Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Männer-Irren-Anstalt in Jerusalem
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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und ertranken oder ihrem unerträglichen Dasein freiwillig ein Ende machten. Um der immer, grösser werdenden Not und Schmach zu steuern, mieteten sie aus eigenen Mitteln ein Haus und nahmen die armen, beklagenswerten Irren von der Strasse weg, um ihnen so viel als möglich eine geordnete] leibliche und geistige Pflege angedeihen zu lassen. Dass für die allseitige Erfüllung des Zweckes des Hauses in gar mancher Hinsicht zu wünschen übrig bleibt, ist leider Tatsache und fühlen es die Leiter der Anstalt selbst am allerbesten, da sie mit Schulden arbeiten und bis dahin nur geringe Unterstützung von auswärts gefunden haben. Nichtdestoweniger muss aber das schwarze abschreckende Bild, welches Bath Zizchak in tendenziöser Absicht von der Anstalt entworfen hat, als höchst übertrieben und der Wirklichkeit widersprechend bezeichnet werden. Die Lage der Anstalt, dre Geräumigkeit und Reinlichkeit der Zimmer und die hygienischen Anforderungen an Luft und Licht geben zu keinerlei Ausstellungen! Grund. Wenn man die Wohnungsverhältnisse eines grossen Teils der Jerusalemer Bevölkerung in Betracht zieht, kann man sogar sagen, dass die Irren in idealer Weise untergebracht sind. Dass bei den knappen Mitteln für die innere Einrichtung des Hauses und die Lebensweise der Kranken möglichst Einfachheit geboten ist, lässt sich leicht begreifen, doch sind dieselben in dem Hause immerhin hundertmal besser daran als früher, wo sie bei Sonnenbrand und Regensturm, bei Wind und Wetter hungrig und entbl'össt, unbeaufsichtigt und schutzlos Tag und Nacht auf den Strassen und Gassen herumliefen und auf der Erde liegen mussten. Dass die Kranken wie Bath Jizchak behauptet, als tägliche Mahlzeit lediglich Brot und Rettich erhalten, ist eine Entstellung der Tatsachen. Die Insassen haben jeden Tag warme Küche, und besorgt dieselbe eine in der Anstalt wohnende Köchin. Des Morgens erhalten sie Thee und Brot, des Mittags zweimal in der Woche Fleisch, sonst Suppen, Bohnen, Erbsen, Linsen und Gemüse, am Abend gibt es wieder Thee und Brot und Zulage. Das ist der Speisezettel wie er hier im allgemeinen in allen Anstalten üblich ist, selbst, wenn sie über weit höhere Einkommen verfügen als die Männer-Irrenanstalt, Was aber schliesslich die von Bath Zizchak behauptete und mit solch grässlichen Farben ausgemalte Züchtigung der Kranken mit Knütteln betrifft, so wird ein derartiger Vorgang von dem Vorstand ganz entschieden in Abrede gestellt. Möge die Männer- Irrenanstalt aus dieser Debatte wenigstens den Gewinn ^i^en, dass sie durch dieselbe immer weiteren Kreisen bekannt wird und allgemeinere Unterstützung findet. Die deutsche Chaluka. In den Jerusalemer deutschen Chalukakreisen brodelts. Die Verwaltung der deutsch-holländischen Chaluka hat bekanntlich auf fortgesetztes Drängen, besonders aus zionistischen Kreisen, den Entschluss gefasst, bei der Chalukaverteilung Reformen eintreten zu lassen. Wohlhabenden Familien soll die Unterstützung ganz entzogen werden und dieselbe nur wirklich bedürftigen Familien und Personen zugewendet werden. Um diese ins Auge gefassten Reformen in die Wege zu leiten, wurde im vorigen 148