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Palästina · 1911-01-01 · Heft 4 · p. Seite 118

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension] / m
Date
1911-01-01
Page
Seite 118 (sequence 1)
Language
German
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„Palästinensische Kulturbilder." Von R. Eckart, E. Zicker mann D. F. F e n n e r, Leipzig 1907.. Kulturschilderungen aus Palästina können naturgemäß nicht einheitlicher Art sein: ist ja das Objekt der Schilderung hier zu wenig einheitlich und läßt zu viel Raum dem Stimmungsgemälde, der phantasievollen, subjektiven Betrachtungsweise. Zunächst ist es nicht einmal leicht," bei rascher Beobachtung die landschaftliche Eigenart des Landes objektiv zu erfassen, sie ist zu weit verschieden von den starklinigen und mehr augenfälligen der europäischen Landschaften, zu sehr von feinen Nuancen und innerer Harmonie beherrscht und setzt eigentlich schon ein Entgegenkommen der Empfindungen voraus. Immerhin bietet die Schilderung „palestinensischer Frühlingsbiider" eine der besten bestehenden Schilderungen. Wenn auch nicht das feine Reiseerlebnis der Landschaft selbst, bietet sie doch die Erlebnisse der Landschaftswanderung in lebhaften Formen. Noch mehr Interesse beanspruchen die „Wanderungen am toten Meere", da es sich hier um wenig besuchte Gebiete, von einer ganz eigenartigen Landschaftsphysiognomie, handelt*). Von den geschilderten Städten („Palästinensische Städtebilder") taucht wohl Jerusalem am lebhaftesten vor uns auf, mit dem Gewühle seines religiösen Lebens, seiner Volksabarten und Trachten, seiner Kuppeln und überwölbten Gäßchen, mit dem gewaltigen, fast könnte man sagen, historischlandschaftlichen Hintergrunde. Aber auch seltener besuchte Städte, wie Noblus, Es-Salt usw. finden eingehende Behandlung. In der Schilderung der eingeborenen arabischen Bevölkerung treten einzelne beobachtete oder erlauschte Züge zu einem eindrucksvollen, ziemlich exakten Bilde zusammen. Sonst kann man dem Buche manche interessante Beobachtung aus dem religiösen Leben verdanken, das den Herausgebern wohl sehr am Herzen liegt. Doch wird in Bezug auf die Wertung orientalischer Religiosität auch manches zu sehr vom abendländischen Standpunkte aus geringschätzig abgetan, was aus einer anders gearteten Gefühlswelt her begriffen werden sollte. Die politischen Andeutungen, in ihrem kritischen Teil anscheinend noch immer berechtigt, dürften in ihren positiven Ausblicken, die die Aufteilung der Türkei als eine bevorstehende Möglichkeit voraussetzen, durch die inzwischen eingetretene türkische Revolution wohl überholt sein. Die Judenmission wird im allgemeinen verurteilt, die evangelische als schwer durchführbar bezeichnet. Das Judentum wird als eine gewaltige Macht im Lande bezeichnet, doch wohl hauptsächlich seiner numerischen Quantität nach. Sonst wird zwischen zionstischem, darunter die ganze neue Einwanderung verstanden, und eingesessenem Judentum sehr stark unterschieden. Die Behauptung, daß die jüdische Invasion für die arabische Bevölkerung des Landes das größte Unglück bedeutet, muß zurückgewiesen werden, da sie bestenfalls auf einer höchst oberflächlichen Analogie mit den Verhältnissen vollbesiedelter und wirtschaftlich hochkomplizierter europäischer Staaten beruht. Besonders hervorhebenswert ist der lebhafte Ton der Reiseschilderung, der doch sehr viel des Sachlichen enthält; eine sehr wertvolle Ergänzung bilden die vorzüglichen, in sehr großer Anzahl beigegebenen Photographien, die sehr viel Neues und Charakteristisches enthalten. —m—. Die Bagdadbahn. Von Dr. Paul Rohrbach, 2. Auflage, Verlag Wiegandt & Grieben, Berlin. Zur rechten Zeit erscheint die zweite, nach dem neuesten Stand der Dinge umgearbeiteten Auflage dieser Schrift des bekannten deutschen Kolonialpolitikers. Rohrbach bespricht zuerst die politischen Gesichtspunkte des Bahnbaues und meint, daß im Interesse des Weltfriedens, England an einem Krieg gegen Deutschland dadurch gehindert werden *) Noch empfehlenswerter in dieser Hinsicht ist die populäre Schilde« rung Blanckenhorns in dem Buche: Das tote Meer (Berlin, G. Reimer). 118

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