Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 9-12 (September 1907)
- Article
- Persisch-türkischer Konflikt [Nachricht]
- Date
- 1907-09-01
- Page
- Seite 299 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 299 — •wurde. Dort sollten Persien und die Türkei selbst eine genaue Grenzlinie Unden, doch ist das bis heute nicht geschehen, denn auch der am 2. August 1869 zwischen Persien und der Türkei abgeschlossene Vertrag verfolgte lediglich den Zweck, der Regelung des Status quo mehr Kraft zu geben und ihn zu befestigen. Von einer gegenseitigen Anerkennung der Besitzrechte war nicht die Rede und so konnte es geschehen, dass immer neue' .Zwischenfälle entstanden. Das strittige Gebiet wird nämlich hauptsächlich von Kurden durchzogen, die nicht sesshaft gemacht werden können und sich bald als Perser, bald als Türken bekennen, je nachdem sie auf dem einen oder dem anderen Gebiete Räubereien und andere Missetaten begangen haben. Wenn sich der Streit zwischen Persien und der Türkei zuspitzen •sollte, was allerdings nicht wahrscheinlich ist, so würde sich eine Belastungsprobe für das russisch-englische Einvernehmen ergeben, denn darüber kann kein Zweifel herrschen, dass ein Krieg zwischen der Türkei und Persien zu einer bewaffneten Einmischung Russlands und Englands führen würde. Hält man es doch nicht für unmöglich, dass Persien in den türkischen Provinzen Bagdad und Bassorah ernste Unruhen hervorrufen könne, da die an der Grenze ansässigen Luren und Bochtiaren — gegen 40,000 geübte Reiter und Schützen, dabei lauter Schiiten — nur eines .Zeichens des Schah von Persien bedürfen, um zur Eroberung der in der Provinz Bagdad gelegenen heiligen Stätten von Kerbela auszuziehen. Auch die Araber im Gebiete von Bassorah würden wahrscheinlich tdie Gelegenheit benutzen, um sich von der türkischen Herrschaft frei zu machen. Der Gegensatz zwischen Persien und der Türkei wird ohne Zweifel noch durch Fragen der Religion verschärft. Die Perser sind Schiiten und »die Türken Sunniten; jene verehren Ali, den Gatten der geliebtesten Tochter des Propheten und sein Geschlecht als einzig rechtmässige Khalifen;und Statthalter Gottes, denen in der Interpretation des Koran die höchste Autorität beiwohne, diese weisen dem Gatten der Fatima den vierten Rang an und lassen dem Koran auch die Sunnah, d. h. die von Abu Bekr und seinen Nachfolgern sanktionierten mündlichen Ueberlieferungen, Aussprüche, Reden und Erzählungen des Propheten als bindendes Glaubensgesetz gelten. Gewiss macht sich diese Spaltung der Moslemin in die zwei grossen Religionsparteien noch immer geltend und insbesondere geschieht dies unter dem Einflüsse des jetzigen Sultans, der seit Jahren bemüht ist, sein Ansehen als Khalif zu erhöhen. Die freiheitliche Bewegung in Persien und die Gewährung einer Verfassung hat natürlich die Gesinnung Abdul Hamids gegenüber dem mohammedanischen Nachbarreiche nicht freundlicher gestaltet. (Frankf. Ztg. vom 14. 8. 07.) Das englisch=russische Abkommen und die Bagdadbahn. Aus Paris, 18. September, wird dem Pester Lloyd geschrieben: Man spricht noch immer von dem englisch-russischen Abkommen und vcn der Rolle, welche Frankreich als Vermittler zwischen den beiden Mächten und bei Deutschland gespielt hat. Der „Courrier Europeen" bringt in seiner jüngsten Nummer interessante Nachrichten in diesem Belange, besonders über die Verhandlungen, die zuerst in Berlin, dann in Norderney während •des Besuches des Herrn Jules Cambon bei dem Fürsten Bülow gepflogen