Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Bericht des Departements für landwirtschaftliche Kolonisation bei der Zionistischen Palästina-Exekutive an den XV. Zionistenkongress
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 433 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379858-2379864-2384814--05596-2385041- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
433 Das Instruktionswesen umfaßt zwei Bezirke: 1. das Jordan- und Jesreel-Tal, 2. Judäa und Saron. Den Bezirksinstruktoren mit ihren Gehilfen obliegt die Beaufsichtigung der Instruktionsfeider, Prüfung der Erträge und die Demonstration bei der Schädlings- und Krankheitsbekämpfung. Sie vermitteln durch ihre häufigen Besuche zwischen.den Betrieben und dem allgemeinen Dienst der Instruktionsabteilung. Diese hat zu ihrer Verfügung Fachleute für Viehzucht, Obst- und Gemüsekonserven und Geflügelzucht. B) Die Mädchen-Lehrbetriebe. Zu den drei Mädchen-Lehrbetrieben, die im Jahre 5685 in Petach Tikwah, Schechunath Borochow und Nachlath Jehuda bestanden, kamen im Laufe der Zeit noch die Mädchen-Lehrbetriebe in Chederah und Jerusalem und in Petach-Tikwah der Mädchen- Lehrbetrieb des Misrachi „iBeruriah" hinzu. In jedem Betrieb befinden sich 20 bis 25 Arbeiterinnen, von denen jede zwei Jahre in der Wirtschaft bleibt und sich in allen Zweigen der Land- und Hauswirtschaft ausbildet. Die Mehrzahl der Arbeiterinnen, die ihren Lehrgang beendet haben, sind als Genossinnen in bestehende Wirtschaften und Moschawim eingetreten und bewähren sich bei der Arbeit. Ein Teil, von ihnen dient als Instruktorinnen in den Chawuroth und Mädchen-Lehrbetrieben. Der Wirtschaftsplah konzentriert sich auf 'Gemüsebau, Milchwirtschaft, Geflügel- und Bienenzucht und in der Hauptsache auf Baumschulen. In der letzten Zeit wurde auch Blumenzucht eingeführt. Die Lehrbetriebe machen recht erfreuliche Fortschritte. Die Jahresbilanzen haben,'mit kleinen. Gewinnen abgeschlossen. C) Anlernung und Arbeit, in den alten Kolonien. Auch in den letzten zwei Jahren wuchs der Zustrom der Arbeiter nach den Kolonien ständig an. Das Aufblühen der PflanzungskoIonieny die Arbeitslosigkeit in den Städten und die Möglichkeit, sich durch Lohnarbeit in den Kolonien an die landwirtschaftliche Arbeit anzupassen, aH diese Faktoren brachten es mit sich, daß die Zahl der jüdischen Arbeiter in den Kolonien bis zum Nissan 5687 (April 1927) auf über 6700 gestiegen ist. Davon waren 36ÖÖ Landarbeiter und die restlichen 3100 in anderen 'Berufen beschäftigt. Von den landwirtschaftlichen Arbeitern lebt, etwa die" Hälfte in verschiedenen Gruppen (Chawuroth) und Anlernungsgruppen, die andere Hälfte sind einzelne Lohnarbeiter. Hinsichtlich der Arbeitsform besteht kein Untere schied: zwischen den alleinstehenden und den in den Kibbuzim lebenden Arbeitern. Die einen wie die andern erhalten Taglohnarbeit durch dje Arbeitsnachweisstelle der Kolonie zugewiesen. Nur in der letzten Zeit würde der Versuch der ersten Chawuroth erneuert, Akkordarbeit zu unternehmen. Es wurde durch die Organisation der Landarbeiter ein Unternehmungsbüro (Misrad Kablani) für landwirtschaftliche Arbeiter ins Leben gerufen. Das Ziel der Gruppe in den Kolonien ist, xias Leben der Arbeiter auf dem Grundsatz des gemeinsamen Konsums einzurichten. Auf dem Wege der Entfaltung der Hilfsbetriebe und Arbeitersiedlungen in der Nähe der Kolonien liegt vorläufig noch ein prinzipielles Hindernis, und zwar der Mangel an verfügbarem Boden in der Umgebung der Kolonien, der für die Arbeiter in" Betracht kommt. Diesem Mangel muß zwingenderweise abgeholfen werden, soll die Einordnung der jüdischen Arbeiter in den Kolonien gelingen, und es obliegt dem Keren Kajemeth, Mittel und Wege zu finden, um in der Nähe und Umgebung der Kolonien Grund und Boden zu erwerben. Es soll auch nicht verheimlicht werden, daß die Lage des jüdischen Arbeiters in den Kolonien trotz der ihnen gewährten nationalen Hilfe schwierig ist und in der letzten Zeit zu ernsten Sorgen Anlaß gibt.