Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1907)
- Article
- Neue Forschungen in Ägypten [Nachricht]
- Date
- 1907-09-01
- Page
- Seite 305 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 305 — Grabung, von deren Ausbeute nach dem Plan der Deutschen Orient- .gesellschaft die vorgeschichtlichen Sammlungen Deutsch]ands Anteile erhalten sollen. Dr. Grothes Studienreise in Mesopotamien. Über eine im südwestlichen Babylonien von Bagdad nach Hille, dann nach Kufa, Nedjef, Kerbela ausgeführte Eeise gibt Dr. Hugo Grothe in einem an den Expeditionsausschuß Anfang Juni aus Bagdad gesandten Bericht folgende Einzelheiten von allgemeinem Interesse. Eine Überschwemmung wie sie seit zwanzig Jahren sich in Babylonien nicht ereignete, machte mein Streifen ungemein schwierig und zeitraubend. Verhältnismäßig starke Niederschläge im April und Mai sowie der plötzliche Eintritt heißer Zeit und somit der Schneeschmelze nach einem überaus harten Winter, dessen Ungemütlichkeiten ich vom Dezember bis März am obern Euphrat und Tigris zu überstehen hatte, sind im Verein mit der Verwahrlosung aller Damm- und Kanalbauten als die Ursachen dieser „großen Flut" zu betrachten. Euphrat und Tigris sind gegenwärtig fast eins von Feludja und Bagdad bis an den beide Flüsse verbindenden Schatt el Hai. Was herausragt, ist wie Inseln inmitten eines Meeres. Die Zerstörung des 1891 von der türkischen Regierung errichteten, von Hindie nach Kerbela laufenden Stauwerks, das seit einem Lustrum von Jahr zu Jahr stückweise verfallen ist, hat in diesem Frühjahr, in dem die Niedeiiegung dieses Dammes auf weiten Strecken erfolgte, den Verlust zahlreicher Dörfer und des größten Teiles der Getreideernte zur Folge gehabt. Der Euphrat nimmt heute nicht mehr seinen Lauf über Babylon und Hille, sondern über Kufa und Samava im Bett des ehemals kleinern und alten, langgestreckten Überschwemmungsseen folgenden Hindiearms. Der östlichere, über Babylon und Hille fließende Arm ist nicht mehr als der eigentliche Euphratlauf, sondern als ein Bewässerungskanal zu betrachten, der sieben Monate des Jahres vollkommen trocken liegt, auf dessen Boden dann die Bevölkerung der anliegenden Oasen fauliges Naß liefernde Brunnen gräbt, und dessen Wasser nicht mehr genügen, den Uferpflanzungen Nahrung zu geben. So schreitet die Verödung des Bezirks Hille mit Riesenschritten vorwärts, Hille, das man vor einer Reihe von Jahren noch auf 30- bis 35 000 Seelen veranschlagte, ist auf 15- bis 20000 Einwohner gesunken, dies zugleich infolge einer Cholera, die 1904 wütete. Noch sah ich an den Türen verlassener Häuser die Fetzen der Zettel kleben, die ein durch die Krankheit verseuchtes Haus gekennzeichnet hatten. Die Zivilliste des Sultans , die in dem Bezirke von Hille zahlreichen, bei weiterer Verödung dem Untergang geweihten