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Palästina · 1907-09-01 · Heft 9-12 (September 1907) · p. Seite 316

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
4 (1907)
Issue
Heft 9-12 (September 1907)
Article
Über die Ebene von Adana [Nachricht]
Date
1907-09-01
Page
Seite 316 (sequence 2)
Language
German
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— 316 — •der Bagdadbahngesellschaft einig zustimmen. Durch ein Netz von Bewässerungs- Kanälen soll die fruchtbare, aber wasserarme Ebene von Konia mit Wasser versehen werden, wodurch auch dort die Landwirtschaft kräftig aufblühen würde, im westlichen Randgebirge sollen die Mineralschätze gehoben werden und die Versuche der englischen Smyrna-Aidinbahn, der Bagdadbahn durch Anlage einer Bahn vom Egherdirsee nach Adalia Frachten abwendig zu machen, scheiterten am Einsprüche <ier deutschen Diplomatie. Die kurze Linie Mersina-Adana wird die Bagdadbahn mit dem Meere verbinden und zu diesem Zwecke hat letztere schon die Mehrheit Ihrer Aktien erworben. Im Auftrage der Mersina-Adanabahn haben französische Ingenieure bereits ein Projekt für die Bewässerung der Ebene von Adana verfaßt, dessen Ausführung gegen zwei Millionen Mark kosten würde. Wie dadurch die landwirtschaftliehe Kraft der Ebene gehoben werden müßte, geht daraus hervor, daß in den letzten Jahren nur infolge besserer Verwaltung die Summe von 160 000 auf 280000 Pfund gestiegen sind und sich der Wert des Bodens um das vier- bis fünffache erhöht hat. Die Ebene von Adana hat unstreitig eine große Zukunft, nur muß zuerst die Bagdadbahn bis Adana oder noch besser bis Aleppo fortgeführt und die Bewässerungsanlage angelegt sein. Das kann noch lange dauern, es kann aber auch sehr bald geschehen. Für die deutsche Volkswirtschaft ist die Ebene von ganz besonderer Bedeutung und Wichtigkeit. Die Tatsache, daß die Bahnen, die sie einst durchschneiden werden, im deutschen Besitz sind, und auch die Bewässerungsanlage von Deutschen ausgeführt werden wird, verleiht den Deutschen ganz von selbst das wirtschaftliche Übergewicht. Längs der Bahnlinie hat die Bagdadbahngesellschaft das Recht, bis zu 10 km Entfernung auf beiden Seiten alle vorhandenen Minen, Steinbruche und Wasserkräfte auszubeuten usw. Die deutsch-levantinische Baumwollgesellschaft will sich ferner nicht darauf beschränken, die Baumwollkultur durch Ermunterung und Unterstützung der Bauern zu befördern, sondern sie will eigene Baumwollplanzungen anlegen, um die jährliche Produktion zu erhöhen. Je mehr Baumwolle die deutsche Industrie aus Kleinasien beziehen kann, desto unabhängiger wird sie von Amerika, und da auch in den deutschen Kolonien alle Vorbereitungen für eine erfolgreiche Baumwollkultur gegeben sind, so ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß in einigen Jahrzehnten die deutsche Baumwollspinnerei vom amerikanischen Markte ganz unabhängig sein kann. Die deutsche Tätigkeit jeder Art im Gebiete von Adana vergrößert natürlich auch den Bezug deutscher Waren. Das Material für den Eisenbahnbau und die Bewässerungsanlage wird zum größten Teil aus Deutschland bezogen werden; eines schönen Tages wird in Mersina ein Hafen gebaut werden müssen, wofür natürlich auch die Bagdadbahngesellschaft die Konzession erhalten und Deutschland die Krane, Lagerhäuser, Getreidespeicher usw. liefern wird; für die Baumwollkultur braucht man Pressen, Entkernungsmaschinen, Reifen und verschiedenes anderes Werkzeug, die Landwirtschaft kann ohne Maschine nicht mehr auskommen, die Erzlager werden aufgeschlossen werden und die Wasserkräfte dem Menschen dienstbar gemacht werden. Kurz, überall wird sich eine lebhafte Nachfrage nach Baumaterial, Maschinen, Handwerkszeug und Geräten geltend machen, die zum allergrößten Teil in Deutschland gedeckt werden wird, dort also, von wo das befruchtende Kapital und die Anregung gekommen sind. Mit steigendem Wohlstande der Bevölkerung wächst natürlich auch der Verbrauch anderer Industrieerzeugnisse. Die Franzosen, die ihre einstige herrschende Stellung im Handelsverkehr mit Mersina-Adana gänzlich verloren haben, sehen nicht ohne Neid die Erfolge, die dort deutscher Unternehmungsgeist erzielt, und die Einsichtigen unter ihnen werden nicht müde, ihren Landsleuten die deutschen Arbeits- und Geschäftsmethoden als leuchtendes Beispiel hinzustellen. Für die Redaktion verantwortlich Dr. J. Thon, Herliu. — Verlag der Kommission zur Erforschung Palästinas (Prof. O. Warburg) H-ilin W. 15. — Druck von E. Grüner, Bernau-Kerlin.

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