Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Innere Kolonisation in Deutschland
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379838-2379840-2381868--03400-2381939- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Kredits für die Kolonisationstätigkeit zum Gegenstande haben, vor allem das Gesetz über Rentengüter beachtenswert ist. Die Form des Rentengutes war und blieb die vorherrschende bei der inneren Kolonisation. Der Grundgedanke des Rentengutes ist der, eine Wirtschaft nicht um eine einmal zu bezahlende Kaufsumme, sondern gegen eine durch eine lange Reihe von Jahren (meist 50 - 60) zu entrichtende kleine Rente abzugeben. So wurde es Leuten mit verhältnismäßig geringfügigen Mitteln ermöglicht, kleine Wirtschaften zu erwerben. Hiebei wird der Erwerber seitens der staatlichen Rentenbanken mit Kredit unterstützt. Im ersten Jahre hat er überhaupt nichts zu bezahlen und was der Erleichterungen mehr sind. Dagegen ist natürlich das Recht auf Veräußerung der Rentengüter sehr beschränkt. Details können hier nicht gegeben werden. Wir verweisen diesbezüglich auf die umfangreiche Literatur, insbesondere auf die Bücher von Bel^ard, Scring und Metz, und auf das „Archiv für innere Kolonisation". Eine kurze, vorzügliche Zusammenstellung gibt A. Breuning: Innere Kolonisation in Teubners;,Aus Natur und Geisteswelt". Zu dieser Kolonisationsarbeit muß auch jene gerechnet werden, die auf Besiedlung von Mooren und Oedländereien zielt und die heute in Deutschland einen großen Umfang angenommen hat. Einige Ziffein mögen die geleistete Arbeit illustrieren: Die „Ansiedlungskommission" für Westpreußen und Posen, deren Kapital 350 Millionen Mark ist, hatte von 1886 — Ende 1909 663 Güter und 514 bäuerliche Wirtschaften angekauft, mit einer Gesamtfläche von 375.054 ha. Sie hat darauf in über 300 Dörfern rund 16.529 Personen mit 122.000 Köpfen angesiedelt. Die typische Besitzform ist das Rente ngut. In den Generalkommissionen waren 1891 — 1907 12.495 Rentengüter mit einer Gesamtfläche von 151.035 ha ausgelegt. In Mecklenburg wurden seit 1846 10.500 neue ländliche Siedlungen auf Domänialbesitz kolonisiert usw. Hand in Hand mit der Kolonisationsarbeit geht eine planvolle soziale Fürsorge seitens der staatlichen und gemeinnützigen Ansiedlungsgesellschaften für die neuen Kolonisten. Belehrungen durch Wanderlehrer, Regelung des Schankgewerbes, Jugendfürsorge etc. Die innere Kolonisation in Deutschland und speziell in Preußen stellt heute einen gewaltigen Komplex sozialer und wirtschaftlicher Arbeitsgebiete dar. Mitten im eigenen Lande werden planmäßig und nach allen Regeln der Wissenschaft Neuansiedlungen geschaffen. Kein Kolonisator kann an den dabei gemachten Erfahrungen vorübergehen. Aus ihnen kann man auch dann, wenn es sich um durchaus andere Voraussetzungen handelt, vieles lernen. Die PLDC. wurde genau nach jener Methode errichtet, welche sich in Deutschland durchaus bewährt hat und macht sich die Erfahrungen zu eigen, welche in mehr als zwei Jahrzehnten daselbst gemacht wurden. \ Hebräische Inschriftenfunde. In Sebaste, an der Stelle des alten Schom'ron (Samaria) wurde, wie die Vierteljahresschrift in Pal. Expl. Fund mitteilt, von Prof. Reisner, der dort im Auftrage der amerikanischen archäologischen Gesellschaft die Ausgrabungen leitet, eine interessante Entdeckung gemacht. Es wurde nämlich neben den Mauern eines großen Gebäudes, das als ein Palast aus der Zeit der Könige Omri und Ahab erkannt worden war, in den ältesten Schichten gegen 120 Bruchstücke von Töpfereigeiäten gefunden, welche hebräische Inschriften in schwarzer Farbe tragen. Gegen siebzig davon sind deutlich lesbar »nd stellen Geschäftsquittungen dar über Oel, Wein und die Entlohnung von Eilboten. Es werden dabei einige 26