Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- 1 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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PALÄSTINA MONATSSCHRIFT FÜR DIE ERSCHLIESSUNG PALÄSTINAS XI. JAHRG. (NEUE FOLGE II. JAHRG.) Hr. 3/4 MÄRZ—APRIL 1928 Das Problem der Teuerung in Palästina. Von Dr. Alfred Bonne, Jerusalem. Die hohen Lebenskosten in Palästina sind ein grundlegendes Hindernis für die Entwicklung des Landes, wie dies erst kürzlich der Direktor der Deutschen Bank, Dr. Wassermann, Vorsitzender des deutschen neutralen Keren Hajessod - Komitees, ausgesprochen hat. Sie verteuern die Arbeit und unterbinden damit die Konkurrenzfähigkeit, sie erschweren die Immigration und die Ansiedlungstätigkeit, verhindern eine Spartätigkeit bei den breiten Massen usw. Die Teuerung hat natürlich verschiedene Komponenten. In nachfolgender Arbeit werden zunächst Lebensmittelpreise als wichtigster Faktor untersucht. Die Red. Von den Sachverständigen, die Palästina in den letzten Monaten besucht hatten, wurde mit besonderem Nachdruck auf die in Palästina herrschende Teuerung als eines der größten Hindernisse rationellen Aufbaues und gesunder Weiterentwicklung hingewiesen. Die Teuerung in Palästina ist nun an sich keine neue Entdeckung. Es ist aber zweifellos ein Verdienst, dieses Problem und die damit zusammenhängenden Fragen wieder stärker in den Vordergrund gerückt und vor allem auch die breite Oeffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht zu haben. Dies umso mehr, als namhafte Nationalökonomen und andere kompetente Besucher bei ihrer Beurteilung der Lage und der Entwicklungsmöglichkeiten daran vorbeigegangen sind. Ueber den Umfang der Teuerung selbst besteht ziemliche Unklarheit. Man weiß, daß einzelne Produkte in Palästina, wie Milch und Butter, verglichen mit dem Ausland, zu phantastischen Preisen verkauft werden, auch heute noch. Andererseits ist der im Lande Lebende mitunter erstaunt über die unerwartete Billigkeit bestimmter Waren, für die er im Ausland einen erheblich höheren Preis anlegen muß. Es wird sich also zunächst darum handeln, den Umfang und den Charakter der Teuerung genau festzustellen; erst dann wird sich zeigen, welche Maßnahmen man dagegen eventuell ergreifen müßte. Um zu ermitteln, ob und in welchem Maße eine Teuerung in Palästina besteht, hat man nach zwei Richtungen zu vergleichen: 1. Die heute geltenden Preise mit den Vorkriegspreisen in Palästina, 2. die Preisentwicklung und die gegenwärtigen Preise in Palästina mit der Preisentwicklung und den gegenwärtigen Preisen in anderen Ländern. Bei dem Versuch, die gegenwärtigen Lebensmittelpreise in Palästina mit den palästinensischen Vorkriegspreisen zu vergleichen, tauchen sofort eine Fülle statistischer Schwierigkeiten auf. Das Vergleichsmaterial aus der Vorkriegszeit ist so dürftig und vor allem nicht — wie fast in allen anderen Ländern und seit dem Beginn der englischen Zivilverwaltung auch in Palästina — durch eine statistische Stelle primär für 7