Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1907)
- Article
- Das Valoneageschäft in Smyrna [Nachricht]
- Date
- 1907-09-01
- Page
- Seite 312 (sequence 2)
- Language
- German
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— 312 — richten sich immer mehr auf die billigere Extraktgerbung ein, durch welche die Haut in ca, 4-6 Wochen gegerbt werden kann; der Gerbungsprozess bei Valonea dauert bekanntlich etwa 6—9 Monate, Allerdings ist Valonea der edelste Gerbstoff, und das damit gegerbte Leder ist auch qualitativ immer besser als das schnell gegerbte, das Publikum aber achtet nicht so sehr auf die Dauerhaftigkeit, sondern zieht das billigere Leder vor. In Frankreich und England hält sich noch der Konsum von Valonea so ziemlich auf gleicher Höhe, aber selbst dort verlangt man immer mehr und mehr billigere Ware. So ist heuer zum ersten Male der Versuch gemacht worden, griechische Valonea, welche bekanntlich minderwertiger als Smyrnaer Provenienz ist, in England zu verarbeiten, während bisher griechische Valonea nur nach dem Kontinent exportiert wurde. Der Export Srayrnas in Valonea verteilt sich im nachstehenden Verhältnis: England 40 Prozent, Deutschland 20 Prozent, Österreich-Ungarn 16 Prozent, Russland 16 Prozent, Italien 6 Prozent, Australien 2 Prozent. Die Erzeugung von Valoneaextrakt stellt sich viel zu teuer, als dass er einen grösseren Absatz finden könnte. Auf jeden Fall kann der Valoneaexport gegen Extrakte anderer Gerbstoffe nicht konkurrieren Anbau von Papyrus in Ägypten. Wie Daily news (London) berichtet, bemüht sich Herr Smedley Norton, ein in England bekannter Forschungsreisender die seit mehr als 1000 Jahren erloschene Kultur der Papyruspflanze in Ägypten wieder ins Leben zu rufen. Grosses Landgebiet sei bereits mit PapÄrus angebaut, und die Unternehmer hofften, aus der Papyruspflanze besseres Papier als das heute marktgängige und zu erheblich billigerem Preise herzustellen. Bis zum 7. Jahrhundert n. Chr, wurde der Anbau von Papyrus in Ägypten lebhaft betrieben; jetzt sei die Pflanze m Ägypten ausgestorben. Was die riilreisenden als Papyrus ansehen, sei lediglich Nilgras, das für die Papierfabrikation ungeeignet sei. Herr Norton verschaffte sich Papyrussamen aus abgelegenen Teilen von Syrien und Palästina, besonders aus der Nachbarschaft des Sees Galiäa und des Flusses Jordan. In diesen Heimatsgegenden der Pflanze verspricht ihr Anbau keinen kaufmännischen Erfolg, weil es dort an Verkehrsmitteln zur Küste fehlt. Herr C. B. Clarke von der Versuchsanstalt in Kew Garden bei London stellte fest, daß die von Herrn Nörten gezogene Pflanze echter Papyrus sei, und der Chemiker Quirin Wirtz fand nach vielen Versuchen, daß der aus Papyrus herstellbare Stoff vorzüglich geeignet zur Papierfabrikation sei. Seine Anwendung hänge lediglich von der erhältlichen Menge und vom Preise ab. Hierzu äussert sich Herr H. E. Winter, der an dem ägyptischen Papyrus- Unternehmen beteiligt ist, wie folgt: Die erhältliche Menge und die Kosten der Rohpflanze wurden durch Fachleute genau berechnet, und es ergab sich, daß das Unternehmen gute kaufmännische Grundlage hat Die Papyruspflanze wächst im Wasser und erreicht 7 bis 10 Fuß Höhe. Dreimal jährlich kann geerntet werden, im Januar, April und Oktober, und die Pflanze braucht lediglich Bewässerung von Zeit zu Zeit. Diese läßt sich leicht bewirken, da die Anbaufläche niedriger liegt als der Nilspiegel. Gepflügt braucht nur einmal in 5 Jahren zu werden, dann allerdings sehr tief. Da Arbeitskräfte dort billig sind, so werden die Herstellungskosten nicht hoch sein. Zunächst werden 7—800 Äcker angebaut, und von dieser Fläche hoffen wir in den ersten 12 Monaten,