist, daß immer wieder neue Richtungen auftauchen und den Weg der Bewegung in ihre Bahnen locken wollen. Es war von Anfang an nicht anders. Bereits zu Beginn stehen zwei Richtungen einander gegenüber, die miteinander im Grunde nie recht verschmolzen sind, die russische Chowewe-Zion-Bewegung und der Herzische Zionismus; neue Wandlung und Differenzierung führt zum Gegensatz von praktischem und politischem Zionismus einerseits und von Kulturzionismus und politischem Zionismus andrerseits. Die Erfolge der Kriegs- und Nachkriegszeit haben diese Differenzen übertönt und die Ströme der Bewegung in einem Aktionsimpuls vereinigt. Die Verlangsamung der weiteren Arbeit, die natürlichen Stockungen, die neuen Widerstände, kurz einfach die Mühseligkeit der zio-