Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Syrische Städte : Beirut [Nachricht]
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Aleppo 1× ep/1047811
- Haifa 1× ep/1047930
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bloß 40.000 Moslim. Das anstoßende Vilayet Libanon steht unter einem christlichen Gouverneur und besitzt bekanntlich weitgehende Autonomie. In dieser Provinz werden 320.000 Christen, 30.000 Moslim und 50.000 Drusen gezählt. Infolge starker Auswanderung herrscht ein großer Arbeitermangel. Durch die Hedjasbahn und ihre Tarifpolitik wird die Konkurrenz Haifas gegen Beirut sehr begünstigt. Für Haifa verspricht sich der Berichterstatter daher einen großen A u f s c h w u n g. Der Hafen von Beirut ist klein, die Zollräumlichkeiten beschränkt. Tripolis ist durch die neue Verbindung mit Homs-Aleppo gegenüber Beirut sehr begünstigt. Die Strecke Tripolis—Aleppo ist um 96 km kürzer als jene von Beirut nach Aleppo. Aleppo mit 250.000 Einwohnern gilt als sehr zukunftsreich, besonders im Hinblick auf den Anschluß an die Bagdadbahn. Es herrscht schon jetzt eine rege Bautätigkeit, seit kurzem sind zwei neue stattliche Viertel gebaut worden. Latakieh mit rund 20.000 Einwohnern ist ein Haupthandelsplatz für Tabak, von dem es ca. 10.000 Ballen zu 100 bis 120 K jährlich exportiert, sowie von Trockenfeigen. Alexandrette ist heute noch ohne Bedeutung. Die Stadt ist wegen der sie umgebenden Moräste ungesund. Bekanntlich soll die Bagdadbahn ein Ausfalltor in Alexandrette haben. Es ist ein mächtiger Verkehrsaufschwung zu erwarten. Die Bahngesellschaft dürfte auch die Stadt assanieren. Der Hafen ist ausgezeichnet und dies dürfte die Gesellschaft zur Wahl des Ortes als Mittelmeerhafen der Bahn veranlaßt haben. *Ä Talmudische Archäologie. Archäologie ist Altertumswissenschaft, die uns mit Leben, Sitten und Gebräuchen der Vorfahren vertraut macht. Ihr Zweck ist die Kenntnis weit zurückliegender Zeiten und sozialer Verhältnisse, ihr Nebenzweck das durch diese Kenntnis vermittelte restlose Verständnis der Schriftwerke dieser Zeiten. Alle Völker haben ihre Archäologen, die Juden scheinen allein auf diesem Gebiete weit zurückgeblieben zu sein. Nicht daß ihnen etwa das Interesse dafür abging, wir kennen ja auch bei den Juden Schriftsteller, die sich mit einzelnen Gebieten der Altertumsforschung abgaben, manche, wie z. B. Asarja de Rossi, gaben sich sogar mit jüdischer Altertumsforschung ab, aber im großen und ganzen sind es vereinzelte Ausnahmen. Die Archäologie setzt nämlich Hilfswissenschaften voraus und damit ging es in Bezug auf das Judentum schlecht. Die Archäologie kann nur aufbauen auf dem von der Philologie gelegten Grunde, und mit der sprachlichen Erforschung des Talmud waren die jüdischen Gelehrten bis ins 19. Jahrhundert weit zurück. Die Archäologie hat mit Worten zu rechnen, deren Bedeutung längst verloren gegangen oder geändert worden ist und die oft nur durch vergleichende Studien an zeitlich oder örtlich weit entfernten Sprachen genau erklärt werden können Finden wir ja schon im Talmud selbst, von den Kommentatoren gar nicht zu sprechen, 256