Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Beduineneinbruch in Herzlia [Nachricht]
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 198 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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198 Beduineneinbruch in Herzlia. Ein arabischer Beduinenstamm schlug im Vorbeizuge sein Lager auf dem Boden der jüdischen Kolonie Herzlia auf und ließ seine Herden auf den Feldern der jüdischen Kolonisten weiden. Die Kolonisten forderten die Beduinen zum Weiterziehen auf. Die Beduinen weigerten sich, dieser Forderung nachzukommen und sagten, in der Mitte ihres iStammes werde jetzt eine Hochzeit gefeiert, und der Stamm beherberge jetzt viele Gäste. Noch einmal versuchten die jüdischen Kolonisten, die Beduinen zum Weiterzuge zu überreden, das hatte aber nur den Erfolg, daß die Beduinen zum Angriff auf die Kolonisten übergingen. In dem nun sich entspannenden Kampfe wurden 15 jüdische Kolonisten verletzt. Ansiedlung russischer Flüchtlinge. Bezüglich der 750 in Konstantinopel befindlichen jüdischen Flüchtlinge aus Rußland hat der Leiter der Flüchtlingssektion des Völkerbundes mitgeteilt, daß diese die Palästina - Regierung ersucht habe, ihre Einwanderung zu gestatten und ihnen Boden zur Ansiedlung zur Verfügung zu stellen. Die Hälfte der Ansiedlungskosten soll vom Genfer Flüchtlingskomitee, die andere von jüdischen Hilfsgesellschaften beigesteuert werden. Organisation der Bankbeamten Palästinas. Eine solche wurde eben gegründet. Sie will der Regierung Vorschläge für ein zu erlassendes Regulativ erstatten. Sir Alfred Monds Besuch in Palästina. Sir Alfred Mond, der Vorsitzende der Jewish-Agency-Kommission und Präsident des englischen Chemietrusts, hat kürzlich Palästina besucht und sich in optimistischer Weise über die Lage ausgesprochen. Es herrsche keine Krise, da Industrie und Landwirtschaft gut gedeihen. Die künftigen großen Arbeiten, namentlich der Hafenbau in Haifa, wird die Lage auf dem Arbeitsmarkt bedeutend verbessern. Die Haltung der Arbeiterschaft, ihr Mut und ihre Charakterfestigkeit sei zu bewundern. Palästina bietet ein vielversprechendes Feld zur Anlage größeren Kapitals. Von diesem Gesichtspunkt aus hat die Entwicklung des Landes eigentlich noch gar nicht begonnen. Nach seiner Schätzung hätten die Juden bisher ca. 15 Millionen Pfund investiert. — Sir Alfred Mond hat auch der Palästina-Regierung Vorschläge gemacht, wie sie den Aufbau am besten fördern könnte. Er stiftete ferner ein monumentales Denkmal für Kaoitän Josef Trumpeldor, den Begründer des Hechaluz, der bei der Verteidigung von Tel Chai gegen einen räuberischen Beduinenüberfall (am 11. Adar 5680) gefallen ist. Die Waisenfürsor??e des Joint in Palästina. In der letzten Sitzung des ..Palästine Orphan Committee" (Waisenfürsorge-Komitee), die am 5, Jänner 1928 in Jerusalem stattfand, wurde eine Resolution angenommen, daß das Komitee, welches vom American Joint. Distribution Committee im Juli 1919 gegründet worden war. aufgelöst werden soll, da es seine Aufgabe vollendet hat. Im ganzen ist für 4000 Kinder in tfainz Palästina gesorgt worden. Das Komitee hatte darauf gesehen, die Kinder nach Möglichkeit in Privathäusern unterzubringen, sie bei ihren verwitweten Müttern oder auch bei Verwandten oder in sorgfältig ausgesuchten anderen Privatfamilien zu belassen. Auf diese Weise konnten nach und nach die 11 Waisenhäuser ganz geschlossen werden. Besondere Aufmerksamkeit wurde der handwerklichen Ausbildung der Knaben und Mädchen zugewendet. Sie wurden auch für Dienste im Haushalt, in Handfertigkeit, Landwirtschaft, Büroarbeit und wissenschaftliche Berufe ausgebildet. Die Knabenausbildung umfaßte 55 verschiedene Zweige; die Mädchen wurden für 14 verschiedene Berufe (einschließlich des Lehrberufes) ausgebildet. Dank der Mitarbeit der medizinischen Organisation Hadaasah war es möglich, die Gesundheit der Kinder gut zu überwachen. Die Listen einer Gruppe von 5000 Jerusalemer Kindern weisen im Verlauf von fünf Jahren nur sechs Todesfälle auf. Um die Kinder für die Landwirtschaft vorzubereiten, hat das Palestine Orphan Committee zwei Kinder-Dörfer organisiert: Die Kolonie Meier Shfeyah, in der hauptsächlich Mädchen untergebracht sind, und Givat Hamoreh, in der sich hauptsächlich Knaben befinden. Meier Shfeyah wird aus Geldern der „Junior-Hadassah" in Amerika, Givat Hamoreh von den Juden Südafrikas unterhalten. Es müssen noch ca. 200 Kinder versorgt werden. Miss Berger, die bisherige Exekutiv-Direktorin, hat sich erboten, diese Arbeit bis zum Abschluß weiter zu leiten.