Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Zur Erleichterung der Kolonisation
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gut erwerben. Aber auch dann ist der Gang der Kaufverhandlungen so schleppend, dass den einzelnen die Geduld reisst. Die Folgen sind dann sehr traurig. Die Leute sind mit grossen Hoffnungen hergekommen. Die ersten Eindrücke waren recht günstig und ermunternd. Man befindet sich offenbar in einer freien jüdischen Umgebung-. In dem Informatijonsu bureäu bekommt man die weitgehendsten Auskünfte. Alles ist da bis ins Kleinste klar berechnet. Bis zum tatsächlichen Erwerb eines Stückchens des ersehnten Bodens dauert es aber noch recht, recht lange. In der ersten Zeit laufen sie von einem Sachverständigen oder Vermittle!1 zum andern, ohne dass ihre Angelegenheit auch nur etwas fortschreitet. Sie machen dann die Rundfahrt durch die Kolonien, kommen nach Jaffa zurück und sind da zu einer Tatenlosigkeit verurteilt, die langsam aber sicher ihre mitgebrachte Begeisterung aufzehrt, und enttäuscht fahren sie nach Hause. Mit ihnen geht uns ein wichtiges Menschenmaterial verloren. Ist es doch gerade der Mittelstand, auf den wir die grösste Hoffnung setzen müssen, weil er sich ohne fremde Hilfe in der neuen Heimat niederlassen könnte, wodurch auch den Minderbemittelten der Weg geebnet wäre. Wenn aber diese Leute, ohne etwas ausgerichtet zu haben, zurückkommen, so werden dadurch viele andere entmutigt und die Privatinitiative in den Kolonisationsangelegenheiten wird erheblich gedämpft. Erklärung. Der Hilfsverein übersendet uns ein Communique, dem wir folgendem entnehmen: „In der Sitzung des Lokal.Komitees der Alliance Israelite Universelle am 23. Mai 1909 zu Berlin wurden vom Vorsitzenden folgende Worte gesprochen: „Sie wissen aus den Berichten des Hilfsvereins, dass diese Organi. sation, da sie im Orient kaum die Möglichkeit fand, eine Schule zu grün, den. sich gleichsam eine Spezialität aus den Kindergärten gemacht hat. In diesen Kindergärten unterrichtet man nur hebräisch, singt man nur zionistische. Lieder, sind die Lehrer alle oder fast alle Zionisten, die keinen /Wert darauf legen, die Kinder zu religiösem Sinn zu erzielen, sondern sich bemühen, aus der ihnen anvertrauten Jugend Zionisten zu machen. Das Hebräische ist für sie nur das Mittel zur Verbreitung national, zionistischer Ideen. WTeiss der Hilfsverein das nicht? oder mag er es nicht wissen? Es ist nicht meines Amtes, auf diese Frage zu antworten/' Demgegenüber beschränken wir uns, da wir im Interesse der jüdischen Sache bemüht bleiben, eine Polemik mit anderen jüdischen Ürgani. sationen zu vermeiden, auf folgende Erklärungen: „Die hebräische Sprache dient in den Kindergärten des Hilfsvereins als Unterrichtssprache, weil sie bei den vielsprachigen Elementen die gegebene einheitliche Unterrichtssprache ist. Es ist dies eine pädagogische Notwendigkeit, der sich niemand verschliessen kann, der die Verhältnisse 174