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Palästina · 1927-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 269

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 6-7
Article
Untersuchung von zwölf Wirtschaften einer Kolonie
Date
1927-01-01
Page
Seite 269 (sequence 9)
Language
German
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269 tropischen Krankheiten unterliegen, bleibt das arabische Vieh fast immun; auch ist es in vielen anderen Hinsichten an unser Klima angepaßt. Daher finden wir, daß bei unseren Kolonisten die Mehrzahl des Viehes gekreuzt ist (bei unseren Ansiedlern 6 Köpfe arabisches, 39 gekreuztes und 20 reinblutiges Vieh). Da Beiruter Vieh keine Rasse, sondern nur eine Uebergangsform von dem arabischen zum Damaszener darstellt, so wird die Beiruter Kuh, wie auch die arabische, mit dem holländischen Stier gedeckt. Es würde sehr viel Zeit und Platz nehmen, alle Kreuzungen, welche bei unseren Kolonisten vorkommen, genau anzuführen; es genügt aber das Vorhergesagte, um zu zeigen, daß unsere Kolonisten auf ein bestimmtes Ziel — und zwar auf Milch — züchten. Daß dieses noch lange bei uns im Lande das 'Richtige sein wird, zeigt die einfachste Rechnung: Wir haben jetzt zirka 150.000 jüdische Seelen, welche aus gesundheitlichen und religiösen Rücksichten Milch und Milchprodukte aus europäisch eingerichteten Wirtschaften konsumieren wollen. (Die einheimische Milch ist ein Gemisch von verdächtigen Flüssigkeiten: Kuh-, Ziegen-, Schaf-, Esel- und Kamelmilch, Wasser, Kalk, Haare, Dung etc.) Rechnen wir ein Viertelliter Milch per Kopf und Tag, so ergibt sich, daß nur für die jüdische Bevölkerung eine Anzahl von zirka 5500 guten Milchkühen nötig ist, um das Bedürfnis an Milch allein zu decken. Unser Viehbestand ist noch sehr weit von dieser Minimalzahl entfernt. Es ist zu bemerken, daß die Zahlen in der Rubrik „Milch" sich nicht auf die Ergiebigkeit der entsprechenden Zahl Kühe beziehen, sondern die Menge der Milch im Laufe des ganzen Jahres 1926 bedeuten. So hat z. B. Aleph jetzt vier Kühe, aber die zwei gekreuzten sind noch Erstlingskühe, die erst vor einigen Wochen gekalbt haben. Es wäre sehr schwer und für die Kolonisten zeitraubend gewesen, alle Details über Zeit des Ankaufes, der Trächtigkeit, des Werfens etc. zu erfragen und zu bestimmen. Es wäre auch fast unmöglich, von den immer beschäftigten Kolonisten herauszubringen, wieviel Milch für die Kälber und wieviel für das Haus verwendet worden ist. Dieses alles erfordert eine eigens durchgeführte Enquete, welche wir noch für die Zukunft im Programme haben. Es ist zu berücksichtigen, daß, wenn die ganze Wirtschaft erst fünf Jahre alt ist, der. Viehstand nicht mehr als zwei bis drei Jahre alt sein kann. Es darf als sehr erfreulich angesehen werden, daß einige von unseren zwölf Siedlern schön ziemlich große Milchzahlen aufweisen (6500, 5250, 5695, 7440 Liter), und all diese Zahlen sind aus ihren Notizheften und Taschenbüchern ausgerechnet worden. Das Zugvieh besteht meist aus Maultieren, welche sich in neuen, noch nicht ganz geordneten Wirtschaften besser anpassen, als die empfindlicheren Pferde. Es ist die Norm von einem Arbeitstier für je 100 Dunam angenommen worden, und diese Norm hat sich in den meisten Fällen als richtig erwiesen. Bei zwei Tieren muß man schon sehr geschickt sein, um keine Verluste zu haben. (Ein Arbeitstier frißt nämlich hier zirka 3000 Kilogramm Gerste pro Jahr, und das macht bei unseren noch kleinen Ernten schon 20 bis 25 Dunam bebaute Fläche aus.)

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