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Palästina · 1927-01-01 · Heft 8-9 · p. Seite 442

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Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 8-9
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. Tartakower, Lodz.
Date
1927-01-01
Page
Seite 442 (sequence 2)
Language
German
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442 soliderer Mut und Weitsichtigkeit dazu, sich nicht durch die momentanen, allerdings sehr (bedeutenden Schwierigkeiten und Sorgen absorbieren zu lassen, sondern sich durch das Gestrüpp der heutigen Lage im Zionismus und (in der Arbeiterbewegung .einen Weg ins Freie izu bahnen, der in einigen Monaten deir Wieg der g ia n .z e n zionistischen Bewegung werden kann. Dieses Merkmal der Verhandlungen iund Beschlüsse der Konferenz-ist 'es, das ihr die große Bedeutung sichert. Demgegenüber fallen die technischen FieMer der 'Konferenz, ihre allzulange Dauer, die in erster Reihe durch die zwecklose, rein demonstrative Generaldebatte verursacht wurde, sowie die 'erst im letzten Moment erfolgte Einigung der beiden Hauptparteien, Achduth-Haavoda und Hapoel-Hazair, die viel früher hätte vorbereitet werden sollen und den Gang der Verhandlungn sehr erleichtern würde, .schon wen'iger ins Gewicht. Aus diesem Riesenkomplex der Fragen, die auf der Konferenz behandelt oder berührt worden sind, wobei fast kein einziges Moment in der Lage im Zionismus und im Lande außer acht gelassen worden ist, seien nur einige hervorgehoben, die für den Gang der Konferenz und ihre Bedeutung 'besonders charakteristisch sind. Da handelte es isich in erster Reihe um die weitere Kolonisationstätigkeit der Zionistischen Organisation. Es ist *ganz natürlich, daß die jüdische Arbeiterschaft in Palästina, die bis zum heutigen Tage die hauptsächlichste Verwirklioherin des Zionismus im Lande und die Trägerin der .zionistischen Kolonisationspolitik gewesen war, auch im gegenwärtigen Augenblick, wo so viel von Kursänderungen im Zionismus gesprochen wird und knapp vor dem Kongreß, der die Richt- Bmien der weiteren iKolonisationsairbeit bestimmen soll, ihre Stellung in dieser Frage präzisieren mußte. Sehen wir von den verschiedenen Details, auf die an dieser Stelle nicht eingegangen werden ikann, ab, so handelt es sch hier in erster Reihe um die Frage, ob auch in der weiteren Kolonisationsarbeit der Geist des Pioniertiums, des stürmischen lEroberns immer neuer Positionen vorherrschen soll, ohne Rücksicht darauf, ob diese Positionen entsprechend fundiert und vom wirtschaftlichen Standpunkt absolut existenzbrechtigt sind oder ob darauf Nachdruck gelegt werden soll, die bestehenden Siedlungen' definitiv auszubauen und auch in der Folge nur feste, gut fundierte Siedlungspunkte zu schaffen. Dies ist wohl in erster Reihe eine Frage der Geldmittel, es ist aber auch eine Frage der Kolonisationsform, der Arbeitsmethode und in bestimmter Hinsicht sogar eine Frage der Lebens- und Schaffungsweise der Siedler. So tauchte denn auch auf der Konferenz in . ihrer ganzen Schärfe die berühmte Frage der „Konsolidierung" auf, die in der Arbeiterbewegung selbst schon eine jahrelange Geschichte hinter sich hat, aber gerade in der letzten Zeit im Zusammenhang mit der Krise in der zionistischen Bewegung und der auch im Arbeitslager immer stärker werdenden Zahl der Anhänger des Konsolidierungisgedankens aktuell geworden ist. Die Frage äst übrigens nicht mar ^aiuf die zionistische Kolonisationspolitk heschänkt. Sie wird immer mehr auch zu einer Grundfrage der ganzen Wirtschaftspolitik der Histad.rutfti. (Diese Politik war bis zum heutigen Tage eine ausgesprochene Pionierpolitik und ihrem Elan ist auch die beispiellose Bedeutung der «jüdischen Arbeiterschaft im jüdischen Wirtschaftsleben des Landes zu verdanken. Mit dem schnellen Wachsen des Umfangs der wirtschaftlichen Tätigkeit der Histadruth wird aber eine derartige Politik immer gefährlicher und fcann schließlich, wenn nicht rechtzeitig gebremst wird, auf manchen Gebieten sogar zu einer Katastrophe führen. Der drohende 'Zusammenbruch des Solel-Boneh, des größten Institutes der 'Histadruth, stand vor der Konferenz als ein trauriges Memento und mahnte zur Vorsicht und Umkehr. Und die Beschlüsse der Konferenz zeigen im große» und ganzen, daß man die Gefahr richtig erkannt und das möglichste getan hat, um ihr vorzubeugen. Entscheidend ist wohl in dieser Beziehung die Schaffung der obersten wirtschaftlichen Instanz der

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