Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 9-10
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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AUS DEN HAUPTSTÄDTEN gg [ Jerusalem. Im Sommer feierten die hiesigen Deutschen ein Bismarckfest auf Katamon, das ist der Sommersitz des in letzter Zeit vielgenannten griechischen Patriarchen. jDer Vertreter unserer Zeitschrift in Jerusalem nahm daran Anteil und sandte uns einen langen Bericht, dem wir aus Plätzmangel nur einige Stellen entnehmen können: „Das Fest war in Form eines deutschen Jahrmarktfestes (Kirmes, Münchner Oktoberfest) gehalten mit Schau- und Kaufbuden. Zum ersten, male waren Deutsche ohne Unterschied der Konfession oder National!1-, tat beieinander, Katholiken, Protestanten, Templer, Juden. In seiner Rede hob der Konsul hervor, wie deutsche Anstalten in Jerusalem von allen Konfessionen errichtet würden (z. B. Augusta Viktoria-Hospiz auf dem Oelberg), so müsste auch in ihrer Gemeinschaft über die Verschiedenheit der Religionszugehörigkeit hinweggesehen werden. Mit einem lodernden Feuer zu Ehren Bismarcks als des Verkünders der deutschen Einheit schloss die wohlgelungene Feier. — Hier hat sich ein jüd. dramatischer Verein gebilde, der im Beth- Haam wöchentlich einmal Vorstellungen gibt, meist Jargonstücke ins Hebräische übersetzt. Der 21. Thamus, Herzls Jahrzeit, wurde hier an vielen Orten feierlich begangen. In d. National'bibliothek hatte sich eine stattliche Anzahl Personen der verschiedensten Alter versammelt. Abends fand im Beth-Ha'am eine Gedenkfeier statt, später zogen ca. 50 Personen per Esel nach Moza, um an der Herzlceder, ihrem verewigten Führer eine stumme Huldigung darzubringen. Auch von anderen Herzlfeiern, so im Waisenhaus von Herrn Dr. Grünhut etc. wurde mir berichtet. In den Synagogen wurde am Sabbath dar El Mole Rachamin näch Herzl gesprochen. Dr. W a i t z bleibt hier, um seine Praxis unabhängig vom Spital weiter auszuüben. Seine Gattin, die ebenfalls ihr medizinisches Examen bestanden hat, wird ihn, wie wir hören, darin unterstützen. Sein Nachfolger am Rotschild-Hospital, Herr Dr. Segall aus Sa. fed, hat bereits seinen Posten angetreten. Ant6bis Stellung scheint nach vieler Leute Meinung erschüttert. Es ist gegen ihn ein Kampf auf Leben und Tod entbrannt. Die Tntriguen gegen Dr. Waitz sollen dem Fass den Boden ausgeschlagen haben, Auch die Ica soll ihn nun endlich fallen lassen. Ob aber wirklich eine Veränderung eintritt, ist schliesslich doch noch abzuwarten. Der „Hazewi" contra Antebi. Nach dem immer etwas gewagten Beispiel einer Regierung, welche gegen die im Innern des Reiches ausgebrochenen Unruhen und 211