Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Adressen- und Interessenstreit [Nachricht]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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„Und es war ein langer Streit zwischen dem Hause Sauls und dem Hause Davids. David aber ging und nahm zu und das Haus Sauls ging und nahm ab, mit diesen Worten lässt sich auch das gegen-, seitige Verhältnis des alten und neuen jüdischen Greisenasyls bezeiöhfi nen. Seit langem hörte man über das alte Greisenhaus Klagen wegen zu hohen Eintrittsgeldes, mangelhafter Reinlichkeit etc." Ein lussischer „Rabbiner" Cherubin machte sich die günstige Gelegenheit zunutze und eröffnete zum halben Eintrittspreis in der neuen schönen Bucharer-Kolonie ein neues Greisenasyl, welches von Beginn der Eröffnung bis heute sehr viel Zuspruch gefunden und der alten Schwesternanstalt eine empfindliche Konkurrenz geschaffen hat. Der Streit zwischen den beiden Anstalten dreht sich nun darum, dass das neue Institut einen dem alten ziemlich gleichlautenden Namen adoptiert hat, und darum die Leiter des einen die des andern fortgesetzt beschuldigen sich unrechtmässiger Weise die für sie bestimmten Gelder anzueignen. Wie verlautet, haben nun die Vorsteher des alten Moschab Sekenim bei der Regierung und den Konsulaten Schritte unternommen, um den neuen missliebigen „Kollegen" zu zwingen sich und seine Anstalt umzutaufen, wovon dieser als strenger Jude aber nichts wissen will. — Aehnliche Zustände hat die noch immer andauernde chaotische Verwirrung der Chakam Baschifrage im Gefolge gehabt. In den letzten Nummern der neuen hebräischen Zeitung „Hacherut" beklagt sich der an Stelle Panigels zum Chakam Baschi Stellvertreter ernannte Rabbiner Betito, dass Panigel noch immer amtlich weiterfungiert und die nach wie vor an seine Adresse gelangenden Armengelder eigen-, liebig für sich und seinen Anhang verwendet, wodurch in der Gemeinde grosse Misstände geschaffen werden. Die Regierung hat jetzt übrigens nach der Ernennung Betitos Panigel strengstens verboten, sich weiterhin irgendwie amtlichen Charakter beizulegen oder amtliche Prärogative anzumassen und da jetzt demnächst auch die endgiltige Wahl des neuen Chakam Baschi stattfinden soll, so darf man hoffen, dass jetzt endlich die seit dem Tode des Ober-Rabbiners Eliaschar alles vergiftende und zerrütternde Parteileidenschaft und Anarchie ihr baldiges Ende finden. Ramie. K'aml e. Die städtische Kolonisation der Juden hat sich bis jetzt nur auf wenige Orte konzentriert und einige von diesen, wie Jerusalem, Saffed, Tiberias geradezu in jüdische Städte verwandelt. Dagegen wurde es bis jetzt sehr wenig versucht, einen Tjeü der Einwanderung (nach den von den Juden nicht (besetzten palästinensischen Städten zu lenken. In Ramie ist vor Jahren ein solcher Versuch vom Verein Lemaanr Zion unternommen worden, der aber leider missglückt ist. Dies ist nur ein Beweis dafür, wie schwierig es ist, in ganz judenreinen Plätzen die ersten Wurzeln zu fassen. Wiewohl nämlich Ramie ein ganz gesundes Klima besitzt, so nahe bei Jaffa und den judäischen Kolonien liegt, haben sich doch nur ganz wenige Juden bis jetzt dauernd dort anziedelln können. Das Wichtigste wäre, wenn gerade an Orten wie Ramien und Gaza etc. gute Schulen und Vorschusskassen gegründet würden. Das würde viele Juden verlocken, sich anzusiedeln. — 228