Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Die Parteien [Nachricht]
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 171 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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171 Die Parteien, Der bekannte Ara/bist Prof. Dr. S. Kampffmeyer, der Herausgeber der „Welt des Islams", schreibt in der Z. d. D. P. V., Band 58, Heft 4, über die arabische Politik: Der Kongreß 1923 und das „Exekutivkomitee" stützten sich von Anfang an auf die antizioiristische und antibritische „chriMKch-isilamische Vereinigung*', an deren Spitze Musa Kasim Pascha und Amin-al-Husaini stehen, die den Standpunkt grundsätzlicher Ablehnung jeder Zusammenarbeit mit der Regierung einnehmen. Die Nationalpartei (Führer Raghib Bey an Naschaschibi und Prof. Faruki) sowie die Partei der Landwirte [Faris .als-Masud' und Afif-Aschur) und die der „Dorfgenossenschaft'* (Al-al-Madi) stehen gegen die christlich-islamische, stimmen aber in drei Punkten mit ihr über ein: 1. Aufhebung der Balfour-Deklaration: 2. Verhinderung der zionistischen Einwanderung; 3. Bildung einer nationalen Regierung. Sie wollen aber mit der Regierung arbeiten und dadurch Einfluß gewinnen. Die nationale Partei strebt an, die Gegensätze zu mäßigen (die Juden stimmten bei den Gemeindewahlen für sie, also für Naschaschibi und gegen Husaini, siehe unsere Rundschau in Nr. 6/7, 1927, Seite 321) und möglichst viel Aemter zu besetzen. Sie ist für allgemeine Schulpflicht. Die Partei der Landwirte verteidigt speziell die Interessen der Bauern, sie bekämpft auch den Verkauf von Land durch Araber an Juden. Die Dorfgenossenschaftspartei will ebenfalls den Bauern heben und hat ein ähnliches Programm wie die vorgenannte. Von kleineren Parteien ohne Bedeutung nennt er die „Arbeiter'*- und die ,,Einwohner'partei. — Wie ersichtlich, ist dieser Bericht noch vor Gründung der neuen liberalen Partei, über die wir schon in Nr. 1/2, 1928, Seite 82, ausführlich berichteten, abgefaßt. Die Presse, Im gleichen Artikel zählt der Verfasser die arabischen Zeitungen auf. Hinter der christlichislamischen Partei stehen „Saut - asch - schab" (Bethlehem), „AI Dschamia al Arabja" (Jerusalem) und „AI Jarmuk" (Jerusalem), die anderen Parteien werden unterstützt von „Al Kännel" (Haifa), Mirat aseh-Schark (Jerusalem), „Falestin" (Jaffa) und „As-sirat al-mustakim" (Jaffa). — (Wie bekannt, ist inzwischen „Falestin" zur neuen liberalen Partei übergegangen). Die Führer, Im selben Artikel hebt Prof. Kampffmeyer die bekannte Tatsache hervor, daß die Gegensätze zwischen den Parteien größtenteils solche von Personen und Familien seien, insbesondere der Husiaini und Naschaschibi. Die ersteren sind die Führer der Ch. J. V. Musa Kazinu Pascha al-Husaini gehörte zu den hohen Beamten der osmanischen Regierung*, lange Zeit stand er an der Spitze der Stadtverwaltung von Jerusalem. Er genießt starke Sympathien beim gesamten palästinensischen Volke. Freilich hat die Tatsache, daß er 1921 als Führer der Delegation des palästinensischen Kongresses von seiner Reise nach Europa keinen Erfolg heimbrachte, das Vertrauen des Volkes auf seinen Einfluß bei den Engländern, obschon diese die Ch. J. V. als Vertretung der arabischen Bevölkerung des Landes anerkannten, vermindert. AI H a d s c h Amin a 1 - Htus a ini, jünger als Musa Kazim, genoß vollstes Vertrauen bei der gesamten in der nationalen Bewegung stehenden Jugend Palästinas (schabab filastin an-nahid). Er war beteiligt an einer Reihe revolutionärer Handlungen, die im Interesse nationaler Ziele gegen die französische und englische Regierung gerichtet waren. Er war Mitglied aller verschied entliehen arabischen Vereinigungen. Es wird aber behauptet, daß sein Einfluß abgenommen habe, seitdem er Vorsitzender des Obersten Islamischen Rates ist, der den gesamten islamischen frommen Stiftungen und den religiösen Gerichten vorgesetzt ist. Er soll in einer Anzahl politischer und administrativer Lagen Schwäche gezeigt, sich von den meisten entschiedenen Patrioten abgewandt und sich Personen angeschlossen haben, die sich von Nützlichkeitsmotiven leiten ließen. Indem er so versagte, habe er seinem Gegner Prof. Sulaiman al Faruki und der von diesem vertretenen Nationalpartei zu Erfolgen verhelfen. Raghib Bey a n - N a s c;h a s c h i b i, der viel genannte Bürgermeister von Jerusalem, vertrat schon im türkischen Abgeordnetenhaus diese Stadt, Er ist Ingenieur, Fähig und geschickt, hatte er zunächst in Palästina nur geringen Einfluß; dieser wuchs aber durch die Unterstützung gebildeter und in hohen Stellungen befindlicher Männer. Er ist milden Charakters und persönlich außerordentlich beliebt. Er tut in seiner Partei nichts ohne den Rat seiner gebildeten Freunde, deswegen ist seine Stellung sehr stark geworden. Prof« Sulaiman al-Faruki, der berühmte Dichter Palästinas, zugleich der „Schopenhauer des Orients", entstammt einer altberühmten Gelehrtenfamilie. In er-Ramle, wo er lebt, nimmt er in gesellschaftlicher Hinsicht eine überragende Stellung ein. Er ist Rechtsanwalt. Blind, aber ein außerordentlich scharfsinniger und feiner Kopf, dabei redegewandt, ist er den meisten Rechtsanwälten an Kenntnis und Einfluß überlegen. Seiner Gegnerschaft gegen Amin al-Husaini wurde oben gedacht. Von den Führern der Partei der Landwirte ist Faris al-Masud ein einflußreicher, großer Besitzer, der aber nur eine mittelmäßige Bildung hat, so daß er nicht