Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur geologischen Erforschung Palästinas
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
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das Verständnis des Gesamtverlaufs seiner politischen und Wirtschaftsgeschichte, ja zum Teil seiner Religionsgeschichte, eine gewisse Bedeutung hat. Selbstredend ist auch die Agronomie und dadurch auch die Kolonisations-Wissenschaft von den geologischen Forschungsresultaten in hohem Grade abhängig, desgleichen die Hygiene, besonders in einem von Malaria heimgesuchten Lande und endlich auch - wenn nun schon auf die praktische Bedeutung dieser Forschung so viel Wert gelegt wird — die zukünftige Industrie des Landes. Denn diese wird nur auf genauen Spezialkenntnissen von seinen mineralischen Bodenschätzen aufbauen können, und solche Kenntnisse können sich nur aus einer gründlichen allgemeinen Erforschung des Bodens durch sachkundige Geologen ergeben. In der Geschichte der Medizin stoßen wir häufig auf den Vorgang, daß irgend ein „weltabgeschiedener" theoretischer Grübler (ein Physiologe, Biologe, Pharmakologe) Jahrzehnte lang dem Studium eines rein theoretischen Problems ohne Beziehung zu Praxis und Außenwelt obliegt, bis sich eines Tages — oft ohne sein Zutun — ein bedeutendes praktisches Ergebnis herauskristallisiert, das auf anderem Wege gar nicht zu erreichen war und das nun die Welt der Praktiker in Staunen versetzt. Auch die „rein wissenschaftliche" Arbeit der Palästinageologen hat, wie wir sehen werden, bereits ein bedeutendes praktisches Resultat gezeitigt. Die Bibliographien der Zeitschrift des Deutschen Palästinavereines, die von Neufeld und die letzte von Thomsen weisen eine stattliche Reihe geologischer Arbeiten nach. Engländer, Deutsche und Franzosen haben sich hieran beteiligt (auch Aaronsohn hat auf seinen Forschungsreisen mehrfach geologische Studien betrieben), haben zahlreiche Einzeluntersuchungen ausgeführt, auch Gesamtdarstellungen versucht und sogar bereits (Lartet Hull) die ersten geologischen Karten gezeichnet. Keiner aber hat auf diesem Gebiete so gründlich und erfolgreich gearbeitet wie der deutsche Geologe Max Blanckenhorn, der sich seit 23 Jahren auf zahlreichen Reisen diesem Studium gewidmet und eine Fülle von Einzelarbeiten und Spezialkarten geliefert hat. Seine letzte Arbeit (Abdruck zweier Vorträge in den Sitzungen der Deutschen Geologischen Gesellschaft 1909) ist eben erschienen.*) Den Lesern dieser Zeitschrift, bezw. ihrer Vorgängerinnen ist Professor Blanckenhorn aus einem im 1. Jahrgang von „Altneuland" (1904) enthaltenen populären „Abriß der Geologie Palästinas bekannt; auch wurde seine Reise 1904 von der zionistischen Kommission zur Erforschung Palästinas" subventioniert. Er ist der Entdecker der großen Phosphatlager im Ostjordanland — eine Entdeckung von großer wirtschaftlicher Bedeutung, auf die bereits oben hingewiesen wurde. Die Höhe der von der türkischen Regierung für die Konzession geforderten Summe läßt schon heute den Abbau dieser ausgedehnten Lager als einen bedeutsamen Faktor in der Industrie des zukünftigen Palästina erscheinen. Mit ähnlichen Forschungsresultaten könnten wir noch weiterhin überrascht werden. Das sei für jene hervorgehoben, die solche Forschungen als - *) Blanckenhorn, Neues zur Geologie und Prähistorie Palästinas und des ägyptischen Niltals, Sonderabdruck aus der Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft, Jahrg. 1910, Heft 3/4. 110