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Palästina · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 99

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Article
[Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 99 (sequence 2)
Language
German
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99 Vertreter Shakespear (1915, nach dessen Tod durch Philby) mit Ibn Saud, dem Beherrscher von Nedschd, verhandelt, um auch die Wahhabiten, die eine Jahrhunderte alte Feindschaft gegen die Türken hegen, zum Kriege gegen die letzteren zu bewegen. Zu Beginn des Weltkrieges schien es, als ob Ibn Saud,, wohl die bedeutendste Persönlichkeit in den arabischen Ländern, die Führung der nationalen arabischen Bewegung mit Unterstützung Englands übernehmen würde; durch den Tod Shakespears jedoch wurden Verhandlungen, die vielversprechend schienen, zeitweilig abgebrochen, und das Schwergewicht der britischen Araberpolitik wurde von Zentralarabien nach Nordarabien verlegt. An Stelle Ibn Sauds, des religiösen Fanatikers und puritanischen Idealisten, trat der beschränkte und starrköpfige Greis Hussein als politischer Gegenspieler Großbritanniens, während Lawrence Shakespears Rolle an anderem Orte übernahm. (Philby gibt in seinem Werk: »Das geheimnisvolle Arabien« der Ueberzeugung Ausdruck, daß Lawrence nie die Möglichkeit gehabt hätte, seine Rolle in Arabien zu spielen, wenn Hauptmann Shakespear nicht zu Beginn des Jahres 1915 durch einen unglücklichen Zufall getötet worden wäre.) Nun war Lawrence der nimmermüde Regisseur und (neben Faisal) auch Hauptacteur des von ihm geschilderten großen Schauspiels: Er hat in den Jahren 1916—18 das nationale Zusammengehörigkeitsgefühl in den durch unzählige Blutsfehden entzweiten arabischen Stämmen geweckt und entwickelt, allerdings nur in Nordarabien, die Wahhabiten standen gegen Hussein in konsequenter Opposition, die bald in offene Feindseligkeit und Krieg überging, und hat überdies den arabischen Kleinkrieg gegen die Türken bis zur großen Allenby-Offensive vielfach persönlich geleitet. Lawrence war für die ihm* gestellten Aufgaben zweifellos glänzend prädisponiert: Er besaß neben einer völligen Beherrschung aller Mundarten des Arabischen eine außerordentliche Anpassungsfähigkeit an die patriarchalischen Lebensformen der Wüstenbewohner, was eine unerläßliche Voraussetzung für die Gewinnung der beispiellosen Popularität war, deren er sich bei den Arabern erfreute. Er ist ferner eine großartige Abenteurernatur, ganz aus einem Guß, von außergewöhnlicher geistiger und körperlicher Leistungsfähigkeit, Energie und Tollkühnheit, und überdies verfügt dieser moderne nationale Kreuzritter (ganz ähnlich seinen Vorfahren aus dem XL Jahrhundert) über eine tüchtige Portion Grausamkeit, lauter Qualitäten, die den Arabern zusagten und ungemein imponierten. Lawrences Schilderung seines Lebens und Wirkens inmitten einer uns vorerst fremd anmutenden Welt ist von unübertrefflicher Plastik. Wir sehen die Araber mit seinen Augen: Die Masse der Ansässigen, träg und habgierig, nicht allzu liebevoll gezeichnet; die Gestalten der Angehörigen der Beduinenstämme jedoch und insbesondere die der Führer, der Scheiks und Emire aus der Wüste, prägen sich, trotz ihrer wilden und fremden Eigenart, unserem Herzen bald wie die lieber Freunde ein, weil sie vom Verfasser, vielleicht infolge eines wesensverwandten Instinkts, so liebevoll, treffend und lebendig dargestellt wurden, daß wir sein Buch mit dem Gefühl aus der Hand legen, selbst mit Scheikh Auda abu Tayi, dem großmauligen, tapferen Haudegen, mit Emir Schakir, dem grausamen Helden, mit Fallal, dessen Gestalt durch seinen tragischen freiwilligen Tod ins Mythische wächst und mit manchen anderen (nicht zuletzt mit den armen, so gequälten Kamelen) durch die endlose traurig-reizvolle Wüste gezogen zu sein. Die Behauptung, daß es in der Weltliteratur kaum ein zweites Werk gibt, in dem außergewöhnliches Erleben in so außergewöhnlicher Weise glänzend, farbenprächtig und von Leben sprühend geschildert wurde, ist keineswegs übertrieben. Auf die bedeutsame Zukunftsfrage nach den Aussichten der arabischen Einheitsbewegung gibt Lawrence keine Antwort; der Schauplatz seines Büches ist ein begrenzter und große politische Perspektiven fehlen darin. Das politische Bild auf der arabischen Halbinsel hat sich in den allerletzten Jahren — nachdem Lawrence sein Buch geschrieben hatte — sehr wesentlich gewandelt: Auf das — de facto nie existent gewesene — arabische Königtum Husseins folgte 1924 das unrühmliche Verschwinden dieses Königs von der politischen Bühne. Husseins Söhne, Faisal und Abdallah, regieren derzeit in den britischen Mandatsländern Irak und Transjordanien, während Ibn Saud nach der Eroberung von Schammar und Hedschas eine bedeutende, wirklich unabhängige Herrschaft über ganz Zentralarabien ausübt, zweifellos die Grenzen der arabischen Halbinsel als Begrenzung seines Araberstaates »mit der Seele suchend«. Die Eigenart des arabischen Nationalcharakters sowie die mangelnde politische Reife dieses Volkes, das vielfach heute noch in biblischen Formen lebt, werden Ibn Saud — und jedem seiner Nachfolger — das nationale Einigungswerk nicht allzu leicht machen, ganz abgesehen davon, daß England an der Fortdauer der bestehenden politischen Zersplitterung auf der arabischen Halbinsel großes Interesse hat. Dr. Manka Spiegel. Die althebräischen Inschriften vom Sinai und ihre historische Bedeutung. Von Daniel V ö 11 e r. J. C. Hinrichsche Buchhandlung, Leipzig, 1924. — Seitdem Flinders Petrie gelegentlich der vom Egypt Exploration Fund 1904—05 veranstalteten Expedition

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