Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- [Rezension] / Tartakower, Chaim
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 207 (sequence 1)
- Language
- German
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20? 1 K H "1 £ D ' jiSefer Haarez", eine Palästina-Antologie, redigiert von Jakob Fischmann, Verlag „Dwir", Tel-Aviv. (Hebr.) — Das Buch stellt einen neuen Typus zionistischer Propaganda dar, und, sagen wir es deutlich, einen des Zionismus würdigen. Statt äußerer geschäftsmäßiger Reklame für den Aufbau, wird versucht, ein Volksbuch über Palästina dem jüdischen Volke in die Hand zu geben. Die Idee und die Herausgabe selbst stammt vom Hauptbüro des Keren Kajemeth in Jerusalem. In seiner kurzen Einleitung bezeichnet der Präsident des Direktoriums des Keren Kajemeth, M. Ussischkin, das Buch als „das Buch des Bundes, der für alle Ewigkeit geschlossen wurde zwischen Israel und seinem Lande." Es enthält in Vers und Prosa Ausschnitte aus der Literatur unseres Volkes aller Zeiten, und klar offenbart sich dem Leser die „goldene Kette", die das jüdische Volk seit seinen Anfängen mit seinem historischen Lande verknüpft. Es zeigt sich da, daß in allen Epochen unserer Geschichte der geistige Zusammenhang mit dem Lande niemals aufgehört hatte. Auch Aeußerungen von Nichtjuden über Palästina werden gebracht. In den ersten 100 Seiten wird Palästina als das noch jüdische Land dargestellt. Dann folgt die lange Galuthperiode, während der Palästina seine Herrscher wechselt. Immer wieder tauchen da messianische Bewegungen auf, Einwanderungen in das Land, Versuche, einen jüdischen Jischuw zu schaffen. Die Kabbalisten erscheinen, der Chassidismus schickt Sendboten, später die Bilu-Bewegung, die zweite, die dritte Alija usw. Ein Spezialteil behandelt Jerusalem, in welcher Stadt unser Volk die ewige Sehnsucht nach seinem Nationalheim verkörpert sieht. Sie wird vor unseren Aug^n in allen Phasen ihrer Geschichte vorgeführt. Dann folgt Judäa, Schomron, der Emek, Galiläa und schließlich das Ostjordanland — für das jüdische Empfinden ein unzertrennlicher Teil von Erez Israel. Auch äußerlich ist das Buch ein Standardwerk, vorzüglich in Ausstattung und Druck. Der Text — 475 Seiten — ist vollständig punktiert. Es emofiehlt sich daher auch für jeden im Hebräischen Fortgeschrittenen als eine genußreiche Lektüre. Dies Werk ist bestimmt, -ein wahres Volksbuch zu werden, für iung1 und alt. Dr. Chaim Tartakower. Schear Jischuw, Von Jizch ak Ben Zwi, Verlag Dawar, Tel-Aviv. — Der bekannte palästinensische Arbeiterführer Ben Zwi ist auch ein bedeutender Wissenschaftler, und sein neues Buch gibt uns eine Sammlung seiner wissenschaftlichen Aufsätze aus verschiedenen Zeitschriften. Erst jetzt wird es klar, welche große Bedeutung seinen Forschungen zukommt. In Variation des prophetischen Ausspruches Jesaiahs: »Schear Jaschuw«, »Ein Ueberrest wird zurückkehren«, nennt Ben Zwi sein Buch »Schear Jischuw«, der »Ueberrest des Jischuw«, und weist in dem Buche die überraschende Tatsache auf, daß der palästinensische Jischuw niemals aufgehört hat, sondern daß die jüdische landwirtschaftliche Siedlung sich bis weit in die gaonäische Epoche intakt erhalten hatte, daß auch in den späteren Jahrhunderten noch immer Reste der jüdischen Bauernschaft in Palästina vorhanden waren, daß diese jüdischen Dörfer zwar immer mehr zusammengeschmolzen sind, daß aber immerhin noch einige jüdische Fellachendörfer aus alter Zeit noch in den letzten zwei Generationen in Galiläa vorhanden waren, und, daß das galiläische Dorf Pekiin der letzte Rest dieser alt-hebräischen landwirtschaftlichen Siedlung ist. Die Anlage dieser Forschung ist an sich imponierend. Ben Zwi geht von den Funden archäologischer Art aus. Sein Nachweis erfolgt hiebei aus dem gesamten Material, das er im Dorfe Pekiin erforschen konnte, sowohl durch die dort noch lebenden jüdischen Bauernfamilien, als auch durch folkloristische, sprachliche und archäologische Studien. Die archäologischen Studien führen an mehreren Orten in die Zeit der Mischna, und knüpfen sich speziell an den Ort Pekiin sehr alte Ueberlieferungen aus mischnaitischer Zeit, wie das alte Beth-Hakneseth von Kfar Pekiin und die Höhle des Rabbi Schimon Bar Jochai, mit der uralte Traditionen verknüpft sind. Ben Zwi geht der philologischen Bezeichnung des Ortes Pekiin genau nach und identifiziert den mischnaitischen Ausdruck des Ortes, Aus der näheren Umgebung von Pekiin sind gleichfalls mehrere in talmudischer Zeit bedeutende jüdische Orte der Forschung unterzogen und gleichfalls identifiziert. Es unterliegt nach diesen Forschungen keinem Zweifel mehr, daß die jüdische Siedlung in spättalmudischer Zeit, die sich angesichts der Eroberung der Römer im Süden des Landes mehr nach Norden ziehen mußte, in den galiläischen Orten zentralisiert war. Insbesondere die Unzugänglichkeit der galiläischen Gebirgsgegend hat es verursacht, daß, als in der Zeit der islamischen Invasion die zentraler gelegenen Teile Palästinas überflutet wurden, sich in Galiläa -die jüdischen Dörfer länger erhalten konnten, als an irgend einer anderen Stelle des Landes. Ben Zwi widmet insbesondere den Dörfern Kfar Jassif, Schofream und anderen nähere Betrachtungen. In die Forschung der landwirtschaftlichen Ueberreste einbezogen werden