Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1928)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 328 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2379786-2379867-2379871-2386576--07336-2386852- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
328 eigener Kultur." Daß hiebei Frau Dr. Spiegel wiederholt Gelegenheit gegeben ist, sich mit verschiedenen Problemen der zionistischen Politik und der Stellungnahme einzelner im Zionismus vertretenen Gruppen auseinanderzusetzen, ist klar und ihre äußerst gründliche Kenntnis auf allen Gebieten zionistischer Problematik, insbesondere zionistischer Politik, bietet einen besonderen Genuß bei der Lektüre dieser Arbeit. Wenn wir auch in einzelnen, und zwar nicht unwesentlichen Punkten, Frau Dr. Spiegel nicht folgen und mit1 ihr nicht übereinstimmen können, so insbesondere, wenn sie den Judlenstaat als Endziel abzulehnen scheint und den von Robert Weltsch zum ersten Male zum Ausdruck gebrachten Standpunkt der Schaffung eines binationalen Staates in Palästina akzeptiert, so bietet die Lektüre dieses? Buches, auch in der Gelegenheit zum Widerspruch, so viel Anregung, daß wir allein schon -deswegen Frau Dr. Spiegel zu außerordentlichem Danke verpflichtet sein müssen. Die einzigartige Bedeutung des Palästina-Mandat es ist nach Frau Dr, Spiegel darin gelegen, daß durch dasselbe den Juden in Palästina die Stellung einer Staatsnation eingeräumt und garantiert ist, auch solange sie noch zahlenmäßig eine Minderheit bilden, während die Juden überall sonst wohl ausschließlich eine Minderheit sind. Glaubt nun Frau Dr. Spiegel! tatsächlich, daß eine solche Garantie eine dauerhafte ist? Müssen wir nicht aus der in der Praxis sich oft ergebenden Tatsache, daß Verträge einen „Fetzen Papier" bedeuten, die einzig richtige Konsequenz ziehen, daß wir diese vorläufig papierene Sicherung in eine tatsächliche umwandeln, die dann von niemand gegen unseren Willen erschüttert werden kann? Die Untersuchung der einzelnen Punkte des Palästina-Mandates geben der Verfasserin Gelegenheit, sich mit einer Reihe von Fragen zu beschäftigen, denen in den zionistischen -Diskussionen mehr Aufmerksamkeit als bisher geschenkt werden sollte, so den Fragen der Gesetzgebung, auf dem Gebiete der Immigration, der Justizpflege, der Erwerbung der Staatsbürgerschaft, der Staatsangehörigkeit usw. Dabei hebt sie alles hervor, was die zionistische Organisation in den letzten Jahren auf diesen Gebieten bereits geleistet hat. Es ist klar, daß Frau Dr. Spiegel dabei auf die verschiedenen Unterlassungen unsererseits, aber auch seitens der Palästina-Regierung zu sprechen kommt, um besonders eine zielsichere Arbeit unsererseits und unter Heranziehung der entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen eine stärkere Förderung unseres Werkes durch England zu fordern. Am 9. Juni tritt in London die Jewish-Agency-Kommission zusammen und da sind die Ausführungen Frau Dr. Spiegels über die Rechtsstellung der Jewish Agency unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Internationalen Gerichtshofes von außerordentlichem Interesse. Das am Schluß der Arbeit angeführte Literaturverzeichnis zeigt einerseits, wie mannigfaltig bereits die das Mandat betreffende Literatur geworden ist, andererseits aber auch die Notwendigkeit für jeden, der aus verschiedenen Gründen alle diese Quellen nicht selbst bearbeiten kann, eine objektive, dabei aber doch kritische Zusammenfassung alier den Juristen und den Zionisten interessierenden Probleme zu besitzen. Die Arbeit Frau Dr. Spiegels entspricht allen Anforderungen, die an eine solche Zusammenfassung gestellt werden können, so daß sie sicherlich in Hinkunft von keinem, der in diesen Fragen mitsprechen will, übergangen werden kann. Dr, Leo Goldhammer, Der Kampf um das Heilige Land, von Dr. Wolfgang Weisl, Verlag Ullstein (Berlin), — Zwischen dem Teufel und dem Roten Meer, von Dr. Wolf gang Weisl, Verlag Brockhaus (Leipzig), — Beide Bücher zeigen die Vorzüge des Autors, aber auch seine schwachen Seiten: Mit Mut und Tollkühnheit, scharfem Intellekt sowie einer großen journalistischen Begabung ausgerüstet, kann er bei Beurteilung der politischen — namentlich der zionistischen — Fragen seine parteimäßige (revisionistische) Ueberzeugung nicht verleugnen, auch ein Unterton von Zynismus, ein starkes Selbstgefühl, Nonchalance in Haltung und Stil, und oft ein allzurasches Urteil auf den ersten Blick, das natürlich manchmal fehl geht, trüben den Wert seiner glänzend geschriebenen Bücher, Das erstgenannte ist im Wesen eine Sammlung von Berichterstattungsartikeln, eingeleitet von einer ein paar Seiten langen Darstellung des politischen Zionismus, bei welcher natürlich die Einstellung des Autors am störendsten wirkt. Die ungemein wichtige, grundlegende kolonisatorische Vorarbeit der zionistischen Organisation von 1908 bis 1914 lehnt er z. B. mit einer wegwerfenden Geste, als der philanthropischen ähnlich, ab. Ebenso souverän urleilt Weisl über die Haltung der zionistischen Führer in der Zeit nach Friedensschluß, wobei er natürlich Jabotinskys Legionsidee verherrlicht und gegen den »radikalen Pazifismus Bubers« polemisiert. Es ist bedauerlich, daß in einem Buche, das sicher viel Verbreitung finden wird, ein Militarismus vertreten wird, den heute sogar Jabotinsky selbst fallen gelassen hat. Alle weiteren politischen Vorgänge in bezug auf Palastina werden von Weisl wie ein Schachspiel dargestellt, als ob die englische Politik überhaupt und in bezug auf das Palästinamandat, sich einfach nach den Tagesereignissen in Syrien, Palästina und Arabien fortwährend gewandelt hätte.