Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die deutsche Chaluka [Nachricht]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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jähre ein ungarischer Rabbiner, Dr. Horovitz, hierher gesendet, de^ aber ein sehr hartes und undankbares Arbeitsfeld gefunden hat. Mit dem ersten Tage seiner Hierherkunft, hatte er aus den von der Chaluka bisher so grosse materielle Vorteile ziehenden Kreisen eine geschlossene Opposition zu erfahren, die sein Wirken in der von der Chalukaverwaltung in Aussicht genommenen Richtung einfach illusorisch machte. Jetzt bewegen die deutschen Chalukanehmer Himmel und Erde, um sich von dem holländischen Comite zu trennen und als ächte „National-Deutsche" sich selbständig zu machen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass alles Flickwerk bei der Chalukähfrage nichts hilft und dass es nur einen Ausweg gibt, um aus der Verlegenheit herauszukommen, dass man nämlich so, wie es der Korrespondent schon vor Jahren in einem an den Bradforder Rabbiner, Dr. Strauss, gerichteten und von diesem in dem Londoner „Jevvish Chronicle<£ veröffentlichten Briefe betont hat, die Chalukah aller Länder durch eine gemeinsame Konferenz und ein gemeinsames in Jerusalem und anderen grösseren Orten Palästinas unterhaltenes Bureau regelt, wodurch alle einseitigen Sohderbestrebungen und Einflüsse von Gemeinden, Parteien, Cliquen und einzelnen Personen allein wirkungsvoll paralysiert würden. Mit den bedeutenden Ausgaben, mit denen das deutsch-holländische Bureau unterhalten wird, hätte schon für die Allgemeinheit viel geleistet werden können. Die Genickstarre in Jerusalem. Bei einer Einwohnerzahl von gegen 80 000 Seelen, wollen die bis jetzt konstatierten Krankheits. und Todesfälle (15) nicht sehr viel sagen. Gewiss lassen die sanitären und hygienischen Verhältnisse in den Strassen, in den Häusern und Familien noch viel zu wünschen übrig. Aber die Schuld liegt nicht an dem Jerusalemer Klima, welches gegenüber vielen anderen Orten entschieden Vorteile aufweist, sondern an dem MangeJl obrigkeitlicher und polizeilicher Initiative, häuslicher Belehrung, Aufklärung und Anleitung. Uebrigens ist die Krankheit im Erlöschen. Besuch. Eben weilt hier der Rabbiner der Reform-Gemeinde in Indianapolis Ind., Dr. Messing mit Frl. Tochter Dr. Messing, der mit seinem1 hellen Jacketanzug, seinem glatt rasierten Gesichte ein wenig „pastorales'1' und rabbinisches Aussehen hat und in dem christlichen Grand New-Hotel, wo vor ihm Herr Jak. Schiff aus New-York logierte, abgep. stiegen ist, sieht sich, trotzdem er keine Pejes, Zizitz und Kaftan trägt und träve isst, täglich von einer Anzahl streng orthodoxer Gabbonim und Talmud Thoravorsteher belagert, welche ihn wohlbewusster Absicht zu einem Besuch ihrer Anstalten zu bewegen suchen. Und Herr Dr. Messing hat für jeden dieser „Glaubensbrüder" die in Denkweise, Lebensanschauung und Lebensweise so himmelweit von ihm verschieden sind, ein freundliches Wort, ein offenes Herz, und auch eine milde offene Hand. Für ein wenig besseres gegenseitiges Verständnis, für den geistigen, sozialen und religiösen Fortschritt wäre es höchst wünschenswert, wenn auch die 149