Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 9-10
- Article
- Die deutsche Chalukah und die deutsche Jugend [Nachricht]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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der Gründungeines Vereins „Kehillath Jakob" geführt haben mit dem eifrigverfolgten Zweck, in der Nähe von Jerusalem, vielleicht bei dem wasserreichen, nur eine gute Stunde von Jerusalem entfernten und aus der Geschichte des Aufstandes unter Bar Kochba bekannten Bittir eine neue landwirtschaftliche Kolonie zu schaffen. Auch die ungarische Jugend verlangt, dass ein guter Teil der bisher ganz unsinnig und zwecklos vergeudeten Chalukah für die die Förderung ihrer lobenswerten Bestrebungen verwendet wird, findet aber leichtbegr ehrlicherweise an den orthodoxen fanatischen Rabbiner, welche auf die Chalukahgelder die Hände gelegt haben, heftigen Widerstand. Religiöse Motive sind es gewisslich nicht, welche diese Herren zu. ihrer Obstination veranlassen, denn gerade unter der ungarischen Jugend, welche sich nach Freiheit, nach Licht und Luft und einem menschenwürdigen Dasein sehnte, gibt es viele recht bedeutende Thora- und Talmudkundige und religiös sehr ernst gerichtete Männer, welche kein idealeres Ziel kennen als Jischub Erez Israel mit dem Studium der Thora und der Hochhaltung der religiösen Tradition zu verbinden. Da wäre denn schon für die deutsche und ungarische Chalukahverwaltung eine Gelegenheit für die als notwendig erkannte planmässige Zusammenarbeit geboten, um dem gleichartigen Verlangen der deutschen und ungarischen Jugend Rechnung zu tragen und dadurch all-, mählich die Chalukah ganz überflüssig zu machen, oder sie doch nur für ganz arme, alte, gebrechliche und kranke Personen reservieren. Nur auf dem Wege des Zusammenschlusses aller Länder und der Abführung der Jugend und jungen Mannschaft aus den von der Chalukah errichteten dumpfen, eintönigen und eng zusammengepackten Häuserkasernen in der Stadt hinaus aufs freie, kräftigende und ernährende Land liegt die Rettung, ohne welche Tausende von jüdischen Existenzen elend dahinsiechen, verkümmern müssen. AUS DEN KOLONIEN Sichron Jakob. Hieher kamen vor kurzem aus Haifa eine Anzahl Jungtürken um eine Parade abzuhalten. Die Kolonie war festlich geschmückt. Die Kolonisten hatten zuerst gezögert, eine jüdische Fahne oder Abzeichen anzubringen, ja sie gingen sogar so weit, dass sie im Betham, das Herzlbild» sowie das Bildnis des Herrn Rothschild abnahmen. Erst als die Arbeiter 60 an der Zahl, drohten die Kolonie zu boikottieren, wurden die Bilder wieder angebracht und am Betham ein Magen David mit der Aufschrift Zion angebracht. Als Strafe für den Gewaltschritt der Arbeiter schloss man die Lesehalle. Im Allgemeinen verlief das Fest sehr schön. Die Araber sangen arabische, die Jungtürken türkische und nur die Arbeiter hebräische Lieder. Dies Verhalten dürfte zeigen, an was das Judentum in Palästina krankt. 213