Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Schirokko
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 2)
- Language
- German
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sie drinnen in den Häusern die Feuchtigkeit aus dem Holz der Möbel zieht und draussen auf den Feldern ganze Schlägt jungen Getreides bleicht und vernichtet; die Schleimhaut den Luftwege trocknet aus und bewirkt Entzündungen; manche klagen über Kopfschmerz, Beklemmung und Fieber. Endlich löst sich die Spannung. Ein Windstoss fegt in die lastende Schwüle der Strassen, und plötzlich brausen die Wirbelstürme) daher und peitschen Wolken von Sand und feinem Kalkstaub durch [die Luft, dass man wie ein Blinder unter den Stössen des Windes dahinwankt. Der Staub dringt durch die undichten Fenster in die Zimmer und deckt alles mit seinem weissen Mantel. Das ist wieder der Schirokko; er wirft Lasttiere um und weht Kinder vom Eslel. Es ist genau derselbe „grosse Wind von der Wüste her", der einst des Hiobs Haus über den Haufen warf (Hieb 1, 19). Und am nächsten Tage sind die Pflanzen verdorrt und die Blümlein abgefallen. Der Spätregen, der in der Nacht gekommen ist, kann ihnen die Labung nicht mehr bringen, die er für Mensch und Tier so unaussprechlich in sjich birgt; ihre Lebenskraft war schon geknickt. So erging es einst dem Rizinusbaum des Jonas (Jon. 4, 8), als Ciott den „dürren Ostwind" schickte, und Jonas selber bis zum Tode ermattete. „Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blühet wie eine Blume auf dem Felde. Wenn der! Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr" (Ps. 103, 15 f.). Dr Eduard Schulte: Volkssagen im heutigen Palästina. ie in anderen Ländern, so ist auch im heutigen Palästina die Volkssage lebendig, indem sie ihren Bestand an Gebilden und Geschichten in der Ueberlieferung wahrt oder umgestaltet, gelegentlich wohl auch mehrt Einen Einblick in diese Sagenbildung (gewährt das unlängst erschienene Werk J. E. Hanauers,*) eines des Orients und seiner Sprachen kundigen Mannes. Wir erfahren, dass die Bekenner der jüdischen, der christlichen und der mohammedanischen Religion an der Sagenbildung beteiligt sind, doch nicht in gleichem Masse; den letzteren, die zugleich das herrschende Volk sind, fällt der Hauptanteil zu; ihre Phantasie scheint reicher zu sein, als die ihrer jüdischen *) Folklore <of the H»oly Land. By J. E. Hanauer. With an introfduetion by jMarmaduke Pickthall. London, Duckworth u. Co., 1907. 326 S. Unseres Wissens ist das Buch nicht übersetzt. 234