Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Organisation der Judenheit in Palästina [Nachricht]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Frage geworden. Auf der Tagesordnung steht zuerst die Einrichtung von kompetenten Gemeinderäten in den Städten („Wood ho'ir"), und dann die Vereinigung alLer „Woodim" der Städte und Kolonien, m eine Gemeinschaft. Dabei sollen die Differenzen unter den verschiedenen Gemeinden, Sephardim und Aschkenasirn, aufhören, damit alle Elemente des ,,Ischub" an der allgemeinem Arbeit teilnehmen könnten. Zu gleicher Zeit soll bei der Organisation eine jüdische Kommission fungieren, an deren Spitze ein mit den Landesgesetzen und -Sprachen vertrauter Jurist treten wird. Diese Kommission, Rechtsrat" genannt, wird der Organisation im Allgemeinen;und einzelnen Gemeinden resp. Privatleuten in Angelegenheiten allgemeinen Charakters, zur Seite stehen. DiePassfrage. Die Passfrage steht ebenfalls auf der Tagesordnung und viele warten ungeduldig auf ihre Lösung. Die Sache besteht bekanntlich darin, idass den jüdischen Einwanderern lihne Pässe genommen und statt derselben rote Zettel geliefert werden, die zum dreimonatlichen Sitz im Lande berechtigen. Dieser rote Zettel ist ein wahres Schandzeichen speziell für die jüdischen Inamigranten aller Länder geworden und hat viel Anlass ziu;Miss!bräuchen seitens der lokalen Behörden gegeben. In der Wirklichkeit ist aber diese gegen Massenimmigration gerichtete Regel — der rote Zettel — eine Fiktion, die die Einwanderung der letzten Jahre keineswegs hindern konnte; und das anerkenjnen auch die höheren lokaLen Behörden, darunter insbesondere der neue Gouverneur von Jerusalem Zobhi-Bey. In seinem Gespräche mit dem Redakteur des „Hazewi" hat der Mutessarif erklärt, er begreife die Unnützigkeit des roten Zettels und er werde der zentralen Regierung die Abschaffung des-, selben vorschlagen. — Hoffentlich wird die Frage baldigst erledigt werden und somit werden die Einwanderungsbegrenzungen, gegen Juden, die seit ca. 15 Jahren existieren, verschwinden. LITERATUR Das heutige Palästina. Ein Reisebericht von Jean Fischer. Verlag der „Hatikwah", Antwerpen. 1908. 122 Seiten. Düstere Bilder sind es, die der Autor uns hier schildert. Aber von Zeit zu Zeit den hochgetürniten Stei;nwall grimmiger Hindernisse , auf welche die Zurückgewinmmg unserer heimatlichen Erde stösst, lebhaft vor sich erstehen zu lassen, hat den hohen Wert einer zielstrebigen Kräfteanspannung: unbefriedigt von der Unzulänglichkeit des Geschaffenen wendet sich das Auge ernst und mit Scharfblick dem Unvollendeten, Ungeborenen entgegen. Das Buch hinterlässt das Gefühl, eine Tragödie gelesen zu haben. Aber welches Werk eines unermesslich begabten und deshalb so unendlich unglücklichen Volkes könnte ohne tragödischen Hintergrund und gross zugleich sein? Es gibt keine Tiefe, die nicht tragis.ch wäre. 79