Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Bank of Palestine
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 318 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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318 nehmen wird als, amerikanische Gesellschaft gegründet. Der dieser Tage unterzeichnete Gesellschaftsvertrag wurde den Aufsichtsbehörden der Vereinigten Staaten zur Genehmigung eingeschickt. Die Bank wird ihre Tätigkeit am 1. Oktober dieses Jahres aufnehmen. Ihr Hauptarbeitsgebiet wird die Unterstützung der bestehenden kleinen Banken und die Finanzierung der Industrie wie des Qrangenbaues sein. Zum Sitz der Zentrale wurde Tel-Awiw bestimmt. Mit der Gründung dieses Institutes tritt in der Krise eine entscheidende Wendung ein. Es mag seltsam berühren, daß die Ueberwindung unserer ganzen großen Depression, an der wir seit anderthalb Jahren laborieren, weiter nichts sein soll als die Frage der Aufbringung und der richtigen Verwendung eines Betrages von ganzen 200.000 Pfund, aber es ist so. Nach Ansicht mancher mitten im Wirtschaftsleben stehender Beurteiler der Lage ist es nicht einmal die Frage eines solchen Betrages. Der ganze 'Kreditbedarf der Tel-Awiwer Industrie wurde von dem Industriellenverband selbst im vorigen Jahre auf ungefähr 120.000 Pfund veranschlagt, aber dabei dachte man offenbar an die Summe, die zu einer Ausnützung oder Erweiterung der Produktionsfähigkeit über das zur bloßen Existenzfähigkeit der Betriebe nötige Maß erforderlich ist. (Die Schätzung war übrigens reichlich roh.) Der Betrag, der zur Beseitigung einer wirklichen akuten Notlage fehlt, ist höchstwahrscheinlich ganz wesentlich kleiner. Für ganz Palästina erreicht er keine 120.000 Pfund. Es ist richtig, daß die Schwierigkeiten industrieller Betriebe nicht mit der Krise identisch sind. Aber ihre Beseitigung -und darüber hinaus die Stärkung der industriellen Produktionsfähigikeiit ist die eine der beiden Maßnahmen, die automatisch zur Ueiberwdnduing der iKrise führen müssen. Die andere ist die Ausdehnung des Orangenlbaues. iln der Depression, die durch den Zusammenbruch der Bauspekuilation erfolgte -und sichi vom Bauimarkt auf den Handel, das Handwerk und den Arbeitsmarkt ausdehnte, blieben das Orangengeschäft und die Industrie *) die einzigen festen Punkte, die von dem Wirrwarr nicht erschüttert wunden. Die Orangen, weil sie vom Inlandsmarkt unabhängig sind und i>m Ausland wegen ihrer Monopol qualität, so lange diese aufrechterhalten bleibt, dauernd neue Kundenkreise erobern, die Industrie, weil ihr die iKrise, obwohl .das paradox erscheint, neue Kundschaft izuführte. Die 'Handelsfiirmen tbelkaimen Angst, itire Waren wie bisher aus dem Ausland /zu beziehen, weil sie nicht das Risiko auf sich laden wollten, große Bestellungen auf einmal zu machen und die dazu nötigen Kredite in Anspruch iziu nehmen, oder weil die fremden Firmen ihnen keine langen Zahlungsfristen mehr einräumten. Sie fingen daher an, es mit den Inlandserizeugnissen zu versuchen. Außerdem begannen die Fabrikanten, (gleichizeiti'g auf die (Märkte der Nachbarländer einzudrängen. Orangenpfllanizumgen und Industrie sind daner die Ansatzpunkte zu einer Ueberwindung der Krise. Sie können, wenn sie entsprechend erweitert werden, die Arbeitslosen aufnehmen, die nach dem Zusammenbruch der Bauhausse izurückMiefben, und besonders 'die (Industrie kann ihnen dauernde Beschäftigung geben. Werden sie wieder Arbeit und ein regelmäßiges Einkomimen haben, so wird ihre Kaufkraft wiederkehren, und der Handel wie das iHamdiwerlk werden nicht meßnr unter dem iKonsuimausfall zu leiden haben, der sie heute fast izur Verzweiflung treibt. Zur Erweiterung dieser beiden Ansatzpunkte fehlte bisher das nötige Kapital. Den Industriellen, die sich aus der europäischen Inflation hieher gerettet haben, blieben gewöhnlich keine Betriebsfmittel mehr übrig, wenn sie ihre Fabriken eingerichtet hatten, oder wenn sie über genügend flüssige *) Eine Ausnahme hievon machen selbstverständlich die mit dem Baugewerbe zusammenhängenden Industriezweiige — hauptsächlich Ziegeleien und (Möbeltischlereien —, von denen hier immer abgeselien wird.