Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 6-8 (Juni 1907)
- Article
- [Die Entstehung einer] deutschen Ansiedlung in den Ostmarken [Nachricht]
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 220 (sequence 2)
- Language
- German
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— 220 eine reine Musterkarte von allen bäuerlichen Bauarten : hier eine Hofanlage mit getrennten Gebäuden, dort alles unter einem Dach, anderswo wieder getrennte, aber durch Zwischenbauten verbundene Gebäude. Nur eine Bauart ist nicht vertreten, in der der Stall das Untergeschoß, die Wohnung das Obergeschoß bildet. ,,Hier habe ich das nicht nötig, sagt der Bauer, hier kann ich mir einen ordentlichen fiof bauen, hier bekomme ich ja für das Geld, das mich in meinem Dorfe zu Hause ein Bauplatz kostet, ein ganzes Bauerngut." Den Schwierigkeiten, die der Eigenaufbau bereitet, trägt die Ansiedelungskommission dadurch Rechnung, daß sie dem Rentenansiedler 2—3 Freijahre bewilligt, ihm auch Ergänzungsdarlehen gewährt, wenn die Mittel nicht ausreichen sollen. Perschiedcnes. Die Weinproduktion Frankreichs. In Anbetracht der Weinkrise in Palästina, wo die ganze Weinproduktion nur ca. (50000 hl. beträgt, ist es interessant zu erfahren, daß Frankreich, welches Land ja momentan unter einer ganz gewaltigen Weinkrise leidet, im Jahre 100(5 nach Ausweis des Finanzministeriums nicht weniger als 00,4 Millionen Hektoliter Wein erzeugt hat, also 1000 mal so viel wie Palästina. Mach Paris werden davon nach dem Ausweis des städtischen Verbrauchssteueramtes 3177000 hl eingeführt, von denen aber ca. 900000 hl wieder ausgeführt werden. Der Verbrauch der einen Stadt Paris beträgt demnach ca. 2300000 hl jährlich also fast 40 mal mehr als wie ganz Palästina an Wein produziert. Diese Zahlen lehren, daß, so schwer die momentane Krisis auch die derzeitigen Weinproduzenten in Palästina trifft, eine geringe und zweifellos schon in wenigen Jahren erreichbare Zunahme des Weinkonsums in Syrien und Ägypten genügen wird, um diese doch verhältnismäßig minimalen Mengen mit Leichtigkeit aufzunehmen. Der Seifenbaum. Jeder Haushalt kennt die Quillayarinde, das ist die Saponin haltige Rinde eines chilenischen Strauches. Neuerdings wird aber in steigendem Maße zu Reinigungszwecken von Zeug ein bläuliches Seifenpulver benutzt, das von den Früchten eines mit unserer Roßkastanie entfernt verwandten Baumes der Gattung Sapindus gewonnen wird Sowohl China wie Südasien als auch Amerika besitzen Arten dieser Gattung, welche in diesen Ländern teilweise schon lange wichtige Handelsartikel bilden. In der Tat findet man diese haselnusgroßen runden und nur an einer Seite flachkantigen glänzend braunen Früchte in Indien, Java, Siam, Cochinchina bis herauf nach China fast auf allen Märkten. Das Seifenpulver wird durch Zerkleinerung des Saponin enthaltenden Fruchtschalen gewonnen, während die glänzend schwarzschaligen rundlichen Samen keinen Wert haben. Neuerdings versucht man diesen nützlichen Baum in den Südstaaten Nordamerikas in erheblichem Maße in Kultur zu nehmen, ebenso wird er in Algier schon seit längerer Zeit kultiviert. Die Kultur ist eine langwierige, da er erst im (j. Jahre Früchte anzusetzen beginnt. Im Mittelmeergebiet kann er* wohl nur gedeihen, wo -er im trockenen Sommer bewässert werden kann, da die starke Laubkrone des bis 15 Meter hohen Baumes viel Wasser verdunstet. Wie uns Herr Aaronsohn aus Palästina schreibt, hat er aus Algier Samen des Baumes erhalten, so daß auch dort Versuche mit der Kultur des Samenbaumes angestellt werden. Für die Redaktion verantwortlich Dr. J. Thon, Ilalensee. — Verlag der Kommission zur Erforschung Palästinas, (Prof. O. Warburg», Berliu W. 15. — Druck von E. Grüner, Byrnau-Berlin.