Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Wildwachsende Getreidearten in Palästina und Syrien
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 2)
- Language
- German
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sie eben abseits von aller Kultur und die entsprechende Varietät des Kulturweizens im ganzen Lande nicht vorkommt Diese Tatsachen erwiesen sich deutlich anläßlich einer weiteren Reise im Jahre 1907 sowie einer Expedition am Toten Meere im Jahre 1908. Ueberall zeigte sich noch die weitere Eigentümlichkeit, daß der" Urweizen fast überall zusammen mit der Urform der Gerste vorkam, so reichlich zwar, daß in manchen Gegenden der Eindruck ganzer Getreidefelder entstehen konnte. Daß in solchen Gegenden der Anbau seinen historischen Anfang nehmen konnte, erschien damit sehr wahrscheinlich. Nun finden sich auch in jenen altägyptischen Funden Gersten- und Weizenkörner meist eng untermischt, sodaß eben jenes gemeinsame Vorkommen nach Aaronsohns Meinung den Grund einer "ursprünglich gemeinsamen Kultur bilden könnte. Die Pflanze ist von sehr großer Fruchtbarkeit und gegeu klimatische Unterschiede sehr wenig empfindlich. Sie fand sich in einer Verbreitung von 100 bis 150 m unterhalb bis 1800 m oberhalb des Meeresspiegels. Diese Eigenschaften sowie die Tatsache ihres Vorkommens scheinen der Pflanze eine hohe weltwirtschaftliche Bedeutung zu sichern. (Bisher wurden in Poppelsdorf bei Bonn sow-e in Amerika Anbauversuche, teilweise mit bestem Erfolge, unternommen.) So könnten die veredelten Abkömmlinge des wilden Emmers (Produkte von Kreuzungen mit Kulturweizen) den Bereich des Getreidebaues auf regenarme, steinige Gebiete erweitern. Daß der Ursprung der Getreidekultur im Oriente zu suchen sei, schien auch in altägyptischen Legenden angedeutet, ja ein französischer Schriftsteller der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, wies auf Tiberias als jene Stätte hin, die in den Schriften des griechischen Schriftstellers Diodor bezeichnet sei. Auch der Roggen, der bisher als im Orient unbekannt betrachtet wurde, ist von Aaronsohn in der Nähe von Demaskus, wo eine Einführung aus, dem Okzident ausgeschlossen sei, aufgefunden worden sowohl in Kulturals in der wilden Urform. V Innere Kolonisation in Deutschland. Es waren ursprünglich rein national-politische Gesichtspunkte, welche in Deutschland zu der Ansiedlungsgesetzgebung geführt haben. Dem Vordringen des polnischen Elementes im Osten Preußens sollte dadurch ein Damm gesetzt werden, daß man deutsche Bauern in den Ostprovinzen auf parzellierte Großgüter ansetzte. Der politische Zweck ist nicht erreicht worden, denn auf polnischer Seite setzte eine gleich starke Kolonisationsbewegung ein. Aber es zeigte sich bald, daß dieSiedlungstätigkeit, vom rein wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkte betrachtet, großen Vorteil brachte. Es entstanden eine Anzahl neuer Bauerndörfer und Arbeiterstellen, die überall gutes Gedeihen zeigten und damit konnte in der Richtung der Betriebsintensivierung und Vergrößerung der landwirtschaftlichen Produktion, anderseits gegen die Landflucht vieles geleistet werden. Aus rein wiitschaftlichen und sozialen Gesichtspunkten wurde, wenn auch nicht direkt, mit staatlichen Mitteln, wie bei der Ansiedlungskommission für die Ostmark Preußens, staatlicherseits auch in den übrigen Provinzen durch Bildung von amtlichen Vermittlungs-, Aufsichts- und Beratungsorganen, den sogenannten Generalkommissionen der inneren Kolonisation große Hilfe geleistet. Die Träger derselben sind private Erwerbsunternehmungen (Landbanken), öffentliche Körperschaften (Kreise, Landschaften etc.), Genossenschaften, darunter auch solche von Arbeitern, und kombinierte Ansiedlungsgesellschaften, bei denen öffentliche Körperschaften und Genossenschaften miteinander kooperieren. Eine Reihe von Gesetzen wurde zu Gunsten der kleinen Ansiedlungen erlassen, von denen außer jenen, welche die Beschaffung billigen 25