Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension] / M. M.
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2379786-2379815-2379821--02487-2382470- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
in Jerusalem bildet tüchtige Arbeiter aus, die namentlich von den Kongregationen Arbeitsaufträge erhalten. Ueber die Ackerbauschule in Mikweh, die in allem einen vorzüglichen Eindruck macht, könnte lediglich ein Sachverständiger ein Urteil fällen. Ich bemerke nur, dass die ausgebildeten Zöglinge, die dem Ackerbau treu bleiben wollen, sich zum grössten Teil — sehr zum Bedauern der A. — genötigt sehen, auszuwandern, weil in Palästina und den angrenzenden Ländern ihre Unterbringung nur ausnahmsweise gelingt. Aehnlich geht es zumeist auch den Söhnen der jüdischen Kolonisten in Palästina. — Die Mädchenschulen sind fast durchweg besser als die Knabenschulen. Interessant ist es, dass der Oberrabbiner in Saloniki, Jakob Meir, der sich für einen freisinnigen Mann ausgibt, unter Berufung auf den Schulchan Aruch den Unterricht von Lehrerinnen an Knaben nur bis zu 8 Jahren, nicht aber darüber hinaus gestatten will. — Eine schlechte Schule ist besser als keine und eine schlechte Allianceschule ist weit besser als eine Talmud.Thora-Schule, wo die Kinder körperlich ohne Ausnahme, geistig m der Regel verkümmern und besser als manche dortige christliche Schule, von der man behaupten kann, dass Intoleranz vielleicht der einzige Gegenstand ist, der mit gutem Erfolg beigebracht wird. — Jüdische Geschichte als Unterrichtsgegenstand ist von den Alliance.Schulen zuerst eingeführt worden, und alle anderen israelitischen Schulen im Orient sind diesem Beispiel gefolgt. — Was den Unterricht der Mädchen anbetrifft, werden im Orient auch jetzt noch, ausser dort, wo der Zionismus die hebräische Sprache zu neuem Leben und neuer Bedeutung" emporzubringen sich bemüht, die Mädchen gerade bei den strengfrommen Sephardim möglichst wenig zum Hebräischlernen angehalten, ja sogar absichtlich davon ferngehalten. — In der Regel fanden wir den hebräischen Unterricht dort gut, wo die ganze Schule gut war, und umgekehrt. Manche Alliance;- schule erreicht schon jetzt im Hebräischen mit weit geringerem Zeitaufwand so gute Durchschnittserfolge, wie manche Talmud-Thora-Schule mit 5—6 Stunden hebräisch täglich. Wo der hebräische Unterricht zu wünschen übrig lässt, liegt die Schuld an den. ungeeigneten pädagogisch ungeschulten Lehrkräften, den Rabbinern alter Schule, denen nach hergebrachter, feststehender Sitte der hebräische Unterricht in den Gemeinden des Orients anvertraut wird und vorerst nicht aus den Händen genommen werden kann. Die Zionisten, die sich wiederholt bei uns beklagten, dass der hebräische Unterricht an vielen unserer Schulen im Zuschnitt verdorben, in seiner Me. t h o d e v e r f eh 11 und verkehrt sei, haben in diesem Punkte unstreitig recht. Sache der Alliance wird es sein, hierin eine Besserung anzubahnen und allmählich herbeizuführen. Viele, die das Hebräische vorzüglich zu unterrichten imstande wären, sind nicht jüdisch-religiös und suchen in der hebräischen Sprache nicht sowohl ein Mittel religöser Vertiefung, als vielmals ein Mittel nationaler Erhebung.; Sie kommen daher als Hebräisch.Lehrer für unsere Schulen nicht in Betracht.— DieArhncc, im Dicrstc des jüd:s"h.rel:giösen Gedankens stehend, kann nicht und wird nicht sich dazu hergeben, dem jüdisch-nationalen; 127