Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 9-10
- Article
- Der "Hazewi" contra Antebi
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 2)
- Language
- German
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Wirren durch die Entfesselung eines äusseren Krieges ein Abzugsventil und einen Ableitungskanal zu öffnen suchten, hat Herr Ben Abi, um die wegen seines berüchtigten Armenier-Artikels „anachun" gegen ihn ent. fesselte elementare Erregung der jüdischen Kreise durch eine neue sensationelle Tat zu beschwichtigen und in Vergessenheit zu bringen, das Signal gegeben zum Kampf gegen Antebi, den Jerusalemer und palästinensischen Generalbevollmächtigten der Allianz und der Ica. Herr Ben Abi hatte allerdings auch noch andere persönliche triftige Gründe, welche ihn zu einem Waffengang mit dem stark und festgegliederten Goliath, dem bisherigen Herzens- und Busenfreunde seines Vaters, Hrn. Ben Je. huda, und seiner Familie herausforderten. Zehn Jahre lang genoss Herr Ben Jehuda für seine journalistische und sonstige literarische Tätigkeit eine bedeutende Subvention von Seiten des Herrn Baron Edmund von Rotschi]d in Paris, welche ihm durch Vermittlung der Allianz resp. ihres Repräsentanten Antebi in Jerusalem ausgezahlt wurde. In diesem Jahre hat Herr Baron Rothschild die seither gewährte Unterstützung eingestellt und zwar wie die Ben Jehuda's annehmen infolge der Intriguen Antebis. Was dem Streite zwischen Ben Abi und Antebi überhaupt ein ausgesprochen komisches Gepräge verleiht, das ist das heisse Bemühen jedes dieser beiden Freigeister und Ungläubigen die Gunst der orthodoxen Rabbiner und der orthodoxen Kreise auf seine Seite zu ziehen, sich als den Ausbund aller Tugenden und den eifrigsten Hüter der Religion und Frömmigkeit, den andern dagegen als den Zerstörer aller Gottesfurcht und guten Sitte hinzustellen. Ben Abi tut das in seinem „Hazewi", Antebi liess seine Apologie sogar in einem grossen gegen den „Hazewi" gerichteten und von einem Mendel Stein unterzeichneten Plakat öffentlich an den Toren und Mauern Jerusalems anschlagen. So bilden älso die Frommen von Jerusalem bei diesem Kampfe des par nobile fratrum den tertius gaudens; zur Verteilung der Tugendrose oder eines Frömmigkeitsordens an den einen oder den anderen hat sich aber noch kein orthodoxer Rabbiner entschliessen können. Die deutsche Chalukah und die deutsche Jugend. Die Bemerkungen des Korrespondenten über die notwendigen Reformen der deutschen und der allgemeinen Chaluka in Jerusalem und Palästina haben weniger auf dem neu errichteten Amsterdamer Jerusalemer Chalukah-Bureau als unter der deutsch-jüdischen Jugend einen freudigen Wiederhall gefunden. Eine grosse Anzahl junger Leute, welche bisher bei der Verteilung der Chalukah ganz leer ausgingen, verlangen, dass die Armengeider, an welchen sich einige bevorzugte und gänzlich unbenötigte Familien jahrzehntelang bereichert haben, endlich dazu verwandt werden, um dem jüdischen Nachwuchs zu einem ehrbaren, geachteten und selbstbefriedigenden Dasein zu verhelfen, sei es durch Begründung eines seinen Mann ernährenden Handwerks oder noch lieber durch Anlegung einer gemeinsamen landwirtschaftlichen Kolonie. Bekanntlich sind auch unter der ungarischen Chalukahjugend ähnliche Bestrebungen im Gange, welche zu 212