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Palästina · 1907-09-01 · Heft 9-12 (September 1907) · p. Seite 300

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Journal
Palästina
Volume
4 (1907)
Issue
Heft 9-12 (September 1907)
Article
Das englisch-russische Abkommen und die Bagdadbahn [Nachricht]
Date
1907-09-01
Page
Seite 300 (sequence 2)
Language
German
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— 300 — wurden. Der Reichskanzler soll bei dieser Gelegenheit Herrn Cambon zu verstehen gegeben haben, dass Deutschland der französischen Republik in Casablanca nicht im Mindesten hinderlich sein würde, dagegen von Frankreich verlange, dass es bei dem Abschlüsse des englisch-russischen Abkommens vermittle, welches Abkommen im Hinblick auf Persien notwendigerweise auch die Bagdadbahn berühren würde. Diese Frage der Bagdadbahn allein verzögerte den Abschluss des englisch-russischen Abkommens. Auf einen aus Paris gekommenen Wink übte Herr Bompardy französischer Botschafter in Petersburg, einen Druck auf die russische Regierung, um für Deutschland das Maximum an Konzessionen bezüglich der Verlängerung dieser Bahnlinie bis zum persischen Golf zu erlangen. Sir Arthur Nicholson erklärte, dass er im Süden von Bagdad keinerlei Konzession machen könne, und es wurde nun ein neuerlicher Schritt bei Herrn Pichon in Paris unternommen. Allein der König von England einerseits und die französische Regierung andererseits, welche durch die Unterredung des Herrn Cambon mit dem Fürsten Bülow engagiert war, zeigten grosse Nachgiebigkeit, und um der Abspannung in den Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland Nachdruck zu verleihen, räumten sie Deutschland entschiedene Vorteile in der Bagdadbahn-Frage ein. Diese grosse Linie wird an einem Deutschland beliebigen Punkte des persischen Golfes einmünden unter der Bedingung, dass der Betrieb der Bahn südlich vonBagdad von einer englisch-deutschen Kommission kontrolliert werden wird. Lord Cromer über Ägypten. Der unlängst aus seinem Amte geschiedene britische Generalkonsul in Ägypten, der berühmte Staatsmann Lord Cromer beleuchtet in seinem, letzten Berichte ausführlich die nationale Bewegung in Ägypten, die „erheblich mitpan-islamitischen Bestrebungen geschwängert sei und denZusammenschlüss aller Mohammedaner bezwecke, um den christlichen Mächten Trotz und Widerstand zu bieten«" Der der Propaganda zugrunde liegende Gedanke der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Ägyptens ist nach der Meinung Lord Cromers schwer verständlich, da man bis in die Zeit der Pharaonen zurückgehen müsse, um eine Parallele zu finden. Die nationale Bewegung sei ein exotisches Gewächs und verdanke ihr Entstehen der Berührung der Eingeborenen mit den Europäern. Die ägyptische Nationalpartei sei sich zudem auch nicht einmal klar, was sie eigentlich wolle, denn sie habe kein bestimmtes Programm. Einige Führer forderten zwar eine Volksvertretung nach englischem Vorbild und eine Kontrolle der ägyptischen Finanzen durch Ägypter, aber dem müsse entgegengehalten werden, dass eine parlamentarische Verfassung ein Chaos, die Niederlegung der englischen Finanzwirtschaft einen Bankrott im Gefolge haben müsse. Um den Nationalisten entgegenzukommen und die Gemüter zu beschwichtigen,, schlägt Lord Cromer die Aufhebung der Legislatur und die Einsetzung eines lokalen Legislativrates vor, der wenigstens aus 36 und höchstens 40 Europäern 2u bilden sei. Vier derselben sollten Regierungsbeamte (Beiräte im Finanz- und Justizdepartement, sowie der Abteilung für innere Angelegenheiten und öffentliche Arbeiten) «ein, sowie sieben Richter des Eingeborenen-Gerichtshofes und sechs Richter der Gemischten Gerichts-

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