Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Das Problem der Teuerung in Palästina
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 110 (sequence 10)
- Language
- German
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110 geführten Ländern, deren Reihe sich leicht noch ergänzen läßt, finden wir unmittelbar nach dem Kriege überall eine stürmische Preissteigerung, die nicht durch eine Geldentwertung hervorgerufen ist und ihren Höhepunkt im Jahre 1920/1921 hat. Die im Jahre 1922 überall einsetzende Produktionssteigerung und die Wiederherstellung normaler Produktionsbedingungen bewirkten ein Abgleiten der Preise bis zum Jahre 1924, von wo an sich gleichmäßig in fast allen Ländern wiederum ein kräftiges Anziehen mit dem Höhepunkte im Jahre 1925 konstatieren läßt. Vom Jahre 1925 an ist wieder eine Senkung der Preise bis zur Gegenwart festzustellen. Diese Entwicklung ist allen Ländern ohne Inflationserscheinungen eigen.*) Wenn somit Palästina die Richtung seiner Preisbewegung mit den anderen Ländern gemein hat, so fällt uns doch hier eines besonders auf: es ist das Ausmaß dieser Preisbewegung, die Höhe der Preissteigerung in Palästina gegenüber den Vorkriegspreisen in Palästina. Die Kurve der durchschnittlichen Preissteigerung verläuft hier wohl annähernd parallel mit der der Indexziffern der genannten Länder, geht aber in ihrer Höhe weit über sie hinaus. Die Kurve in Palästina erreicht trotz der stabilen Währung in den Jahren nach dem Kriege eine phantastische Höhe, kehrt aber dann nicht auf das durchschnittliche Niveau der internationalen Indices zurück, sondern hält sich stets 60 bis 80 Prozent darüber. Eine Preissteigerung weit größeren Ausmaßes gegenüber anderen Ländern seit 1914, eine starke Hebung des Lebensniveaus gegenüber der Vorkriegszeit, wo Palästina billiger war, als die anderen Länder, dies ist das Wesen der Teuerung in Palästina. Zunächst ist man geneigt zu sagen, daß in dem Unterschiede der Indexziffern die größere Teuerung in Palästina zum Ausdruck kommt. Ihr Abstand entspricht dem Unterschied zwischen der Höhe der Preise in Palästina und anderswo. Dieser Schluß wäre aber schon aus dem Grunde falsch, weil, wie wir oben sagten, die verschiedenen Indices uns nur die Bewegungstendenz der Preise angeben sollen, aber nichts über die absolute Höhe des Lebensniveaus in den einzelnen Ländern aussagen können. Ein Rückschluß aus den Indexziffern auf alle Komponenten wäre nur zulässig, wenn sie, wie schon angedeutet, in jedem Lande gleich zusammengesetzt und nach der gleichen Methode konstruiert wären. Das ist aber nicht der Fall. Wir sehen aber auch in der Tat, daß der wirkliche Stand der Preise, d. h. die absoluten Preisziffern nicht die großen Unterschiede aufweisen, die wir auf Grund der Indices anzunehmen geneigt wären. Vergleichen wir z. B. die absoluten Preise wichtiger Lebensmittelpreise im Mai 1926 in Palästina an folgenden Orten: Tel-Aviv Cairo Ottava Berlin Milano Wien Paris Lonc Mehl, per Rottel - . . . 7 6 8 7 7 7 6 7 Fleisch „ . . - . 48 44 29 30 34 26 39 35 Milch „ . . . . 11 — 5 4 4 4 2 6 Butter „ . . . . 140 42 48 51 53 52 34 53 Käse „ . . . . 28 21 42 21 53 50 32 33 Eier per Shilling . . 13 10 8 10 10 13 11 8 Zucker per Rottel . . . 9 6 9 9 20 7 7 8 Reis „ . . 10 — — 9 6 8 8 8 Kartoffeln „ . . 4 4 6 1 3 2 3 2 *) Es kann sich hier natürlich nur um einen Vergleich allgemeiner Tendenzen handeln; Saisonschwankungen oder lokal bedingte Fluktuationen sind hier nicht berücksichtigt.