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Palästina · 1911-01-01 · Heft 10 · p. Seite 243

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 10
Article
Projekt einer jüdischen Villenstadt in Palästina
Date
1911-01-01
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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H e r z 1 s Projekt. Wenn Theodor Herzl einst von der Errichtung einer modernen jüdischen Villenstadt am Tiberias-See geträumt und sie in „Altneuland" so reizvoll geschildert hat, so kann kein Ort in gleichem Maße wie Kerak für die Gründung einer solchen Stadt in Frage kommen. Tiberias ist durch die Anhäufung von mehr als 10.000 Menschen auf engem Räume und durch die Armut seiner Bevölkerung für absehbare Zeit gehindert, sich zu einer modernen Stadt zu entwickeln. Kein Europäer mit höheren Kulturan Sprüchen könnte es in der engen und schmutzigen Stadt längere Zeit aushalten. Es bleibt also, wenn man gleichzeitig eine Eisenbahnverbindung in der Nähe haben will, für die Anlage einer Stadt nur das Seeufer zwischen Tiberias und Semach übrig, und auf dieser Strecke findet sich kein Punkt von gleich schöner Lage wie die Halbinsel Kerak. Hier könnte der Herzliche Traum verwirklicht werden. Es sind dazu weder große Mittel noch besonders große Anstrengungen erforderlich. Die alten Steine würden zum großen Teil ein vorzügliches Baumaterial abgeben. Wasser zum Bau ist durch den See in unbegrenzter Menge vorhanden. Schon mit 10.000 bis 20.000 Frcs. (je nach der Größe) würden sich schöne Villengebäude aufführen lassen. Größe des Terrains. Die Halbinsel ist über 20^600- Quadratmeter groß und hat für mindestens 200 Villen mit Gärten Platz. Etwa 30 Villen würden sich direkt am See aufführen lassen. Man kann sich schon jetzt ausmalen, wie schön das Landschaftsbild sich gestalten wird, wenn von dem hohen Ufer Villen und Gärten herunterschauen, wenn Treppen von den Häusern bis zum Niveau des Sees hinunterführen und kleine Nachen den Verkehr von Villa zu Villa vermitteln. Heilquellen. Die heißen Schwefelquellen bei Tiberias, die seit dem Altertum berühmt sind und ihrer Heilwirkung bei Rheumatismus und anderen Leiden den Vergleich mit den bekanntesten europäischen Schwefelbädern aushalten, könnten mit Motorboot in etwa 20 Minuten erreicht werden. Das würde wahrscheinlich bald dazu Anlaß geben, auf der Halbinsel ein Sanatorium oder Hotel zu errichten, dessen Gäste die Bäder bequem benutzen könnten, ohne doch nötig zu haben, bei den Bädern selbst zu wohnen, deren Umgebung ganz reizlos ist. Aus Palästina selbst würde ein solches Sanatorium oder Hotel viele Besucher haben, und auch aus dem Auslande würde es wahrscheinlich bald Besucher heranziehen. Außer den Tiberiasbädern sind auch die heißen Quellen von El Hammi, die im Altertum sehr geschätzt und besucht waren (noch heute finden sich dort Ruinen eines großen Theaters aus römischer Zeit), von der Station Semach mit der Bahn nur eine halbe Stunde entfernt und können deshalb bequem benutzt werden. Klima. Ein frischer Wind weht fast stets vom Hermon und See herüber und macht, mit Ausnahme der Sommermonate, den Aufenthalt trotz mancher heißen Sirokko-Tage sehr angenehm. Die Temperatur wetteifert im Winter mit der Riviera und Aegypten, da der Tiberias-See durch seine exzeptionell tiefe Lage (ca. 200 Meter unter dem Spiegel des Mittelländischen Meeres) besonders mildes Winterklima hat. Das Thermometer zeigt vom November bis März durchschnittlich 15 bis 20 Grade Celsius, um von April an auf 20 bis 25 und im Sommer bis 30 und mehr Grade zu 243

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