Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bagdadbahn [Nachricht]
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Haifa 2× ep/1047930
- Aleppo 1× ep/1047811
- Beirut 1× ep/1047833
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Ruinen von Babylon vorbei, erreicht sie die große Stadt Bassorah, bis wohin Seedampfer flußaufwärts fahren können. Der eigentliche Endpunkt der Bagdadbahn soll die türkische Stadt Koweit am Persischen Meerbusen werden; doch ist hierüber noch nichts Endgiltiges bestimmt und wird dies wahrscheinlich ebenfalls ein Gegenstand schwieriger diplomatischer Verhandlungen werden. Der Bau der zweiten Strecke der Bagdadbahn von Bulgurlu bis Tel-Elif bei Mossul wurde an drei Stellen in Angriff genommen, und man hofft, bis Ende des laufenden Jahres eine weitere Strecke von 600 Kilometern in Betrieb setzen zu können. Die Strecke von Tel-Elif bis Bagdad beträgt ungefähr 600 Kilometer und fast ebenso lang ist jene von Bagdad nach dem Persischen Meerbusen. Die ganze Bagdadbahn mit allen ihren Abzweigungen wird ungefähr 2500 Kilometer umfassen. Die Reform des Oschers« Bekanntlich liegt ein Haupthindernis für Fortschritte der Landwirtschaft in der Türkei in dem System des Zehent. In der jüngst stattgehabten Budgetdebatte im türkischen Parlament bezeichnete der Finanzminister die Reform des Zehents als dringend, doch bemerkte er, daß eine solche, um das Budget nicht zu erschüttern, nur langsam von statten gehen könnte. Nach Aeußerungen der Führer der Majorität ist folgender Vorgang geplant: 1. Abschaffung der Verpachtung des Zehent. 2. Umwandlung desselben in eine fixe Abgabe, die nach dem Durchschnitt der Erträgnisse der letzten fünf Jahre zu berechnen ist (Tachmiss). 3. Nach völh'g durchgeführter Katastrierung des landwirtschaftlichen Besitzes Umwandlung dieser Abgabe (Tachmiss) in eine wirkliche Grundsteuer. Mit der Einführung der Tachmissabgabe werden von der Regierung bereits Versuche in Rumelien gemacht. X Kurze Nachrichtenschau. — Am 11. und 12. Februar tobte an der Küste Palästinas ein Südweststurm von einer Heftigkeit, wie man sich ihrer nicht erinnern kann. In Haifa ging ein Lastschiff mit vier Mann unter, ebenso zahlreiche Segelschiffe. In ganz Palästina herrschte große Kälte. In Jerusalem waren die Straßen drei Tage lang mit Schnee bedeckt. Derselbe soll stellenweise die Höhe von einem halben Meter erreicht haben. Die Telegraphenverbindung war mehrere Tage lang unterbrochen, selbst die Bahnlinien von Jaffa nach Jerusalem, sowie von Beirut nach Aleppo und Damaskus mußten den Verkehr einstellen. An der Strecke von Damaskus nach Haifa stürzte ein Felsblock auf einen Zug und zertrümmerte die Lokomotive und einen Güterwagen. Drei Beamte wurden schwer verletzt. Infolge des Sturmes fielen unzählige Früchte ab und gingen zugrunde. In Petach- Tikwah wurden die Orangengärten sehr hart mitgenommen. Man beziffert den Schaden in Petach-Tikwah allein auf 50.000 Francs. In Jaffa und Umgebung soll sich der Schaden insgesamt auf 400.000 bis 500.000 Francs belaufen. — Unter dem Eindruck der Insolvenz zweier jüdischer Wohlfahrtsinstitute in Jerusalem, des „Moschab Sekenim" (Altersversorgungsheim) und der Jeschibah Tovoth Chaim, welche eine wirtschaftliche Katastrophe 115