Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Von den Ärzten
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nicht so der Jude. Wirtschaften und Gendarmerien waren jahrzehntelange — und sind es glücklicherweise noch heute! — unbekannte und überflüssige Institute. Die Juden, die sich angeblich nicht vertragen sollen, leben seit einem Menschenaltei ohne Schutzmann, ohne Arrestlokal in vielen Dörfern eng, enger wie im Golus und exklusiver, zusammen. Aber des Arztes kann der Jude nicht entraten. „Für seine Gesundheit ist ihm nichts zu teuer", wie die Redensart lautet. Man wird diesen jüdischen Zug, den wir auch im Golus studieren können, hier am freien Volkstum besser beobachten. Selbst kleine Dörfer haben ihre Apotheken, ihren Doktor, wenigstens einen Feldscher, der oft eine gewisse Erfahrung besitzt und für alle Notfälle Hilfe leisten kann. — Der jüdische Arzt in Palästina bietet auch interessante Erscheinungen. Im Norden der beste hebräische Lyriker als Medizinmann unter Bauern. In Jerusalem gut deutsche Juden, die aus religiösen Gründen den Rhein mit der Jordan'snähe vertauschten, oder ein Mann wie Dr. Weisz, der ein Führer der Zionisten stets war und Ussischkin einst bei seinen grossen Plänen der Einigung der einheimischen Juden unterstützte, Dr. Hillel Joffe, auf den wir noch zurückkommen werden. Wir können schwerlich alle nennen, und weisen nur aui Dr. Chissin hin, der einst als Student schon auszog, um die Kolonien zu gründen, auf den alten Herrn der „Kadimah" einer Studentenverbindung in Wien, der in Rischon wohnt. Aber bevor wir die bunte Menge verlassen, müssen wir noch des erst kurz dahingeschiedenen Dr. Kohan gedenken, der nach den furchtbaren Progroms in Russland die Selbstwehr schuf, den in die Tat umgesetzten Gedanken der Selbstemanzipation, des Mannes, der, nach Palästina übergesiedelt, auch hier sich ein monumentum pereniius setzte, wie er die Turnbewegung gründete, um ein kräftiges, junges Geschlecht heranzubilden. Die älteren Aerzte haben meist an westeuropäischen Hochschulen studiert, von den jüngeren absolvieren manche — Söhne von Juden des Landes — das amerikanische College in Beirut, wo ihre Ausbildung viele Wünsche zu erfüllen übrig lässt. Spezialisten gibt es im ganzen Lande nur wenige. Der Bedarf an Aerzten ist sonst kein irgendwie nennenswerter. Sie finden besonders an den von Europa aus unterstützten. Hospitälern auskömmliche Stellungen. Auch sonst ist ihre pekuniäre Lage keineswegs eine schlechte. Interessant ist die türkische Auffassung von der Kurierfreiheit Darnach darf jedermann „doktern". Doch nur der in der Türkei approbierte Arzt ist nicht haftbar, während der fremde Arzt oder der Pfuscher stets vom Patienten, der sich falsch behandelt glaubt, auf Schadenersatz verklagt und hiezu verurteilt zu werden gewärtig sein nmss. Deshalb ziehen es 41