Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Die Aufhebung der Zensur in der Türkei [Nachricht]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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wurde da nicht alles beanstandet!" schreibt Beck. „Worte wie: Wein, Freiheit, Vaterland, Thronfolger, schädlich und noch viele andere, gehörten zum eisernen Bestände der auf dem Index stehenden Ausdrücke: „Die Insekten sind den Pflanzen schädlich" — „schädlich" geht nicht mein Lieber! — «Die Handschuhe meines Mitschülers sind zerrissen". — „Buda olmaz" (=auch das geht nicht!) — „Warum?" — „Die Schulen sind bei uns mit staatlichen Internaten verknüpft; ergo würde es ein schlechtes Licht auf die türkische Verwaltung werfen, wenn ein Schüler zerrissene Handschuhe hätte! — So lauteten beispielsweise die Antworten unseres Freundes, der mit den Gepflogenheiten der Zensur ziemlich Bescheid wusste. Nebenbei bemerkt, wurde der Arme auf eine Zeit von beinahe vier Monaten ins Gefängnis geworfen und seiner an und für sich wenig beneidenswerten! Staatsstellung enthoben. Aus welchem Grunde? Nun weil er mit einem Aleman in persönlichem und schriftlichem Verkehr stand Nun beschreibt Beck eine Menge der interessantesten Zensurstückchen, wie der Schluss eines Frühlingsliedes: „Frühling, Sommer, Herbst und Winter, sind des lieben Gottes Kinder", aus religiösen Gründen wegfallen musste, da Gott doch keine Kinder hat. — Tatsächlich gab es mehrere bekannte Dichter und Schriftsteller, die vom Staate eine jährliche Rente unter der Bedingung bezogen, dass sie nichts veröffentlichten. Zmu Schluss noch ein typisches Zensurstückchen. Ein armenischer Schriftsteller übergab ein fleissiges Werk: „Aphorismen, Gedankensplitter und Sentenzen" der Zensur, in der selbst einer seiner Freunde sass. Nach langer Zeit konnte er endlich seines Werkes wieder habhaft werden. „Doch wer beschreibt sein Entsetzen. Vom ersten bis zum letzten Blatte war Seite für Seite gestrichen, nur das kurze Vorwort war unberührt!!" Auf seine Vorhaltungen meinte sein Freund, der Zensor: „Sieh, ich habe mir zum. Grundsatze gemacht, alles das zu streichen, was ich nicht verstehe; wie leicht könnte in einem solchen Sinnesspruch irgend eine Anspielung verborgen sein; darum ist es besser, sie samt und sonders zu streichen . . . ." Dagegen vergleiche man nun die neue Zeit. Die Zeitschriften bringen nun endlich vernünftige Artikel, politische Abhandlungen. Redakteur und Herausgeber schweben nicht in der ständigen Gefahr, festgenommen zu werden. Die Verfassung ist für die türkische Literatur und die übrige Literatur in der Türkei die Basis jeder gesunden Entwicklung. VERSCHIEDENES Nach vorläufigen Berichten D. G. L. Hallis', hat die auf Kosten I., H. Schiffs von der Harward Universität ausgesandte Expedition in der Nähe von Sebastijeh, Funde aus der römischen Zeit gemacht. Die Ausgrabungen sollen vier Jahre lang fortgesetzt werden. Vom April ab wird G. Reisner die Leitung der Expedition unternehmen. 183