Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 4 (1907)
- Issue
- Heft 6-8 (Juni 1907)
- Article
- Mohammedanische Einwanderung nach der Türkei [Nachricht]
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 218 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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— 21S — Mohammedanische Einwanderung nach der Türkei. In der Köln. Zeitg. vom 3. 6. d. Jahres wird die Zahl der seit dem lezten russisch ' türkischen Kriege eingewanderten Mohammedaner auf 6' bis 700 000 geschätzt, davon kommen 300 000 auf Ostrumelien und Bulgarien, 100000 auf Bosnien und die Herzegowina. „Die Einwanderer aus den slawischen Ländern sind besonders tüchtige und ruhige Landarbeiter, weniger sind es die Kreter, die ihren griechischen Charakter nicht verleugnen. Es ist schon früher erwähnt worden, daß die türkische Regierung viel zu wenig tut, um die Einwanderer zu verwerten. Vorsorgende Arbeit ist überhaupt nicht die starke Seite der türkischen Verwaltung. Man nimmt Anläufe, ermüdet, und bald ist alles versumpft. Es heißt nun, daß mehrere Zehntausende von Einwanderern in dem Wilajet Adana angesiedelt werden sollen. Das wäre mit rreude zu begrüßen, da dies Wilajet einmal von der Verlängerung der ersten Strecke der Bagdadbahn durchzogen sein wird und arbeitsame Landwirte ebenso gebrauchen kann, wie diese gute Beförderungsmittel schätzen." Das Missionshaus des Syrischen Waisenhauses in Jerusalem umfaßt 10 Anstalten: 1. das große Waisenhaus für Knaben aus Palästina und Syrien, in dem über 2000 Kinder des Landes evangelisch erzogen sind; 2. das Mädchenwaisenhaus mit 36 Kindern, 3. das armenische Waisenhaus mit 70 Zöglingen, 4. eine große Industrieanstalt, 5. die evangelische Volksschule, in welcher 400 Stadtkinder unterrichtet werden, 6. das Seminar, in dem arabische Lehrer, Prediger und Evangelisten ausgebildet werden, 7. das Blindenheim mit 50 Waisenkindern, S die Gemeinde der um das Mutterhaus herum angesiedelten ehemaligen Zöglinge und anderer einheimischer Christen, 9. die landwirtschaftliche Kolonie Bir Salem am Gestade des Mittelmeeres in der Nähe des alten Lydda, 10. das Waisenhaus in Bir Salem, erst kürzlich eröffnet, wo die Kinder von Jugend auf zu bäuerlicher Arbeit erzogen werden. Touristenverkehr in Jerusalem. Der Köln. Zeitg. wird am 21. IV. aus Jerusalem geschrieben: Wir stehen in der Saison. Ja freilich, auch Jerusalem hat seine Saison, und das ist und wird immer bleiben die Zeit der Frühlingsmonate März und April, die Zeit des Osterfestes, weiches die Gläubigen der verschiedenen christlichen Bekenntnisse zum Heiligen Grabe ruft, die Zeit des Nebi- Musa^Festes, das zu Tausenden die Moslemin von nah und fern zum sogen. Grabe Moses führt, und zugleich die Zeit der relativ günstigsten klimatischen Verhältnisse, die neben den eigentlichen Pilgern, und zwar infolge der stets zunehmenden Erleichterungen im Reisebetrieb immer zahlreicher auch die Touristen die Wege zur Heiligen Stadt finden lässt. Freilich ahnen diese nicht, dass sie manchmal noch im letzten Augenblick wohl oder übel die Rolle zu wechseln gezwungen sind, indem sie, wie man es gerade jetzt nicht selten sehen kann, von Hotel zu Hotel und von einem Hospiz zum andern pilgern müssen, um sich ein gastliches Dach zu suchen. Dieses Jahr wird eine ganz ungewöhnlich hohe Fremdenfrequenz aufweisen. Die verschiedenen Reisebureaus sowie die einzelnen Dragomane, führen immer wieder grössere oder kleinere Gesellschaften durch Stadt und Land. Die Armenier in den Hospizen des St. Jakobsklosters