Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 8 (1911)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Kineret
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ziger Kräuter und Blüten bedeckt, der bei jedem Sonnenblick in Millionen Tauperlen aufleuchtet. Wie üppig sind diese Weidegründe von Galiläa! Besonders fallen die vielen nahrhaften Leguminosen auf, die den Boden fortgesetzt mit Stickstoff der Luft anreichern. Wo das Land einigermaßen gerade Flächen bietet und sich die Steine entfernen lassen, entsteht hier ein Ackerboden, der an natürlicher Fruchtbarkeit seinesgleichen sucht. Heute dienen diese Striche zusammen mit den feindseligen Abhängen (die auch bei besserer Kultur prädestiniertes Weideland bleiben) den Beduinen als Nahrungsfläche für Kamele, Pferde, Esel und Kleinvieh. An mehreren solcher Beduinenlager kamen wir vorbei. Diese Nomaden ziehen über den Jordan, wenn jenseits desselben ihre Weide zu vertrocknen beginnt, und betrachten es, wie die alten Midianiter, gleichsam als Naturrecht, daß ihnen der Ackerbauer im Notfall auch seine Felder zum Abweiden überläßt. Aber, was der Fellache gedankenlos als Schicksal hinnimmt, dulden die jüdischen Kolonisten keineswegs. Das fühit zu harten Kämpfen. Seht die braunen Beduinenwächter, die dort oben im Grase lagern und, die Flinte im Arm, mißtrauisch den Reisenden beobachten. Möge bald die Zeit kommen, wo sie der Wüste, der sie entstammen, für immer zurückgegeben werden! * * * Unser Ziel ist zunächst die von der Palestine Land Development Company gegründete Farm Kineret, die nicht allzu weit vom Ausfluß des Sees Genezaret in den Jordan liegt, also auch ziemlich nahe an Semach, einer Station der Hedjasbahn. Neben dieser Farm besteht eine kleine, von der I. C. A. gegründete Kolonie. Die Farm selbst aber bildet einen in sich abgeschlossenen Betrieb; ihre hohen, weißen Mauern, das starke, eiserne Tor zeigen, daß man hier nie vor Beduinenüberfällen sicher ist. Nachdem ich vorher, an anderen Orten, mancherlei Betriebe, besonders aus der Rothschildschen Zeit, gesehen hatte, deren Anlage nicht auf großes Sachverständnis schließen ließ, fand ich in Kineret einen in seiner einfachen Sachlichkeit wohltuend berührenden Wirtsschaftshof, dessen einzelne Teile, bis zum Geflügelhaus, recht zweckmäßig, vor allem ohne überflüssigen Luxus, angelegt scheinen. Der Wirtschaftsleiter, Herr Bermann, war leider auf Reisen, und so zeigten mir der Hofmeister, der einzige verheiratete Mann in dem ganzen Betriebe — wie ich mich zu erinnern glaube — und sein Sohn die Einzelheiten der Wirtschaft. Das Nutzvieh befand sich zur Zeit auf ferner Weide, das Pferdematerial schien recht gut, auch in ordentlicher Verfassung. Kineret soll eine Lehrfarm für junge jüdische Arbeiter, besonders Russen, sein, die nach ihrer praktischen Ausbildungszeit angesiedelt werden. — Ein in dieser Richtung liegender Versuch ist bereits mit der Arbeiter-Genossenschaft Undjuni gemacht worden, der jenseits des Jordan etwa 400 Morgen zur genossenschaftlichen Bearbeitung übergeben wurden. Diese Genossenschaft hat bereits im ersten Jahre ihres Bestehens einen ganz hübschen Gewinn erzielt, so daß das Experiment wohl auf breiterer Grundlage wiederholt werden dürfte. — Es war gerade ein Ruhetag, und die jüdischen Arbeiter der Farm waren in ihrem Aufenthaltsraum versammelt. Einer von ihnen las aus 12