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Palästina · 1911-01-01 · Heft 7-9 · p. Seite 213

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Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 7-9
Article
Zionisten-Kongresse und Palästina-Arbeit
Date
1911-01-01
Page
Seite 213 (sequence 10)
Language
German
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Male die Forderung des politischen Zionismus mit einem Wort bezeichnet: „Ein Charter! Unsere Bemühungen sind darauf gerichtet, einen Charter von der türkischen Regierung zu erlangen, einen Charter unter der Souveränität Sr. Majestät des Sultans. Erst wenn wir im Besitze dieses Charters sind, welcher die nötigen öffentlich-rechtlichen Sicherheiten enthalten muß, können wir eine große praktische Kolonisation beginnen." Beim VI. Kongreß sehen wir zum ersten Mal auf einem Kongreß eine Opposition gegen den „Charter". Zum ersten Male wurde die bisherige Politik des Zionismus kritisiert und der Gedanke ausgesprochen, ob es nicht besser wäre, daß die Politik sich darauf beschränkte, schrittweise vorzugehen: erst die Aufhebung des Einwanderungsverbotes anzustreben, dann stufenweise allmählich immer höhere politische Konzessionen. Es waren aber zunächst ihrer wenige, die diese Auffassung teilten. Noch konnte ein Delegierter unter dem stürmischen Beifall der überaus großen Mehrheit des Kongresses sagen: „Einen Delegierten, der sage, der Charter sei unerreichbar, dürfe man nicht auf dem Kongresse dulden." Und doch hatte Herzl eben diesem Kongreß Mitteilung machen müssen, von dem Mißlingen und Scheitern der bisherigen Verhandlung in Konstantinopel, von Hindernissen, die zunächst nicht zu beseitigen waren. Wenn man dennoch die Hoffnung behielt, den Charter doch noch zu erlangen, so rechnete man dabei mit der genialen, alle überragenden Persönlichkeit Herzl's. Von ihm glaubte man, daß er Unmögliches möglich machen könnte und möglich machen würde. Als aber Herzl im Juli 1904 allzufrüh sein Leben beschließen mußte, bedeutete dies eine gewaltige Erschütterung auch des Glaubens an den kommenden Charter. Da war keiner, der den Führer ersetzen konnte. Da war keiner, von dem man erwarten konnte, ihm würden Sultan und Großmächte gewähren, was sie einem Theodor Herzl versagt. Man besann sich auf sich selbst. Ein immer größer werdender Teil der Zionisten kam zu der Ueberzeugung, daß andere Wege beschritten werden müßten, und zu der Entschließung, die politische Arbeit auf eine andere Basis zu stellen. Man erkannte auch, daß es ein Fehler war, immer nur auf einen Mann zu bauen, ihm alle Last und Arbeit aufzubürden und selbst untätig zu sein in der Bemühung um das Ziel des zionistischen Strebens. Der VII. Kongreß findet eine völlig veränderte Situation. Mit großer Mehrheit beschließt dieser Kongreß, „daß parallel mit der diplomatisch-politischen Tätigkeit, als reale Grundlage und zur Stärkung derselben, entsprechend dem Punkte I. des Baseler Programms die systematische Ausgestaltung unserer Positionen in Palästina erfolgen müsse." Der Beschluß gibt dann die Einzelheiten dieser Arbeit an, um schließlich ausdrücklich zu erklären, daß diese Arbeit nicht etwa eine „planlose, unsystematische und philanthropische Kleinkolonisation" sein solle, die der Kongreß als nicht „in den Rahmen des Punkes I. des Baseler Programms fallend", ablehne. So selbstverständlich, sp notwendig war doch diese ausdrückliche Erklärung, da die mit diesem Beschluß inaugurierte Gegenwartsarbeit in Palästina, Vorbereitungsarbeit im Lande immer wieder als Rückkehr in „Chowewe Ziontum" (das aber auch nicht unsystematisch und unpolitisch und durchaus nicht anational war) hingestellt wui de, womit 213

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