Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Das Problem der Einbürgerung in Palästina
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 165 (sequence 2)
- Language
- German
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Jähren. Ein Fall, der nicht allein da-steht und auch technisch durchaus durchführbar ist. Bei einer solchen juristischen Konstruktion könnte man als Analogie die sogenannten „ßancroft - Verträge" heranziehen, die um das Jahr 1870 herum von dem amerikanischen Gesandten Bancroft in Berlin mit dem Norddeutschen Bund, den Süddeutschen Staaten und Oesterreich-Ungarn abgeschlossen wurde. Der Artikel 4 dieser Verträge lautet: „Wenn ein in Amerika naturalisierter Deutscher sich wieder in Norddeutschland niederläßt, ohne die Absicht nach Amerika zurückzukehren, so soll er als auf seine Naturalisation in den Vereinigten Staaten Verzicht leistend erachtet werden... Der Verzicht auf die Rückkehr kann als vorhanden angesethen werden, wenn der Naturalisierte des einen Teils sich länger als zwei Jahre in dem Gebiet des anderen Teils aufhält." Die Artikel 1 bis 3 dieser Verträge handeln 'über die Rechtsverfolgung von Auswtanderern, die auch sinngemäß [geändert, auif unseren Fall Anwendung finden können. Es wird vielleicht auch besser sein, statt der im Absatz zwei vorgesehenen präsumptio eine Erklärung als für die Reaktivierung der alten Staatsangehörigkeit nach kürzerer Frist notwendig zu stipulieren. Es ist klar, daß eine Aktion für eine diesbezügliche Regelung der Naturalisation in Palästina auf große Schwierigkeiten stoßen wird. Es wird daher auch bei einer solchen xAktion nicht allein auf 'Palästina ibmzuweisen sein, sondern darauf, daß dieses Problem eines der mit allen Miiigratioinien verbundenen Fragen ist, wie ja auch die Entstehung der Bancroft-Verträge in eine solche Zeit fällt. Als für ein generelles Problem wird der Völkerbund, der dbnehin diie Frage der Staatsangehörigkeit in sein Studienbereich gezogen hat, eine 'befriedigende Lösung finden und nur auf diesem Wege, über den Völkerbund, müssen unsere Anstrengungen gehen. Wirtschaft. Der Aufschwung der Industrie. Von Ernst Davis. Jerusalem I. Mit dem Weichen der Krisenwolken sind am ersten und am stärksten die Konturen der hinter ihnen — man kann cum grano salis sagen; unter ihrem Schutze — emporgewachsenen Industrie sichtbar geworden. Das Bild ist noch nicht so klar, daß man schon eine .genaue Beschreibung der Veränderungen gehen kann, die sich hinter dem grauen Vorhang der letzten beiden Jahre vollzogen haben. Aber es gilbt schon einen Gesamtemdruok und läßt eine Reihe wichtiger Züge erkennen. (Die Ausdehnung kann man schon ungefähr an der Beschäiftigungsziffer messen: Die Zahl der in Industriebetrieben tätigen Arbeiter ist ge.gen den letzten Zensus, vor anderthalb Jahren, um alles zusammengerechnet etwa um 25% gewachsen. In Wirklichkeit gibt das nicht einmal eine ausreichende Vorstellung von der Größe des Terrains, das sich die meisten Unternehmungen in dieser Zeitspanne erobert haben. Denn diese Ziffer ist das Resultat einer Rechnung, in die .auch, die — wegen der anhaltenden Erstarrung des Baumiarktes — noch immer zum .großen Teil stilliegenden Ba'ustoifabriken eingeschlossen sind. Diese, in dienen die Beschäftiigungsziffer oft Null ist, drücken den Durchschnitt stark herunter, aucn noch gegen das iKrisenfahr 1926, in dem «beispielsweise die jetzt nicht in Betrieb befindliche „Silikat" mit 125 Arbeitern in der Statistik erschien. Außerhalb dieses isolierten „Depressionskolmplexes,', also in der Majorität der Fälle, ist die Aufwärtsentwicklung daher viel größer, als sie diese Durchschnittszahl erkennen läßt. Obwohl darüber eine genaue Statistik mit allen ihren Einzelheiten nicht vorliegt, kann man das auf 'Grund von verschiedenen Stichproben annehmen, abgesehen davon, daß die Gesetze der Mathematik diesen Schluß erzwingen. Diese Stichproben zeigen dias (für uns praktisch sehr wichtige Ergebnis, daß es keineswegs gerade die oft von offizieller zionistischer Seite im Verein mit den englischen Verwaltungsinstanzen für allein „normal'1, „gesund4' und existenzib er echtigt, mm nicht zu sagen „anständig", gehaltene Großindustrie ist, die diese Fortschritte gemacht hat, sondern mindestens ebenso sehr, wenn nicht noch mehr, die Klein- und Mittelindustrie, die „Industrie aus Schnipischuk'1, der „unbekannte Fabrikant". (Der jgeehrte Autor übersieht, daß es gerade ein Zionist .an leitender Stelle — im Finanz- und Wirtschaftsrat — S. Schocken war, der als Sachverständiger wiederholt in Referaten betont hat, daß in 'Palästina vor allem der Jndu.striepionier", di. h. der Mann, der selbst Fachkenntnisse und ein Meines Kapital hat., ein Feld der Tätigkeit besitzt, hingegen für Großindustrie wenig Raum ist. Auch sonst ist von leitenden zionistischen Kreisen niemals die kleinere Industrie unterschätzt worden, sie hat dieser durch den KH. Darlehen gegeben. Der Großteil der für Förderung von 'Handel und 11