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Palästina · 1911-01-01 · Heft 4 · p. Seite 119

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 4
Article
[Nachricht] / b
Date
1911-01-01
Page
Seite 119 (sequence 2)
Language
German
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könne, daß die Möglichkeit geschaffen wird, England durch eine deutschtürkische Koalition in Aegypten zu bedrohen. Dazu sei es nötig, daß die Türkei über die nötigen strategischen Bahnen verfüge. England strebe eine Eisenbahnverbindung zwischen Aegypten und Indien an. Die Bagdadbahn in den Händen des deutsch-türkischen Bündnisses sei von größter Wichtigkeit gegenüber diesen Aspirationen. England sehe in der Bahn auch einen neuen Weg nach Indien und daher habe es seine Hand auf Koweit, dem voraussichtlichen Endpunkte der Bahn, am persischen Golf gelegt. Rohrbach bespricht sodann die Trace und die Landschaften der Bahn. Die erstere sei wiederholt geändert worden. Sultan Abdul Hamid verlangte mit Recht, daß die Trace überall soweit vom Meere entfernt bleibe, daß eine Beschießung durch eine Flotte nicht möglich wäre. Die Russen erhoben ihrerseits Einspruch gegen die ursprünglich geplante Führung der Bahn über Siwas—Diabekir. Die heute festgelegte Trace geht von Konia über Eregli, Bulgurlu, Adana, Aleppo (wo sie Anschluß an das syrisch-palästinensische Netz erhält), Harran, Helif, Mossul nach Bagdad. Zweiglinien werden gebaut: von Harran nach Urfa, von Bagdad nach Chanikin (ferner nach dem neuesten Vertrage von Osmanie nach Alexandrette. Anm. d. Red.). Rohrbach bespricht die große Bedeutung der Bewässerungsarbeiten, die von der Bahngesellschaft in den Ebenen von Adana und Konia ausgeführt werden und glaubt, daß insbesondere der Baumwollbau daselbst eine große Zukunft haben werde. Allerdings erhebe sich die Frage, woher die Kolonisten kommen sollen. Auch die Gegend von Antiochien habe eine große Zukunft. Sie sei in früheren Zeiten eine der dichtest bewohnten gewesen. Eine Abzweigung der Bahn ans Mittelmeer (wie sie jetzt beschlossen wurde), an den Hafen von Alexandrette, wäre von der größten Bedeutung, nicht nur für die Erschließung dieses Landstriches, sondern auch für die Beförderung der Produkte Mesopotamiens und Syriens ans Mittelmeer. Durch eine solche Linie verliere für Deutschland die von England heiß umstrittene Endstrecke Bagdad—persischer Golf ihre Bedeutung. Alexandrette wäre das Ein- und Ausfallstor des Bahnverkehres. Beiläufig erwähnt Rohrbach die von Deutschen vor einigen Jahren gegründete Teppichfabrik in Urfa, von der er sich für die Hausindustrie in der Umgebung ähnliches verspricht, wie etwa wir Juden vom „Bezalel". Bedeutend sei das Vorkommen von Naphta bei Kerkuk. Von Mesopotamien erhofft der Autor durch den Einfluß der Bahn und der Bewässerungsanlagen, die im Auftrag der Regierung von Willcox durchgeführt werden, vor allem einen enormen Aufschwung des Baumwollbaues. Allerdings muß fremdes Kapital diese Entwicklung anbahnen. Es müssen sich Plantagengesellschaften unter türkischer Beteiligung bilden, die möglichst große Landstrecken, am besten in langjähriger Pacht, vom türkischen Staate, dem alles herrenlose, unkultivierte Land gehört, an sich bringen. Sie müßten ihr Terrain parzellieren und am besten an kleinere Pächter weiter geben oder aber auf eigene Rechnung von eingeborenen Arbeitern bewirtschaften lassen. Rohrbach geht dann auf die strittige Frage über, ob tatsächlich Mesopotamien in alter Zeit ein sehr fruchtbares Land gewesen sei und bejaht dies für einen großen Teil des Gebietes. Nur am Nordfuße des Sindschargebirges gäbe es große Strecken Bodens, die auch im Altertume unfruchtbar gewesen sind. Das Klima habe sich nicht geändert. Werden die Bewässerungen wieder hergestellt, so seien große Resultate zu erreichen. Willcox berechnet die Fläche, welche für den Anbau in Betracht kommt, mit folgenden Zahlen: für ganz Babylonien 56 Millionen Hektar, hievon 1*3 Millionen für die unmittelbar in Angriff zu nehmenden Arbeiten, 2*6 Millionen für die mit etwas längerer Frist zu beginnenden. Rohrbach hebt hervor, daß überdies der Norden und Nordwesten von Mesopotamien keine künstliche Bewässerung braucht,^ sondern daß daselbst der Regenfall genügte und sich tatsächlich die mitgeteilten Zahlen hur auf das eigentliche Babylonien beziehen. Zum Schluß kommt er nochmals auf die Frage der Kolonistenbeschaffung zu sprechen. Die türkische Regierung hat sich geäußert, daß sie vor Abschaffung der Kapi- 119

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