Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus einem Brief von Rabb. Dr. Sagher
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
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Familie berechnet habe, denn nicht an Grossgrundbesitzern und Bojarenjuden darf bei der Begründung einer wirklichen Landbevölkerung gedacht werden. Der Durchschnitt der obigen Familien besitzen kleine Kapitalien mit 2000—3000 M. Um aber von vornherein mit sorgenlosem Kopf a*n die Arbeit zu schreiten, habe ich mich entschlossen, mit den massgebenden Freunden E. I. diesbezüglich in Tratative zu treten. Zunächst werde ich, wie Professor Warburg mir schreibt, nach Paris gehen, wo ich mit der Palestine-Commission eventuell mit Edm. v. Rothschild dieses Projekt durchberaten und suchen will, durch sie den notwendigen langfristigen Kredit zu erhalten. Zu welchem Behufe ich auch mit den anderen Interessenten und interessierenden Kreisen in Berührung treten will. Das ist in Kürze das Wünschenswerte. Wenn es Ihnen angezeigt scheint, können Sie einen kleinen Auszug dieses Sachverhaltes vieröffentlichen um so vielleicht manche Interessenten mit der Angelegenheit bekannt zu machen, die möglicherweise der Sache dienen und nützen könnten. * * * Prediger und Dr. Phil. Kieferndorf bittet uns, bezügl. unserer Aeusserung im letzten Hefte des 5. Jahrg., dass er Juden entstamme, zu berichtigen: Herr Kieferndorf, dessen Plan der Errichtung eines Schwesternheims in Jerusalem wir schon damals (S. 222) den zuständigen Kreisen warm empfahlen, weiss nicht mit Bestimmtheit, ob er von Juden stamme. Er ist in einer pfälzischen Mennonitengemeinde geboren, die in ihren Anfängen und Ursprüngen dem Judentum sehr nahe steht. (Vgl. Dr. Blochs „Oesterreichische Wochenschrift Nr. 32, Jhrg. 1906".) In Bezug auf das zu gründende Schwesternhaus teilt uns Prediger Kieferndorf mit: Der Zustand der allgemeinen Krankenpflege ist bei dem gänzlichen Mangel an ausgebildeten Pflegeschwestern hier zu Lande überaus beklagenswert und kaum erträglich, Namentlich leidet aber unter diesem grossen Notstand die jüdische Bevölkerung, welche dadurch leicht eine gesuchte Beute der Mission wird. Nicht durch ihre Predigt und Sehriftenverteilung, wohl aber durch ihre gut organisierte und vielgerühmte Hospital- und Privatkrankenpflege hat die Mission heute nicht nur auf den armen, sondern auch den besser situierten Teil der jüdischen Bevölkerung einen wachsenden Einfluss gewonnen. Für die praktische Palästinaarbeit gibt es darum augenblicklich keine wichtigere und dringendere Aufgabe, als die Aussendung von Pflegeschwestern für die Spitäler und ganz besonders auch für die Privatpflege, für welche besser situierte Familien und 46