Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 6 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Am Toten Meere
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Prof. D. Dr. G. Dalman, Jerusalem: Am Toten Meere.*) ^j^^ie Sonne ist im Untergehen. Von einsamer Warte auf einem ymßm Ruinenhügel am sei ed-dra oberhalb der Halbinsel des Toten Meeres schweift der Blick zunächst über eine mattgrüne Fläche, auf welcher einzelnstehende Akazien ihre sonderbaren platten feinblättrigen Kronen wie Schirme aufspannen. Ein breitabgeschnittener Hügel, der tell-ed-dra', erhebt sich dahinter als letzter Zeuge eines ehemals bewohnten Landes, das dann allmählich in die weisse zerrissene Kalköde der Halbinsel übergeht. Links, auf der sich zum Südbecken des wSees senkenden Fläche, verdichten sich die Akazien zu einem von hier aus zusammenhängend scheinenden Wäldchen. Hinter ihm, unmittelbar am Strande, ragt eine Galerie gewaltigen Schilfes mit schwankenden Wedeln. Rechts eilt der Blick über die Schlucht: des nahen Baches von ed*dra' mit ihrem Gebüsch von Oleander, Euphratpappel, Weide, Schilf und einzelnen stammlosen Palmen nach der grünen Bewässer'ungsflur von el-mezra' an der langen Bucht zwischen dem Ostufer des Sees und der Nordzunge* der Halbinsel. Dahinter steigt eine graue zackige Bergwelt gewaltig in die Höhe, von der Sonne mit lebhaft gelben Lichtern bemalt. Jenseits des Sees, den man in seiner vollen Länge überschaut, erhebt sich wie eine mehrfach durchbrochene Wand die judäische Wüste in einem bräunlichen Violett, welches die zum See abfallenden Schluchten mit feingeaderten dunkleren Streiten durchziehen. Die Oase von 'en dschidi gegenüber ist als ein kleiner Fleck mit mattgrünem Einschlag in das violette Gewebe nur eben erkennbar. Nach Süden zu senkt sich die westliche Bergwand. klar zeichnet sich ab die breite, niedrige Masse des Salzberges von sudum. Gegen ihr Dunkel kontrastieren die hellblauen Linien des ebenen Geländes am Südcndc des Sees, der Salzsteppe der sebcha und der sie umsäumenden Mergelbank der beginnenden 'araba. Zwischen dem vorwiegend weissen, gelben, grauen und braunen Diesseits und dem violetten Jenseits ruht der See lang hingestreckt wie ein norwegischer Fjord, in glänzendem Hellblau. Einige dunklere Streifen ziehen über die weite, stille Fläche, die kein Segel, kein Boot belebt. Jetzt sinkt die Sonne hinter die westlichen Berge. Die Wasserfläche verliert ihren hellen Schimmer; aber orangefarben breitet sich der Himmel über die dunkle Bergwand. Erst weiter oben geht die grelle Farbe in ein durchsichtiges Hellblau, dann in der Flöhe in ein Dunkelblau über, das schon die Schatten der Nacht verkündet. Eine einzige Wolke ist sichtbar. Sie lagert nebelartig im fernen Nordwesten über der Gegend von Jerusalem und Bethel. Bald wechseln die Farben in der Landschaft. Das Orange des *) S. unter Literatur (Palästinajahrbuch). 22