Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Die Haifa Bay [Nachricht]
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 187 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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187 Die Haifa Bay. Wir haben in Nr. 1/2, Seite 88, von den Verhandlungen wegen Uebernahme der Djidroländereien durch die Palestine Economic Corporation berichtet. Diese hat nun vorläufig eine Option auf ein halbes Jahr für 26.000 Dunam unverkauften Boden erworben, sowie ein Uebernahmsrecht auf die Konzession der Palästina- Regierung für die zwischen den Haifa Bay-Besitz und dem Meere gelegenen Sanddünen zum Gesamtpreise von zirka Pfund 130.000.—;, während letztere die fälligen Hypothekenraten an die arabischen Vorbesitzer des Bodens zahlt. — Eine Reihe von Haifa Bay-Parzellen hat sich zu einer Interessengemeinschaft zwecks Wahrung ihrer Rechte zusammengeschlossen. Adresse: RA Dr. Bieberfeld, Berlin, Oranienburgerstraße 91. Die neue jüdisch - landwirtschaftliche Schule, welche aus der Kadoorie - Stiftung (60.000 Pfund) errichtet wird, soll nach Mitteilung von Col. Sawer auf 3500 Dunam zwischen dem Berge Tabor und Mes'oha errichtet werden. Die Kolonisation in Rußland im Vergleich mit der Palästinas. Wir haben in letzter Nummer (1/2) eine Abhandlung hierüber von Dr. Arthur Ruppin veröffentlicht, die inzwischen als Sonderdruck erschienen ist. Dr. Ruppin hat außerdem eine Artikelserie über denselben Gegenstand in verschiedenen zionistischen Zeitungen publiziert, worin er den Vergleich mit Palästina noch weiter ausführt, als in der von uns abgedruckten Arbeit. Insbesondere vergleicht er die Kosten der Kolonisation. Die Ausgaben für Gebäude und Inventar sind in Rußland niedriger. Allerdings sind die Preise inzwischen auch in Palästina beträchtlich heruntergegangen und die Anschaffungen, die vor drei Jahren 700 Pf. kosteten, werden heute wahrscheinlich nur 550 PI kosten. Die Kolonisation in Rußland hat ferner auch, dadurch einen Vorteil, daß sie wegen der viel größeren Zahl der Siedler beim Einkauf von Baumaterialien und Inventar, viel1 rationeller vorgehen kann und daß dort z. B. zur Ve/rbilligung des Baues auch der Umstand viel beigetragen hat, daß alle Häuser nach demselben Typus gebaut und alle Maße für Fenster und Türen etc. standardisiert sind. In Palästina gibt es noch zu viele Verschiedenheiten von Kolonie zu Kolonie, ja von Kolonist zu Kolonist, die meist nur durch die speziellen Wünsche der Siedler bedingt sind, Der Hauptunterschied' der Ansiedlungskosten liegt in dem Aufwand für Gebäude der selbst in dem höheren Budget des Agrojoint nur 900 Rubel (90 Pf.) beträgt, während in Palästina die Gebäude, die vor drei Jahren 350 Pf. kosteten, auch heute noch mindestens PI 250—275 verschlingen. Gegenüber den einfachen, wenn auch äußerlich durchaus befriedigenden Wohnungen der Siedler in Rußland (Wohnung und Stall unter einem Dach) sind die Häuser in Palästina viel reicher ausgestattet und darum auch kostspieliger. Das rollt auch wieder die ernste Frage auf, ob man nicht in Palästina bei den Ausgaben für Bauten über das notwendige Maß hinausgeht. Die vor drei Jahren einberufene Kommission von Landwirten und Ingenieuren hat sich zwar im großen und ganzen für eine billigere Bauweise ausgesprochen; doch glaubt Ruppin, daß sie die ökonomischen Motive, die auf eine Verbilligung der Bauweise drängen, zugunsten des Strebens nach technischer Solidität vernachlässigt hat. Wenn bei einer neuen Diskussion dieser Frage eine positive Lösung gefunden wird, so sieht Ruppin eine Möglichkeit, die Ansiedlungskosten pro Familie von den früheren 700 Pf, nicht nur auf 550 Pf., sondern sogar auf 450 PI herunterzudrücken. (Ueber die Frage der Verbilligung der Kolonisation, werden wir in einem der nächsten Hefte einen Artikel des bisherigen Leiters der .Kolonisationsabteilung, Ing, Kaplansky bringen. D. R.) In Rußland ist die Kolonisation vom technischen Gesichtspunkt aus viel einfacher, als in Palästina. Sie kann sich mtit einer etwas modifizierten Nachahmung der Wirtschaft des russischen Bauern begnügen und braucht keine neuen Wege zu suchen. Die jüdische Kolonisation in Palästina konnte dagegen die Methoden des arabischen Fellachen, der durch die jahrhundertelange türkische Mißwirtschaft an allen Fortschritten der landwirtschaftlichen Technik keinen Anteil genommen hat, nicht nachahmen. Es war undenkbar, Juden aus Europa nach Palästina zu bringen, wo sie durch das neue Klima ohnedies manchen gesundheitlichen Schäden ausgesetzt sind, und sie hier auf das primitive Lebensniveau des Fellachen herunterzudrücken. Sie wären dabei körperlich und seelisch zugrundegegangen. Es war darum nötig, eine neue Form der Wirtschaft zu finden, die höhere Einnahmen bringt und damit den Siedlern einen höheren Standard of life ermöglicht. Bis heute hat dieses Bemühen noch keine vollkommene Lösung gebracht; und nur in einem Zweig der Landwirtschaft, im Orangenbau, wurden hohe technische Fortschritte und eine hohe Rentabilität erreicht.