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Palästina · 1911-01-01 · Heft 1-2 · p. Seite 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
8 (1911)
Issue
Heft 1-2
Article
Kineret
Date
1911-01-01
Page
Seite 14 (sequence 4)
Language
German
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nicht bei uns das Winterhalbjahr, von November bis Mai, genau so arm an Vegetation wie in Palästina die Sommerhälfte von Mai bis November? Der deutsche Landwirt pflegt, wie bekannt sein dürfte, im Sommer Heu zu machen zwecks Ernährung des Viehs im Winter. Die deutschen Kolonien bei Jaffa bauen Klee und Wicken (natürlich unbewässert) auf dem Acker und machen davon Heu für den Sommer. Warum sollte dieses einfache Verfahren nicht in ganz Palästina möglich sein? Warum sollte nicht auch so manches Weidestück zur Heugewinnung für die regenlose Zeit dienen können? Die Einführung einer geregelten Stallfütterung für die weidarme Zeit würde allenthalben in den jüdischen Kolonien Palästinas einen Aufschwung bewirken, der noch um vieles größer wäre als der Aufschwung, den seinerzeit die geregelte Stallfütterung für die deutsche Landwirtschaft gebracht hat. Bei planmäßiger Düngung würde der Boden Palästinas überall, wo er für den Ackerbau, seiner physikalischen Beschaffenheit nach, günstig ist, Erträge geben, die mit denen der fruchtbarsten Landstriche der Welt konkurrieren könnten. Neben dem eigentlichen Ackerbau, der Milchwirtschaft und der Geflügelzucht, werden in Kineret auch Spezialkulturen mit Bewässerung gepflegt. Eine Bewässerungsanlage entnimmt dem Tiberiassee stündlich 70 Kubikmeter Wasser zur Anfeuchtung von etwa 120 Morgen Land, wo Gemüse, Luzernenklee und Baumwolle kultiviert werden sollen. Wir sind ja hier im subtropischen Klima, das der Jordansenke eigen ist, und es können hier so ziemlich sämtliche Früchte gedeihen, die man pflegen will. Auch die natürlichen Bedingungen für eine Olivenpfanzung, welche die P. L. D. C. im Auftrage der Dessauer israelitischen Gemeinde anlegen soll, scheinen günstig zu sein. Wer Vogelleben beobachten will, muß zur Frühjahrszeit hier am Jordan verweilen. Diese Menge von Störchen, Reihern, Flamingos, Adlern usw., die man gleichzeitig sieht, würden zur Versorgung aller zoologischer Gärten der Welt ausreichen. Nachdem wir an der einfachen aber kräftigen Mahlzeit der Arbeiter von Kinereth teilgenommen, ritten wir, immer von diesem Vogelleben begleitet, den Jordan hinunter zu den jüdischen Bauern der I. C. A.-Kolonie Milhamie, wo wir ähnlich günstige Verhältnisse antrafen, wie in dem jungen, zukunftsfrohen Kineret. \ Die Siedlungsgenossenschaft. Der lebhaften Energie Franz Oppenheimers im Vereine mit dem Interesse an. seinem großangelegten Siedlungspinne ist es gelungen, den zur Unternehmung des siedlungsgenossenschaftlichen Versuches notwendigen Fonds aufzubringen. Es sind bereits über 1C0.000 Mark gesammelt worden, also mehr als das Minimum, das als zur Unternehmung des Versuchs notwendig angesetzt wurde. In einem leitenden Artikel der „Welt" spricht Oppenheimer seine volle Befriedigung hierüber aus, zugleich mit 14

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