Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Selbstverwaltung [Nachricht]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Uebertritt und somit zur Teilnahme am politischen Leben des Landes zu bewegen. Von der anderen Seite aber darf ein massenhafter Uebergang: zum Ottomanentum nicht übereilt werden. Es wird von mancher} jüdischen Kreisen behauptet, dass dem Eintritt in da,s „türkische Bürgertum die Gründung einer starken Organisation ottomanischer Juden yorantreten muss. Die Ausländer sind zu lange an die Desorganisation und Willkür der türkischen Behördein einerseits und an die Protektion der Konsulate gewöhnt, um mit einem Male ohne Bedenken türkische Untertanen zu werden. Vom wirtschaftlichen Leben. Handelskammer. Ein Schritt vorwärts auf dem Wege der Entwicklung des Wirtschaft liehen Lebens ist zu verzeichnen, derselbe besteht in der neulich stattgehabten Gründung einer Handelskammer in Jerusalem. Man muss die schwache bisherige Organisation des Handels im Lande kennen,, um die Bedeutung einer kompetenten Handelskammer genügend schätzen zu können. Es ist eine Institution, die grossen Einfluss auf die Hand eis Verhältnisse halben wird, um desto mehr, als sie vom Gouverneur stark gefördert wird. Es ist bezeichnend, dass fast die Hälfte der Mitglieder der neuen .Kammer jüdische Kaufleute sind. Sie werden auf der allgemeinen Versammlung der grösseren Kaufleute und Gewerbetreibenden Jerusalems gewählt. Dieser Falü ist charakteristisch für die Verhältnisse in Jerusalem, wo die Juden eine bedeutende Rolle schon heute spielen. Es lassen sich daraus Konsequenzen ziehen die von allgemeinem Interesse für uns sind, Jerusalem soll nämlich nicht wie bisher vernachlässigt werden: in dieser Stadt kann und muss, bei der sich entwickelnden städtischen Selbstverwaltung, die jüdische Bevölkerung eine wichtige, ihrer Anzahl entsprechende Stellung bekommen. Dazu gehört aber zuerst die Vermehrung der ottomanischen Untertanen unter den Juden und die Verbreitung der Kenntnis der Landessprachen,- der arabischen ähd türkischen, in und ausser der Schule. Eine Municipalität in Jerusalem mit jüdischer Majorität würde dann eine ganz natürliche Erscheinung sein. — Societe Commerciale de P a 1 e s t i n e. Die neue Ordnung in der Türkei und das (neu entstandene politische und gesellschaftliche Leben in Syrien und Palästina hat die Anregung zur Gründung dieser Gesellschaft gegeben. Die „Societe Commerciale" ist eine vorwiegend arabische; ihre Gründer sind bestrebt eine grosse Handelsgesellschaft zu schaffen, die selbständig und von europäischein Einfiuss frei sein würde. Das Programm1 ist: Bankgeschäft, Handel und Commission, Erlangung von Concessioiien auf verschiedenen wirtschaftlichen Unternehmungen in Palästina, Emmission von Wertpapieren u. s. w. Das Kapital der Gesellschaft soll, nach dem Statute, 25 000 türk. Pfund betragen, in 12 500 Aktien zu je 2 Pfund eingeteilt. Die Gesellschaft konstituiert sich endgiltg, sobald alle Ak- 71